Lokales

„Besonderes Fleckchen“ ist aufs Zupacken angewiesen

Rund 80 Naturfreunde waren beim Landschaftspflegetag im Schopflocher Moor mit von der Partie

Landschaftspflegetag im Schopflocher Moor
Landschaftspflegetag im Schopflocher Moor

„Da haben wir aber Glück gehabt“, meinte eine Naturfreundin, als sie das einstige Otto-Hoffmeister-Haus bei Nieselregen verließ. Hatten sie und knapp 80 andere doch einige Stunden mit der Pflege des Schopflocher Moors verbracht – zwar bei kaum über null Grad, aber Nässe nur von unten.

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Schopfloch. Sind die Füße nach dem Einsatz im Moor nun trocken oder nass? „Mittel, trotz Gummistiefel“, meinte Michael Schmid. Er fand den Landschaftspflegetag „einwandfrei“ und war schon zum dritten Mal dabei. Auch unter den anderen Freiwilligen waren viele Wiederholungstäter, viele zählten zu den Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins. Dem Verein gehört knapp die Hälfte des 76 Hektar großen Naturschutzgebiets. Mit von der Partie waren auch die Junior Ranger des Naturschutzzentrums Schopflocher Alb. Zum fünften Mal hatten der Albverein, das Naturschutzzentrum und das Referat Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam zum Landschaftspflegetag eingeladen.

„Wir stehen hier auf einem ganz besonderen Fleckchen auf der Schwäbischen Alb“, begrüßte der Erste Landesbeamte Matthias Berg am Morgen die Freunde der Natur. Normalerweise entweiche das Wasser auf der Alb senkrecht nach unten. Hier sei das durch den Schwäbischen Vulkan anders. Im Jahr 1942 wurde das Moor das erste Naturschutzgebiet im Landkreis. „Das was gewachsen ist und dort nicht hingehört sammeln und verbrennen“ beschrieb Berg die Aufgabe des Vormittags. Warum verbrennen und nicht häckseln, fragte ein Freiwilliger kritisch nach. Das liegt daran, dass man nicht ins Moor hineinfahren kann, der Weg zum Herausschleppen des Materials wäre sehr weit gewesen. Und das CO2 wird auf jeden Fall freigesetzt – egal ob beim Verbrennen oder beim Vermodern.

„Wir können für die Grundlagen sorgen“, sagte Ministerialdirigent Wolfgang Baur vom Regierungspräsidium. Doch für die ordentliche Pflege brauche es viele Ehrenamtliche. Zehn von ihnen wurden abgezweigt, sie halfen dem Ortsverein Neidlingen des Schwäbischen Albvereins im Naturschutzgebiet „Unter dem Burz“. Dort war bereits vor Wochen gemäht worden und es wurde Zeit, dass das mal jemand wegräumt.

Im Schopflocher Moor gab es vier Gruppen: Wer Gummistiefel anhatte, kam in Gruppe zwei, bei den anderen drei Gruppen war der Boden etwas weniger feucht. Die Arbeitshandschuhe wurden gestellt, sie durfte jeder als Geschenk behalten. Der Pflegetrupp des Schwäbischen Albvereins hatte mit Motorsägen gut vorgearbeitet. Die Freiwilligen sammelten mit Ausdauer schweres Holz, kleine Äste und Reisig ein und warfen sie in mehrere Feuerstellen. Diese qualmten am Anfang ganz ordentlich, doch schnell bekamen die Flammen die Oberhand. Die Feuerstellen schaden der Natur nicht dauerhaft. Auf dem Rohboden bildet sich schnell wieder eine Grasnarbe. Zu den Erstbesiedlern gehören Disteln, sehr zur Freude der Schmetterlinge.

Es wurde nicht nur gearbeitet, auch für Gespräche rund um den Naturschutz blieb zwischendurch genügend Zeit. Schon kurz vor zwölf Uhr war die große Gruppe mit ihrer Arbeit fertig und ging zum vom Regierungspräsidium gesponserten Maultaschenessen. Es sei schön, meinte ein Teilnehmer, wie schnell es bei so vielen Leuten „ein Stück gebe“. Die Feuerstellen im Moor wurden vom Pflegetrupp weiter bewacht.

„Durch die Landschaftspflegetage sollen Naturschutzgebiete nicht als Restriktion, sondern als etwas Positives verstanden werden“, wünscht sich Sonja Strobel vom Naturschutzzentrum. Gäbe es diese Pflege nicht, würde das Schopflocher Moor mit Gehölz zuwachsen. Dies liegt an der vor 200 Jahren begonnenen Entwässerung und dem früheren Torfabbau. Die artenreichen Feuchtwiesen drohen zu verschwinden. Von 1999 bis 2009 lief das Projekt „Wiedervernässung des Schopflocher Moores“, die drei Hauptentwässerungsgräben wurden mit Spundwänden verschlossen. Die Baumaßnahme war erfolgreich: dadurch haben sich die Wasserstände stabilisiert, das Torfmoos hat zugenommen.