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Lieber Zeitungscup als Schweiz

Turniersplitter: Über Saubermänner, Schiedsrichter, Feier-Biester und Turteltauben

TSV Unterlenningen - SF DettingenAbwehrmauer Unterlenningen
TSV Unterlenningen - SF DettingenAbwehrmauer Unterlenningen

Turnier gut – das resümierte zumindest der VfL Kirchheim in Person von Walter Rau. „Wir können zufrieden sein“, sagte der VfL-Geschäftsführer nach neun Turniertagen, an denen rund 6 500 Fußballfans – die Besucher der Abendveranstaltungen nicht mitgerechnet – an die Jesinger Allee strömten.

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Echten Einsatz zeigte Turnier-Helfer Sven Flegel, als er am Mittwoch bei strömendem Regen einen verschossenen Ball aus der Lindach fischte und dafür kurzerhand Schuhe und Hose auszog: Baden gehen für (und mit) dem VfL.

Crêpes en masse lieferte den hungrigen Turniermassen Brigitte Aminger aus Donnstetten, die von ihrem Stand am Turnierturm nicht nur die französische Spezialität feilbot, sondern auch einen exzellenten Blick aufs Turniergeschehen hatte. „Wenn keine Kundschaft da ist, kann ich bequem beide Spielfelder einsehen“, freute sich die gebürtige Kirchheimerin.

Keine Klagen über Schmutzfinken: „Sehr diszipliniert“ seien die Zuschauer in Sachen Müll-Entsorgung gewesen, resümierte Turnierleiter Walter Rau: Während frühere Ausrichtervereine schon mal über wild entsorgte Pappbecher, Plastiktüten und Bierdosen zu lamentieren hatten, hatten die allmorgendlich tätigen VfL-Aufräumkräfte nur 35 Müllkörbe zu leeren. Nur? Auch für die Putzkolonne war das Turnier ein Turnier der langen Wege: Allein der Fußmarsch vom VfL-Kiosk zum Festzelt betrug weit über 300 Meter und das gesamte Turnierareal erstreckte sich über eine Fläche von mehr als 30 000 Quadratmeter.

Bad Religion ade – Dettingens Spielertrainer Heiko Blocher verzichtete am Samstag auf einen Auftritt mit seiner Crossoverband „Deliver“ bei einem Festival in der Schweiz, bei dem auch die Punk-Heroen von Bad Religion auftraten. „Teckbotenpokal geht nunmal vor“, schmunzelte Blocher, der am Samstag übrigens auch seinen 32. Geburtstag feierte.

Ohne Moos was los: Silvia Kretzschmar, Vorsitzende des nächstjährigen Teckbotenpokal-Ausrichters TG Kirchheim, besuchte das Turnier zusammen mit ihrem Mann am Finaltag auch – beide fanden es alles in allem ganz gut. Allerdings kündigten sie für 2012 schon jetzt eine einschneidende Änderung an – ein Zurück zu alten Festzelt-Gepflogenheiten: „Bei uns gibt es das Rahmenprogramm grundsätzlich kostenlos.“

Teambuilding“. So bezeichnete Alexander Capano von der VfL-Marketingabteilung die konzertierte Aktion, mit der fleißige VfL-Helfer im Turniervorfeld das 600-Mann-Festzelt aufgebaut hatten. Von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends hatten 15 Vereinsmitglieder geschuftet, bis Zelt und Turnierturm endlich standen. Viele davon waren in letzter Minute eingesprungen, nachdem ein Teil der Helfer sich wieder verflüchtigt hatte – offenbar als Reaktion auf den am selben Tag verkündeten Rückzug der Oberliga-Mannschaft.

E Einteilung absurd – so der Eindruck der Turnierverantwortlichen bezüglich der Schiedsrichter. Für die vier Abendspiele an den Wochentagen waren vom Fußballbezirk erstmals vier Unparteiische delegiert worden, anstatt zwei wie bisher. „Das kostet den VfL richtig Geld“, jammerte Turnierstatistiker Norbert Krumm. Allerdings war die Verdoppelung keine Bezirks-Willkür, sondern einer Bitte der Schiedsrichter im Vorfeld geschuldet. „Kein Mensch kann bei solch relativ hohen Außentemperaturen zwei Spiele hintereinander hochkonzentriert und fehlerfrei pfeifen, wenn er direkt von der Arbeit zu den Teckbotenpokal-Spielen kommt“, sagte einer.

