Lokales

„Ein besseres Klima beginnt mit neuen Ideen“

Umweltminister Franz Untersteller verleiht den Förderpreis „Klimazukunft 2012“ des Rotary Clubs Nürtingen-Kirchheim

Vor fast genau einem Jahr hatte Franz Untersteller zugesagt, bei der nächsten Verleihung des Förderpreises „Klimazukunft“ dabei zu sein. Am Mittwochabend sprach der Umweltminister auf Einladung des Rotary Clubs Nürtingen-Kirchheim über „Regenerative Energie­nutzung“.

Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Min
Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Minister UnterstellerFranz Untersteller MdL - Minister fŸr Umwelt. Klima und Energiewirtschaft.Foto: Jean-Luc Jacques

Dettingen. Rainer Reichhold, Präsident des Rotary Clubs Nürtingen-Kirchheim, freute sich sehr, unter den vielen Gästen auch den amtierenden Umweltminister begrüßen zu dürfen. Die gefällige Umrahmung des Kirchheimer Musikschul-Ensembles „Saxability“ war dann bei der festlichen Preisverleihung im Mercedes-Benz-Verkaufshaus Russ-Jesinger in Dettingen das einzige rückwärts gewandte Element, das mit jazzigen Klängen früherer Zeiten einen Hauch von Nostalgie in die Feierstunde brachte. Ansonsten war der Blick klar und konsequent in die Zukunft gerichtet.

Anzeige
Fšrderpreis - Erste Preis fŸr KŠthe Kolwitz Schule in Esslingen-Zell - Preisvergabe durch Minister Franz Untersteller (zweite vo
Fšrderpreis - Erste Preis fŸr KŠthe Kolwitz Schule in Esslingen-Zell - Preisvergabe durch Minister Franz Untersteller (zweite von rechts) - Rainer Reichhold (links) und Bernd K. Lšrz (rechts) - bei Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Minister UnterstellerFoto: Jean-Luc Jacques

Der geschäftsführende Gesellschafter Hansjörg Russ, der als Hausherr die Besucher begrüßte, richtete den Blick auf neu auf den Markt kommende Fahrzeuge. Von zwei Modellen „Zero Emission“ umgeben vermeldete er, dass der neue Smart mit Elektroantrieb endlich eine Zeit einläute, in der Elektro-Autos echt wettbewerbsfähig werden.

Schon zum vierten Mal hatte der Rotary Club Nürtingen-Kirchheim den Förderpreis „Klimazukunft“ ausgelobt. Die vielen interessanten und voller Ideen steckenden Bewerbungen hatten erneut gezeigt, dass mit dem Förderpreis der richtige Weg eingeschlagen ist.

Gleich zu Beginn hatte Umweltminister Franz Untersteller deutlich gemacht, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu bekommen, aber auch nicht ohne das Engagement und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu schaffen sei. Daher bezeichnete er es auch als ganz besonders wichtig, „dass Aktionen wie diese stattfinden.“

Fšrderpreis - Zweite Preis fŸr Max-Planck-Gymnasium NŸrtingen - Preisvergabe durch Minister Franz Untersteller - Rainer Reichhol
Fšrderpreis - Zweite Preis fŸr Max-Planck-Gymnasium NŸrtingen - Preisvergabe durch Minister Franz Untersteller - Rainer Reichhold (links) und Bernd K. Lšrz (rechts) - bei Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Minister UnterstellerFoto: Jean-Luc Jacques

Er erinnerte daran, dass die seit einem Jahr amtierende grün-rote Landesregierung Baden-Württemberg zur führenden Energie- und Klimaschutzregion machen wolle und bezeichnete die Energiewende als „eine Mammutaufgabe, die uns die nächsten Jahre und Jahrzehnte beschäftigen wird.“ Die Umstellung der Strom- und Wärmeerzeugung versteht er jedoch auch als „große Chance für die Unternehmen und das Handwerk in Baden-Württemberg, neue Geschäftsfelder zu erschließen.“ Zuerst müsse aber die Politik dafür „einen verlässlichen Rahmen schaffen.“ Er sicherte zu: „Dazu werden wir den Klimaschutz auf eine gesetzliche Grundlage stellen.“

Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Min
Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Minister UnterstellerFoto: Jean-Luc Jacques

