Lokales

Für manche ein Traumjob – aber auf Zeit

Nacht acht Jahren steht in sechs Kommunen die Wahl der Rathauschefs an

Rathaus Oberlenningen
Rathaus Oberlenningen

In sechs Kommunen im Kreis Esslingen sind 2015 die Rathausspitzen zu wählen. In den Gemeinden Lenningen, Baltmannsweiler, Oberboihingen und Beuren sowie in den Städten Wernau und Filderstadt sind die Wähler aufgerufen. Wie bei allen Kommunalwahlen in Baden-Württemberg gilt auch hier wieder: Wer 16 Jahre alt ist, darf seine Stimme abgeben.

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Lenningen: Den Start im Wahlreigen übernimmt Lenningen. Am Sonntag, 8. März, bekannt als Internationaler Frauentag, sind – politisch korrekt –alle Bürgerinnen und Bürger an die Wahlurnen gerufen. Bürgermeister Michael Schlecht will nach 16 Jahren in die Verlängerung. Das habe der Familienrat beschlossen, sagt der 48-Jährige. Auch wenn er oft nicht zu Hause sein kann, wollen seine Frau und die drei Kinder (12, 10, 7), dass er Rathauschef bleibt. In der Kommune mit den sieben Ortsteilen, die komplett im Biosphärengebiet Schwäbische Alb liegt, fühlen sich alle wohl. „Eine dritte Amtszeit wäre schön“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt. Gleich am ersten Tag der Bewerbungsfrist, am 12. Dezember, hat er seine Unterlagen abgegeben. Weitere Kandidaten können sich bis 9. Februar, 18 Uhr, melden. „Bisher hat sich noch niemand geoutet“, sagt der Amtsinhaber.

Vor acht Jahren stand Schlecht alleine auf dem Wahlzettel. Das käme ihm auch diesmal gelegen: „Einen Gegenkandidaten brauch’ ich nicht.“ Trete einer in der flächenmäßig drittgrößten Gemeinde im Landkreis an, sei das aber gut für die Wahlbeteiligung. „Dann muss man mich erst einmal schlagen“, sagt der Amtsinhaber.

Baltmannsweiler: Zwei Wochen später, am 22. März, geht es beim nächsten Amtsinhaber darum, ob er bleiben kann. Dann ist erster Wahldurchgang für Martin König, der seit 16 Jahren den Chefsessel in Baltmannsweiler innehat. Der 56-Jährige hat sich bereits für die dritte Amtsperiode beworben. Damit steht er auf dem Wahlzettel ganz oben. Bisher habe noch kein Gegenkandidat seine Wahlunterlagen abgegeben, sagt der Diplom-Verwaltungswirt. Bekannt ist allerdings, dass manche Gemeinderäte unzufrieden sind und nach einem weiteren Bewerber suchen. Das findet König in Ordnung. „Es ist doch legitim, zu sagen, wir hätten gerne eine Auswahl.“ Ob er Fehler gemacht habe? „Mir sind keine bewusst.“ Er glaubt: „Da werden Rechnungen beglichen.“ Er stelle sich den Bürgern zur Wahl. Die würden bewerten, was er in den 16 Jahren bewirkt hat. „Da gibt es viele Erfolge.“ Millionen seien in die Ortskernsanierung in Hohengehren geflossen, die in Baltmannsweiler laufe noch, und die Kommune sei schuldenfrei. Die zwei Töchter seien inzwischen aus dem Haus, aber er und seine Frau fühlten sich im Ort wohl und wollen bleiben. Rentendebatte hin oder her, eines sei für ihn klar: Nach drei Amtszeiten ist für ihn Schluss. Dann wäre er 64. Ob Königs Zukunftspläne aufgehen, deutet sich bis 23. Februar, 18 Uhr, an: Bis dahin müssen die Bewerbungen möglicher Herausforderer im Rathaus eingegangen sein.

Oberboihingen: Erst acht Jahre hat Torsten Hooge als Bürgermeister in Oberboihingen hinter sich. Seine erste Amtszeit endet am 31. Oktober. Schon jetzt hat die Gemeinde alle Wahltermine festgelegt. Bewerbervorstellung ist am Donnerstag, 17. September, 19.30 Uhr. Am 27. September ist der erste Wahlgang in der 5 400 Einwohner großen Kommune. Knapp bemessen: Mindestens einen Monat vor dem Amtsende muss gewählt werden. „Man hat nicht so viel Auswahl“, sagt der 41-Jährige zum Wahltermin. Die Sommerferien seien zu beachten, auch eine Feier in der Thüringer Partnergemeinde. Da reist er auf jeden Fall als Bürgermeister mit. „Ich bin optimistisch, dass ich nachher auch noch dabei bin“, meint der Diplom-Verwaltungswirt. Vor acht Jahren hatte er mit einem Gegenkandidaten 76,2 Prozent der Stimmen bekommen. Mit wie viel Prozent Zustimmung er jetzt rechnet? „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

Filderstadt: Für Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker endet ebenfalls die erste Amtszeit, und zwar am 1. Oktober. Nach einem etwas holprigen Start vor acht Jahren scheinen sich der Gemeinderat und die gelernte Diplom-Ingenieurin zusammengerauft zu haben. Beim Neujahrsempfang hat die OBin bekannt gegeben, dass sie bei der Wahl noch einmal in den Ring steigt. Die ehemalige Stellvertreterin des Oberbürgermeisters in Greifswald ist 55 Jahre alt. Gewählt wird vermutlich Anfang oder Mitte Juli.

Beuren: „Der war schon immer da“, sagen manche, die man nach der Amtszeit von Beurens Bürgermeister Erich Hartmann fragt. Das genaue Datum für das gefühlte „Immer“ lässt sich exakt benennen. Am 1. Januar 1984 hat Hartmann den Chefsessel im Rathaus eingenommen. Vier Amtszeiten hat er in dem Ort mit Panoramatherme und Freilichtmuseum absolviert. Mit seinen 31 Jahren als Rathauschef darf sich Hartmann aber noch nicht den Titel „Dienstältester Schultes“ im Kreis Esslingen ans Revers heften. Das ist Martin Fritz, Bürgermeister in Großbettlingen, der seit März 1981 residiert. Ob Hartmann in die fünfte Amtszeit gehen wird, wird sich zeigen.

Wernau: Dass sich Wernaus Bürgermeister Armin Elbl nach acht Jahren erneut um das Amt bewerben wird, war auch ohne öffentliche Bekanntgabe klar. „Das ist, glaube ich, kein großes Geheimnis gewesen“, sagt der 51-Jährige lachend. Nach wie vor sei das sein Traumjob. Auch wenn er in den acht Jahren als Bürgermeister einige Male schlucken musste: „Man wird für alles verantwortlich gemacht, ob das ein klappernder Schachtdeckel ist oder ob bei jemandem der Müll nicht abgeholt wurde.“ E-Mails haben eine enthemmende Wirkung; manche waren recht harsch abgefasst. Als gebürtiger Wernauer kennt er viele Bürger – und staunte. „Von manchen hätt’ ich das nicht erwartet. Doch die positiven Kontakte wiegen alles auf“, sagt Elbl über den Job. Spätestens Anfang Dezember muss die Wahl stattfinden. Die Verwaltung schlägt den 11. Oktober als Termin vor, dann wäre ein zweiter Wahlgang am 25. Oktober vor den Herbstferien erledigt. Die Bewerbungsfrist würde am 24. Juli beginnen, noch vor den Sommerferien. Über die Termine wird der Gemeinderat am 19. Januar entscheiden.