Lokalsport

„Ich muss mich vor keinem verstecken“

Nach überstandener Verletzung steht Fabian Gutbrod heute in der EWS-Arena auf dem Parkett

Die Saison in der Handball-Bundesliga ist bereits acht Spieltage alt. Für Fabian Gutbrod hat der neue Umlauf erst am vergangenen Wochenende mit dem Spiel gegen seinen alten Arbeitgeber HBW Balingen-Weilstetten begonnen. Heute Abend setzt der Owener im Trikot des Bergischen HC seine Reise in die Vergangenheit fort: in der Göppinger EWS-Arena.

13-09-21_BHC-MEL
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Solingen. Nein, abergläubisch ist Fabian Gutbrod nicht, dabei hätte er nach reichlich Verletzungspech in den vergangenen Jahren durchaus Grund dazu. Wegen eines Haarrisses im Mittelfußknochen musste er zuletzt sein Debüt beim BHC verschieben. Eine alte Blessur, die erst spät entdeckt wurde. Dabei hatte er gerade erst eine langwierige Schulterverletzung überstanden. Zugezogen im Derby gegen Frisch Auf Göppingen, als er noch im Trikot des Lokalrivalen aus Balingen steckte. Das war vor ziemlich genau einem Jahr in der EWS-Arena. Dorthin kehrt der 25-Jährige heute Abend nun zurück. Am Ort, wo er vor fünf Jahren zum ersten Mal Bundesligaluft schnupperte, bestreitet er sein zweites Saisonspiel für die Löwen. Die Szene, die zu einer mehrmonatigen Zwangspause führte, hat er vor dem heutigen Spiel aus seinem Kopf verbannt. „Daran denke ich nicht“, sagt er. „Verletzungen gehören im Handball leider dazu. Ich freue mich, dass es für mich jetzt endlich losgeht.“

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Fast drei Wochen hat er beschwerdefrei trainiert. Beim hart umkämpften Unentschieden gegen die Gallier von der Alb stand er am Samstag fast 20 Minuten auf dem Spielfeld. Der Aufsteiger aus dem Bergischen Land ist nach Göppingen und Balingen seine dritte Station im Handball-Oberhaus. Gleichzeitig ist es ein neuer Anlauf, im linken Rückraum endgültig den Durchbruch zu schaffen. Zu zeigen, dass seine ersten drei Einsätze im Trikot der Nationalmannschaft im März mehr waren als nur ein Dankeschön seines ehemaligen Mentors Martin Heuberger, mit dem er 2009 Junioren-Weltmeister wurde. Doch auch bei den Löwen wachsen die Träume nicht auf den Bäumen. In Balingen war Roland Schlinger der Maßstab auf Halblinks, jetzt hat Gutbrod mit dem Schweden Emil Berggren erneut ein handballerisches Schwergewicht vor der Nase. Auf der Königsposition gibt es in der stärksten Liga der Welt eben keine leichte Konkurrenz. Gutbrod zeigt sich kämpferisch: „Ich muss jetzt erst mal richtig fit werden“, meint er. „Dann brauch‘ ich mich vor niemand zu verstecken.“ Die Verletzungspause vor Saisonbeginn hat er genutzt, um beharrlich an seiner Athletik zu feilen. Der einstige Schlaks mit der brillanten Wurftechnik hat ordentlich Masse zugelegt. 108 Kilo verteilen sich derzeit auf zwei Meter Körperlänge. Das sind Idealmaße auf seiner angestammten Position.

Durchschlagskraft, die in den ersten acht Spielen auch der BHC bewiesen hat. Der Aufsteiger ist die Überraschung der bisherigen Saison. Vier Siege, zwei Unentschieden, 235 Tore, Tabellenplatz sechs. Am zweiten Spieltag schossen sie daheim in Solingen den HSV mit sieben Toren Differenz aus der Halle. Die erste faustdicke Überraschung in der neuen Spielzeit. „Das sind natürlich Bonuspunkte, die niemand auf der Rechnung hat“, sagt Fabian Gutbrod. „Unser Ziel heißt trotzdem Klassenerhalt.“ Daran wird auch er alles setzen, schließlich gilt sein Zweijahresvertrag auch für die zweite Liga.

Im Bergischen Land hat sich der Schwabe aus Owen inzwischen gut eingelebt. An zwei Abenden der Woche drückt er die Schulbank, um in drei Jahren die Ausbildung zum Heilpraktiker abzuschließen. An seinem Wohnort in Solingen findet er dazu die nötige Ruhe. Sucht er Abwechslung, liegen die beiden Rhein-Metropolen Düsseldorf und Köln nur wenige Autominuten entfernt. „Ich fühle mich wohl hier“, sagt er. Auch wenn ihn seine schwäbischen Wurzeln gelegentlich noch immer zum Exoten stempeln. „Wenn ich ins Erzählen komme“, meint er mit einem Grinsen, „dann ernte ich schon manchmal ratlose Blicke.“