Um zu einem integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept zu kommen, müsse zunächst der Ausstieg aus der Atomenergie konsequent und zügig umgesetzt und der Anteil der erneuerbaren Energien vor allem bei der Stromerzeugung deutlich erhöht werden. In den kommenden Jahren gehe es darum, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, die Strom-Infrastruktur an die veränderte Produktions- und Versorgungsstruktur anzupassen. Schließlich müssten auch noch „möglichst viele Energieeffizienz- und Energieeinsparpotenziale erschlossen werden, um den Energieverbrauch auch bei wachsendem Wohlstand deutlich zu reduzieren und letztendlich vom Wirtschaftswachstum weiter entkoppeln zu können.“

Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Min
Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Minister UnterstellerRainer Reichhold - PrŠsident Rotary ClubFoto: Jean-Luc Jacques

Um die ernste Bedrohung des Klimawandels in Grenzen zu halten, müsse die Reduktion der CO2-Emission gegenüber 1990 bis zum Jahr 2050 um 90 Prozent gesenkt werden. Strom, Wärmeerzeugung und Verkehr müssten damit fast vollständig auf klimaneutrale Alternativen umgestellt werden. Bernd K. Lörz, Vorsitzender der Jury, erinnerte an den Bericht des Club of Rome, der 1972 „Die Grenzen des Wachstums“ aufzeigen und ein Gleichgewicht einleiten sollte. 40 Jahre später würde noch immer über den Klimawandel geredet wie über ein Problem der fernen Zukunft. Noch immer würden auch Ressourcen verschwendet. Dennoch ist er überzeugt: „Die schnelle, konsequente und nachhaltige Umsetzung der Energiewende könnte hier zu einem Vorzeigeprojekt werden“.

Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Min
Mercedes Autohaus Russ-Jesingen in Dettingen, Kirchheimer Str. 182, Preisverleihung Fšrderpreis "Klimazukunft 2012" u.a. mit Minister UnterstellerFoto: Jean-Luc Jacques

Da aktives Handeln mit guten Ideen beginnt, die Wertschätzung verdienen, wurden zunächst vier Anerkennungspreise in Höhe von jeweils 300 Euro ausgegeben. Ausgezeichnet wurde „Müll – trennen oder verbrennen?“ (Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, Filderstadt), „Wir stoppen die Verschwendung von Energie und Rohstoffen an unserer Schule“.(Fritz-Ruoff-Schule, Nürtingen), das „Integrierte Konzept zur Energiebildung am Robert-Bosch-Gymnasium“ und das pädagogische Projekt zum Thema Energie und Klimaschutz am Schulzentrum Neckartenzlingen: „Solartage.“

Einen mit 1 500 Euro dotierten Förderpreis erhielten Kevin Krumm, Stephan Mögerle, Manuel Palenga und Projektleiter Klaus Müller von der Max-Eyth-Schule Kirchheim (Technisches Gymnasium). Sie hatten erforscht, inwieweit die „eMobility“ im Freizeitbereich über das Fahrrad hinaus zum Einsatz kommen und den Co-Ausstoß reduzieren könnte. Ihr fahrbereiter Outdoor-Kart, der es bei einer Antriebsleistung von circa 24 kW auf immerhin 100 Stundenkilometer bringt, wurde dabei wie ein neuer Formel-1-Rennwagen feierlich enthüllt.

Dass Windenergie nicht nur auf hoher See oder in den Höhen des Schwarzwalds gewonnen werden kann, zeigten die von Karin Urban-Scheiblich betreuten Schüler Tim Zimmermann, Maximilian Fritz und Philip Straub vom Max-Planck-Gymnasium Nürtingen, die ebenfalls mit einem Förderpreis in Höhe von 1 500 Euro ausgezeichnet wurden. In einer eindrucksvollen Videopräsentation demonstrierten sie, wie ihre von vorbeifahrenden Zügen und Autos angetriebenen „straßenbegleitenden“ Windkraft-Prototypen die im Wind enthaltene Energie in elektrische Energie umwandeln können.

Den mit 2 000 Euro dotierten ersten Platz erhielten Katrin Fachet, Ulrich Bloß, Roland Cobradt und Projektleiter Dr. Jörg Wörle-Knirsch für das Projekt „S-O2–ES – Solare Sauerstoffanreicherung Esslingen“ des Biotechnologischen Gymnasiums Käthe-Kollwitz-Schule Esslingen-Zell. Ausgangssituation ihrer Forschungen war der erbärmliche Zustand eines Altarms des Neckars. Ihr Ziel lautete daher, mit einer solarbetriebenen Anlage zur Sauerstoffanreicherung die Selbstreinigungskräfte des Gewässers zu stärken und zu unterstützen, um den Lebensraum für Mensch und Tier wieder lebenswert zu machen. Dies soll „wissenschaftlich begleitet, analysiert und eventuell vermarktet werden.“