Lokales

Die Faszination der roten Autos

Vor 50 Jahren wurde die Notzinger Jugendfeuerwehr gegründet – Los für Erkenbrechtsweiler

Der zwölfjährige Benjamin war schüchtern. Doch die roten Autos, Blaulicht und Martinshorn faszinierten ihn. So kam er im Herbst 1988 zur Jugendfeuerwehr. Benjamin Lay, der heutige Notzinger Kommandant, ist ein Beispiel dafür, dass der Start der dortigen Jugendfeuerwehr vor 50 Jahren goldrichtig war.

Jugendfeuerwehr Notzingen: Notzingens Bürgermeister Sven Haumacher würdigte den Einsatzwillen des Feuerwehrnachwuchses.Foto: Pet
Jugendfeuerwehr Notzingen: Notzingens Bürgermeister Sven Haumacher würdigte den Einsatzwillen des Feuerwehrnachwuchses.Foto: Peter Dietrich

Notzingen. Meist kämen über 80 Prozent des Nachwuchses in den Einsatzabteilungen aus der Jugendfeuerwehr, sagte Lay am Freitagabend beim Festakt zum 50-jährigen Bestehens. Jede Feuerwehr im Landkreis Esslingen hat eine solche Nachwuchsgruppe. Im Jahr 2012 zählten die 44 Jugendfeuerwehren 958 Mitglieder, davon 170 Mädchen. Im selben Jahr wechselten 111 Jungs und 16 Mädchen in die aktiven Wehren.

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Nach Nürtingen war die Notzinger Jugendfeuerwehr die zweite Gründung im Landkreis. Kirchheim war zwar mit Nürtingen schon 1955 dran, aber dort gab es eine Unterbrechung. Nochmals war die Notzinger Feuerwehr fortschrittlich: 2006 gründete sie die erste Kindergruppe im Landkreis, die „Little Red Hot Chillies“. Sie wurde anderen zum Vorbild.

Die Jugendarbeit höre sich leicht an, sagte Lay: Fahrzeuge, Gebäude und technisches Gerät seien da, die Gemeinde bezahle. Doch es brauche engagierte und motivierte Macher – Jugendwarte, Stellvertreter, Helfer und Ausbilder. Lay dankte ihnen allen. Die Jugendlichen bat er, ordentlich die Werbetrommel zu rühren. „Ihr seid unsere Zukunft und darüber freuen wir uns.“

Auch Bürgermeister Sven Haumacher betonte, es komme nicht auf die Technik an. „Besonders wertvoll ist es, wenn Menschen etwas für Menschen machen. Ohne Einsatzwillen blieben die roten Fahrzeuge nutzlos.“ Die Jugendlichen lernten fürs Leben, etwa Disziplin, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft. Werner Kuttler, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, nannte die Jugendfeuerwehr ein „Erfolgsmodell“. Zwar werde gesagt, die Jugendlichen sollten viel Musisches machen. „Da wirken die roten Autos halt doch besser.“ Für Lay hatte Kuttler eine Überraschung: Er überreichte ihm das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze und würdigte ihn als „zielstrebig, gleichzeitig harmonisch und erfolgreich“. „Ich kann nur Danke sagen, das trifft mich aus heiterem Himmel“, sagte Lay.

„Ihr habt damals vorausschauend entschieden und heute kein Problem mit dem Personal“, lobte Kreisjugendfeuerwehrwart Uwe Steck die Notzinger. Eine Jugendfeuerwehr zu gründen sei sehr einfach. „Aber euch ist es gelungen, 50 Jahre lang Jugendliche zu motivieren.“

Nach dem Festakt im Freien zogen die rund 150 Feuerwehrleute zur Jahreshauptversammlung der Kreisjugendfeuerwehr Esslingen in die Notzinger Gemeindehalle. Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich sagte, es sei wichtig, Jugendliche an die Wehr zu binden: „Die Konkurrenz ist groß.“ Er lobte den Mädchenanteil von fast 18 Prozent. Lay berichtete, die Notzinger Feuerwehr mit ihren 105 Mitgliedern sei nicht nur bei der Jugend aktiv. „Seit ein paar Wochen haben wir wieder eine Altersabteilung.“

Der Bericht des Kreisjugendfeuerwehrwarts zeigte die große Vielfalt der Jugendarbeit, von der Abnahme von Leistungsspangen und Jugendflammen, Leiterlehrgang und Jugendforum bis zu Schiedsrichterfortbildung und Seifenkistenrennen. Im November 2012 wurde der 16-jährige Julian Haug aus Neuffen zum Kreisjugendsprecher gewählt. „Wählt Jugendsprecher und schickt sie zu uns“, lud er die Jugendfeuerwehren im Kreis zu den Jugendforen ein. „Es ist bei uns witzig und gibt meist auch etwas Gutes zu essen.“

Um die Jahreshauptversammlung 2014 hatten sich Erkenbrechtsweiler und Wendlingen beworben. Die Auszählung der 70 Stimmzettel ergab Gleichstand, 35 zu 35. Beim zweiten Wahlgang wurde eine Stimme weniger abgegeben, eine weitere war ungültig. So blieben diesmal 34 Stimmen für jeden Bewerber. Also wurde ausgelost, Lay zog als Glücksfee Erkenbrechtsweiler. Für 2015 gab es nur einen Bewerber, Leinfelden-Echterdingen.

Beim Kreispokalwettbewerb am Samstag traten über 50 Gruppen aus den Jugendfeuerwehren an. Ortsgemischte Teams waren erlaubt und erwünscht. Denn wie die Einsatzabteilungen soll auch die Jugend verstärkt über Ortsgrenzen hinweg kooperieren. Erstmals gab es einen Wettbewerb mit drei Kindergruppen der Feuerwehren.