Nervenstark: Weilheims talentierter A-Junior Mike Tausch, schon jetzt bei den Landesliga-Aktiven eingesetzt, war im Halbfinale beim Elfmeterschießen gegen die SF Dettingen (7:8) die Ruhe in Person: Zwei Mal nahm er aus drei Metern Entfernung Anlauf, zweimal schob er ins rechte Toreck ein. Perfekte Ausbeute – den 17-Jährigen wurmte das TSV-Aus wohl am meisten.

Partout nicht verraten, wie alt er denn am vergangenen Freitag geworden war, wollte Bezirksaufsicht Gerald Herbst. „Die 4 steht nicht mehr vorne und dass ich die Grenze zur 5 überschritten habe, ist auch schon ein Weile her“, schmunzelte das Geburtstagskind mit dem fantastischen Rauschebart, für den es übrigens das erste Teckbotenpokal-Turnier war. „Mir gefällt‘s hier, ist ordentlich was los“, bilanzierte Herbst, der im richtigen Leben Lokführer bei der Bahn ist.

Ohne Zwischenfragen zur aktuellen VfL-Finanzmisere und deren Auswirkungen auf den Spielbetrieb der Zukunft kam Walter Rau, VfL-Geschäftsführer Fußball und Turnierleiter in Personalunion, selten davon, wenn er den Turnierturm in Richtung Geschäftsstelle verließ und durch die Zuschauerreihen marschierte. „Phasenweise war es schon etwas lästig“, berichtete Rau, der die meisten Fragen unkommentiert ließ.

Keine Zeit zu verlieren hatte der Abbau-Trupp, der gestern kaum nach dem letzten Akkord der Kirchheimer Cover-Rockband „Biting Hamsters“, das Festzelt wieder in seine Einzelteile zerlegte. Schließlich soll bis Montagabend das Turniergelände wieder so aussehen wie vorher.

Abteilungsleiter-Hochzeit geht vor: Weil Marlon Lamour just am Samstag heiratete und die halbe Neidlinger Mannschaft zum Fest einlud, fehlten dem TVN-Team in der Achtelfinalpartie gegen den TSV Deizisau fast alle wichtigen Leistungsträger – selbst Spielertrainer Roland Schumacher zog Anzug und Krawatte diesmal Kickstiefeln und Schienbeinschonern vor und wurde zum Feier-Biest. Die verbliebene B-Mannschaft kämpfte engagiert gegen den Landesligisten, doch am Ende gab‘s beim 0:1 das erwartete Turnier-Aus.

Lieber zu Beginn der Sommerferien oder besser vor den Sommerferien? Bei der Teckboten-Online-Umfrage über die Turnier-Terminierung 2012 (Ausrichter: TG Kirchheim) gab es eine Pattsituation: 47 Prozent der User votierten für den Erhalt des traditionellen Termins, genau so viele stimmten für eine Verlegung ab. Sechs Prozent war‘s egal.

2 Turteltauben an der Pfeife gab‘s am Freitag, als mit Sandra Bausch und Alexander Schüle zwei Schiedsrichter der Sportvereinigung Rommelshausen vor Ort waren, die abseits des Platzes ein Pärchen sind. Während er im Herrenbereich bis zur Landesliga pfeifen darf, ist sie bis zur Frauen-Regionalliga und Männer-Bezirksliga aktiv.

0 Gegentore und trotzdem ausgeschieden – so die Bilanz des TSV Weilheim nach dem Halbfinal-Aus gegen die SF Dettingen. Der Turniersieger von 2009 und 2010 hatte auf dem Weg in die Vorschlussrunde keinen Treffer in der regulären 60-minütigen Spielzeit kassiert. TSVW-Keeper Bastian Treibe musste in Viertel- und Halbfinale erst im Elfmeterschießen hinter sich greifen.

1 Rote Karte gab‘s im gesamten Turnierverlauf – angesichts der 52 Partien, die zwischen Samstag vorvergangener Woche und gestern absolviert wurden, eine erfreulich positive Fairplay-Bilanz.

180 Helfer in Hunderten von Arbeitsschichten waren an den neun Turniertagen im Einsatz – ein Zeichen dafür, dass der VfL auch in wirtschaftlich mageren Zeiten über ein großes Potenzial loyaler Vereinsmitglieder verfügt. „Wir hatten die Chance, die Außendarstellung des Vereins mit einem guten Teckbotenpokalturnier zu verbessern“, sagte Norbert Krumm – die Chance wurde genutzt.

Teckbotenpokal Fussball 2011La Ola Welle
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