Kirchheim

„Vorbildfrauen“ begeistern Mädchen fürs Handwerk

Bundesweiter „Girls‘ Day“ ermöglicht jungen Frauen Einblicke in die Vielfalt ursprünglicher Männerberufe

Mitmachen, ausprobieren, informieren – am bundesweiten „Girls‘ Day“ haben junge Mädchen die Chance, handwerkliche Berufe kennenzulernen.

Gärtnerische Tätigkeiten und technische Feinarbeit gehörten zu den Angeboten für Mädchen im Hohenreisach.Fotos: Carsten Riedl

Gärtnerische Tätigkeiten und technische Feinarbeit gehörten zu den Angeboten für Mädchen im Hohenreisach. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Kirchheim. Von der Malerwerkstatt bis zum IT-Bereich war im Christlichen Jugenddorf Hohenreisach gestern alles geboten. Zum vierten Mal findet dort der „Mädchenhandwerkstag“ statt. 128 Schülerinnen lernen handwerkliche Berufe kennen und können in verschiedenen Werkstätten ihre eigenen Fähigkeiten testen. Die Teilnehmerinnen sind bunt gemischt, von der 5. bis zu 9. Klasse, aus allen umliegenden Schulen. Auch die Vorbereitungsklasse der Alleenschule, in der junge Flüchtlinge deutsch lernen, ist dieses Jahr mit dabei.

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Mit einem Laufzettel ausgestattet, machen sich die Mädchen auf den Weg, sieben unterschiedliche Handwerksberufe zu erkunden. Im IT-Bereich, den es erst seit diesem Jahr gibt, erwartet sie ein geöffnetes PC Gehäuse. Zwei Auszubildende erklären den Teilnehmerinnen den Aufbau eines Computers und welches Teil für was zuständig ist. Außerdem bekommen sie Informationen über die Ausbildung und Jobperspektiven. Neben der Informatik ist noch ein weiteres Berufsbild neu dabei, nämlich die Kfz-Werkstatt. „Ein Mädchen hat mich ganz schüchtern gefragt, was Kfz denn bedeutet“, erzählt Birgit Häbich-Kampourakis vom Kirchheimer Brückenhaus, das Träger der Jugendagentur ist. Im Kirchheimer Autohaus Schmauder & Rau können die Schülerinnen an diesem Tag miterleben, wie eine Werkstatt so von innen aussieht und wie ein Kraftfahrzeugmechatroniker Reifen wechselt.

Neben diesen Bereichen gibt es noch eine Malerwerkstatt, in der die Mädchen kleine Bilder mit Farbe und Pinsel gestalten können. Diese Kunstwerke dürfen sie später in der Holzwerkstatt auf selbst gebaute Rahmen spannen. Das Material sägen und schleifen können die Schülerinnen auch nebenan, um eigenhändig einen Schlüsselanhänger aus Holz zu fertigen. Auch in der Metallwerkstatt wird fleißig gefeilt und gebohrt, damit am Ende ein schöner Postkartenständer entsteht. Wer ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen hat, ist im Bereich der Bauzeichner genau richtig. Hier dürfen die Teilnehmerinnen von Hand verschiedenste Figuren zeichnen. Für den grünen Daumen ist im Gewächshaus auch etwas dabei.

Bei dieser Veranstaltung ist vor allem eines wichtig: „Vorbildfrauen“, die selbst in einem Handwerksbetrieb arbeiten. „Zwei Mädchen sind schon zum vierten Mal da“, freut sich Birgit Häbich-Kampourakis. Auch Bettina Schmauder hat tolle Neuigkeiten: „Ein Mädchen ist zum zweiten Mal da und will 2017 eine Ausbildung als Kfz-Mechatronikerin machen“. Wenn im Laufe des Tages Fragen auftauchen oder Schülerinnen mehr über einen bestimmten Beruf wissen wollen, stehen ihnen zwei Mitarbeiterinnen der Berufsberatung zur Seite. Sie haben kurze Filme und viel Infomaterial parat.

Die ursprüngliche Idee für den Kirchheimer „Girls‘ Day“ kam von Mitarbeitern der Berufsberatung, die zur Bundesagentur für Arbeit gehört. In Zusammenarbeit mit der Jugendagentur, die Jugendliche zwischen Schule und Beruf begleitet, ist dann der „Mädchenhandwerkstag“ entstanden. Die Jugendagentur hat einige Träger, wie das Kirchheimer Brückenhaus oder das Mehrgenerationenhaus Linde. Deshalb begleiten Mitarbeiterinnen verschiedenster Einrichtungen die Schülerinnen durch den Tag. Auch der Bund der Selbstständigen ist durch Schirmherrin Bettina Schmauder vertreten. Ausbilder und Auszubildende, die nicht zum christlichen Jugenddorf gehören wurden von der Kreishandwerkerschaft Esslingen/Nürtingen vermittelt.

Mädchenhandwerkstag 28.04.2016 im Jugenddorf HohenreisachSchlosser Mechaniker

Foto: Carsten Riedl