Kirchheim

Der entscheidende Unterschied

Die Kirchheimer Klinik wird hochgestuft: Schlaganfallstation ab jetzt regionaler Schwerpunkt

Mit der neuen Psychiatrie wird die Klinik Kirchheim das bettenreichste Krankenhaus im Landkreis. Jetzt steigt auch die ­„Stroke Unit“ ein Level höher.

Chefarzt Dr. Uwe Mauz (rechts) untersucht einen Patienten in der Kirchheimer Stroke Unit.Foto: Jean-Luc Jacques
Chefarzt Dr. Uwe Mauz (rechts) untersucht einen Patienten in der Kirchheimer Stroke Unit.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Zeit ist Hirn“, pflegt Dr. Uwe Mauz, Chefarzt der Neurologie in der Klinik Kirchheim zu sagen. Bei einem Schlaganfall, oder nur dem Verdacht darauf, muss es besonders schnell gehen. Das weiß der Mediziner nur zu gut. Wenn Betroffene innerhalb einer Stunde eingeliefert werden können, geht‘s immerhin jedem Dritten danach wieder deutlich besser. Nach viereinhalb Stunden stehen die Chancen nur noch ein Bruchteil so gut. Ab diesem Zeitpunkt wird die Behandlung schwierig.

Die Schlaganfallstation in Kirchheim, auch „Stroke Unit“ genannt, hat sich schon innerhalb der letzten Jahre langsam an die Spitze des Landkreises vorgearbeitet. Jetzt wird sie vom Sozialministerium zu einem von 13 (Stand 2015) regionalen Schwerpunkten in Baden-Württemberg gemacht. Damit werden in Zukunft noch mehr Patienten aus der Umgebung, aber auch den anliegenden Landkreisen, in Kirchheim behandelt werden. Die Station wächst, sie ist nicht mehr nur für Kirchheim zuständig.

Schon jetzt werden etwa 1 000 Schlaganfallpatienten jährlich in den Räumen des Kirchheimer Krankenhauses behandelt. Dass die Zahl auch in Zukunft steigen wird, hat unter anderem mit dem demografischen Wandel zu tun. Schlaganfälle sind typisch für ältere Leute. Auch wenn Menschen unter 60 Jahren keinesfalls von der Gefahr ausgenommen sind. „Krankheit einer Wohlstandsgesellschaft“, nennt es der Geschäftsführer der Kreiskliniken Thomas Kräh. Die Menschen werden heute immer älter, typische Alterskrankheiten kommen häufiger vor. Der durchschnittliche Esslinger, sagt er, sei stolze 52 Jahre alt. In Städten wie Kirchheim und Nürtingen werde das kaum anders sein.

Nach einem Schlaganfall ist jeder dritte Patient auf fremde Hilfe angewiesen. Oft bleiben motorische Schäden zurück. Um diese Schäden in Grenzen zu halten, wird noch in den ersten Tagen nach dem Anfall mit der Therapie begonnen. In Kirchheim gibt es dafür Spezialisten, die den Verlauf vom akuten Notfall bis zur Rehabilitation begleiten. „Der Schlaganfall ist eine sehr spezielle Krankheit, die auch ein spezielles Team erfordert“, erklärt Mauz. Diese Fähigkeit, auch die Schritte nach der Notfallversorgung durchführen zu können, ist das, was Kirchheim von den meisten Kliniken im Land unterscheidet.

Der Zeitpunkt, wenn die Therapie beginnt, ist meist der Zeitpunkt, wenn auch Patienten anderer, kleinerer Schlaganfallstationen nach Kirchheim kommen. Die meisten Krankenhäuser können zwar die Notfallversorgung leisten, haben aber für die Folgebehandlung nicht die Kapazitäten.

Von der Elite der Stroke Units, der überregionalen Schlaganfallzentren im Land, ist Kirchheim hingegen noch einen großen Schritt entfernt. Um diesen Unterschied zu überbrücken, arbeitet die Klinik eng mit der Universitätsklinik Tübingen zusammen. Dort hat man in speziellen Fällen noch mehr Möglichkeiten. Auch in Stuttgart gibt es so ein Zentrum.

Kirchheims Rolle im Landeskrankenhausplan

Planung: In Deutschland liegt die Planung des Krankenhausbedarfs bei den Ländern. Sie müssen gewährleisten, dass es jederzeit eine angemessene Versorgung mit Krankenhausbetten und -leistungen gibt. Der letzte sogenannte Landeskrankenhausplan in Baden-Württemberg wurde 2010 festgelegt. Stroke Units: Die Stroke Unit in der Kirchheimer Klinik übernimmt im Landeskrankenhausplan jetzt eine Rolle als regionaler Schwerpunkt. Solche Schwerpunkte müssen eine gewisse Kapazität und Kompetenz aufweisen. Die Schlaganfallstation in Kirchheim ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt. Drei Stufen: Die Schlaganfallstationen in Baden-Württemberg sind in drei Stufen eingeteilt. Von den kleineren, lokalen Schlaganfallstationen gibt es 30 im Land. Von den überregionalen Schlaganfallschwerpunkten ist Kirchheim jetzt die 13. Außerdem gibt es acht überregionale Schlaganfallzentren. mona

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