Lokales

Bunt und lautstark für mehr Bildung

1 000 Jugendliche nehmen am Aktionstag der IG-Metall-Jugend auf dem Esslinger Marktplatz teil

In Aalen waren es laut IG Metall 500 Jugendliche, in Friedrichshafen 600, in Mannheim mehr als 800 und auf dem Esslinger Marktplatz sollen es am Donnerstag sogar 1 000 gewesen sein. Sie alle gingen beim ­Aktionstag unter dem Motto „Move it!“ für mehr Zeit und Geld für Weiterbildung, mehr Qualität an Berufs- und Hochschulen sowie ein Bildungszeitgesetz im Land auf die Straße.

Riesiger Andrang herrschte unter dem Motto „Move it!“ auf dem Esslinger Marktplatz.Foto: Peter Dietrich
Riesiger Andrang herrschte unter dem Motto „Move it!“ auf dem Esslinger Marktplatz.Foto: Peter Dietrich

Esslingen. Kurz vor 15 Uhr hatte die Demonstration auf dem Esslinger Marktplatz begonnen. Kurz danach war die Polizei vor Ort, die Musik vom Band sei zu laut. Die IG-Metall-Jugend nahm es mit Humor. Um zu zeigen, dass sie auch anders laut sein kann, sang sie a cappella und aus vollem Halse „O Tannenbaum“ und „Alle meine Entchen“.

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Abgesehen von dieser Einlage waren die Anliegen, die mehrere Jugendliche auf der Bühne äußerten, sehr ernsthaft. „Wo ist die Lehrmittelfreiheit?“, fragte Sebastian, der bei der Firma Belden in Neckartenzlingen arbeitet. Er sehe sie nicht, für vieles müsse bezahlt werden. Messgeräte seien veraltet, wegen Lehrermangel fielen viele Stunden aus.

Sabrina von Daimler in Sindelfingen regt es auf, dass es in anderen Bundesländern ein Bildungsfreistellungsgesetz gibt, aber in Baden-Württemberg noch nicht. Sie wünscht sich fünf bis sechs Tage pro Jahr für die politische Weiterbildung. „Wenn ich mich für eine Weiterbildung freistellen lassen will, muss ich mehr als ein Jahr vorher einen Antrag stellen“, klagte eine 18-Jährige, die seit zwei Jahren eine Ausbildung zur Industriekauffrau macht. „So früh weiß ich das einfach noch nicht.“ Ein Student kritisierte die „utopisch hohen“ Zulassungsvoraussetzungen für ein Masterstudium. „Zugang zur Bildung muss für jeden gegeben sein“, forderte Alina, die bei Bosch in Schwieberdingen arbeitet. „Es kann nicht sein, dass er von der sozialen Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern abhängt.“

Die Jugend der IG Metall zeigte Fantasie, ließ bunte Luftschlangen fliegen, hatte Banner mit dem Motto dabei und ging um mehr Bildung bittend auf die Knie.

Roman Zitzelberger, seit Ende 2013 Leiter des Bezirks Baden-Württemberg, war im weißen Hemd erschienen und bekam umgehend ein schwarzes „Revolution Bildung“-T-Shirt verpasst. Im Jahr 2008 habe Kanzlerin Merkel von der „Bildungsrepublik Deutschland“ gesprochen, sagte Zitzelberger. Wenn der Weg dorthin ein Marathonlauf sei, „dann haben wir bis 2014 popelige fünf Kilometer geschafft“. Er kritisierte die zusätzlichen Ausgaben für die Bildung als zu wenig: „Ihr seid nicht mehr wert, als die Kostensteigerung des Berliner Flughafens“, rief er den Jugendlichen zu. „Bildung ist ein soziales Grundrecht. Grundrechte dürfen nicht unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden.“ Die Arbeitgeber jammerten über Fachkräftemangel, investierten aber nur unzureichend in die Ausbildung. „Als ob es ein Anrecht gibt, dass qualifizierte junge Menschen auf den Bäumen wachsen.“ Die Bildungselite versuche derweilen, die Privilegien für die eigenen Kinder zu sichern. So schnell will die IG-Metall-Jugend nicht wieder leise werden: Im Herbst sind weitere Großaktionen geplant.