Lokales

„Wo wir sind, fallen wir nicht auf“

Stiftung Tragwerk verlegt Wohngruppe für Kinder und Jugendliche nach Owen

Die Kirchheimer Stiftung ­Tragwerk plant, in Owen eine Wohngruppe für acht Kinder und Jugendliche einzurichten. Manfred Sigel und Sabine Maier haben das bewährte Wohngruppen-Konzept deshalb im Owener Gemeinderat vor­gestellt.

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Andreas Volz

Owen. Manfred Sigel, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Tragwerk, stellte zunächst seine Einrichtung vor, die im Juli 2008 aus der Fusion von Paulinenpflege und Wächterheim hervorgegangen war. Insgesamt gibt es derzeit neun Wohngruppen. Vier davon befinden sich auf dem Gelände der Paulinenpflege und eine im Wächterheim. Hinzu kommen die Außenwohngruppen in Lenningen, Holzmaden, Nürtingen und Reudern. Weil die Räumlichkeiten der Wohngruppe im Wächterheim aber für eine Kindertagesstätte vorgesehen sind, soll diese Gruppe nun also nach Owen ziehen.

Die Stiftung Tragwerk hat das dafür vorgesehene Haus in der Kirch­heimer Straße im Januar erworben und auch bereits eine Betriebserlaubnis beantragt. Das Haus erfülle alle Voraussetzungen für eine Außenwohngruppe, sagte Manfred Sigel. Es verfüge über genügend Zimmer für die Kinder und Jugendlichen, ein Büro für die Mitarbeiter, einen Schlafraum für die Nachtbereitschaft, einen großen Küchen- und Wohnbereich sowie über mehrere Sanitärräume.

Sabine Maier, die bei der Stiftung Tragwerk als Bereichsleiterin für Erziehungshilfen tätig ist, erzählte im Owener Gemeinderat vom Alltag in einer Wohngruppe: „Das ist wie in einer Großfamilie. Der Tag muss strukturiert und durchgetaktet sein.“ Morgens gehen alle Kinder und Jugendlichen zu unterschiedlichen Zeiten aus dem Haus, zur Schule oder zur Ausbildung. Nachmittags gibt es für die Schüler eine Hausaufgabenbetreuung und ansonsten ein umfangreiches Freizeitprogramm, das die Stiftung Tragwerk auch übergreifend anbietet. Bei Außenwohngruppen gehe es dazu noch um die Integration vor Ort. Die Kinder und Jugendlichen der Wohngruppen nehmen also Freizeitangebote in den verschiedensten Vereinen wahr.

Die Erziehungshilfe der Stiftung Tragwerk kommt für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren infrage, die vorübergehend oder dauerhaft nicht bei ihren Familien leben können – aus welchen Gründen auch immer. Sabine Maier sprach von Alleinerziehenden- oder Stiefelternsituationen, die mitunter schwierig sein können. Immer wieder gebe es auch Eltern, die krankheitsbedingt ausfallen. In solchen Fällen sei es wichtig, dass die Erziehungshilfe den betroffenen Kindern und Jugendlichen Halt und Struktur geben kann. Das Ziel sei immer die Rückführung in die Familie oder die Selbstständigkeit bei jungen Erwachsenen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Wohngruppen liegt bei zwei bis drei Jahren.

Sabine Maier sprach von guten Erfahrungen mit Außenwohngruppen und zog dabei folgendes Fazit: „Wo wir sind, fallen wir nicht auf.“ Das hörte sich für Owens Stadträte schon einmal ganz gut an, denn sie hatten die Befürchtung, dass eine solche Wohngruppe in Owen zu Sorgen und Ängsten in der Umgebung führen könnte. Es gehe vor dem Einzug der Gruppe darum, die Bevölkerung aufzuklären, was da auf sie zukommt.

Manfred Sigel, der unter anderem aus diesem Grund in den Gemeinderat gekommen war, meinte: „Es ist völlig normal, sich helfen zu lassen, zum Beispiel bei der Steuererklärung. Nur wenn jemand bei der Erziehung Hilfe braucht, dann hat das gleich ein G‘schmäckle.“ Stadträtin Marieluise Ritter stellte deshalb abschließend fest: „Erziehungshilfe ist eben auch eine Form der Erziehung. Und die Fälle, in denen Familien bei der Erziehung Hilfe brauchen, nehmen zu.“