Kirchheim

Schüler streiten für starke Demokratie

Jugend debattiert Gute Argumente zu spannenden Themen: Die Kirchheimer Teck-Realschule war Schauplatz des regionalen Finales zum bundesweiten Wettbewerb. Von Cornelia Wahl

In der Altersgruppe 2 debattierten Jana Warrinnier, Andreas Kolb, Lena Feiler und Leonie Spieth (von links).Foto: Cornelia Wahl
In der Altersgruppe 2 debattierten Jana Warrinnier, Andreas Kolb, Lena Feiler und Leonie Spieth (von links).Foto: Cornelia Wahl

Nur wenige Tage, nachdem die Teck-Realschule in Kirchheim mit dem „großen Bibbern“ selbst gewaltig für Diskussionsstoff gesorgt hatte, war der mittlerweile wieder wohltemperierte Musiksaal Schauplatz für die regionale Finalrunde des Bundeswettbewerbs „Jugend debattiert“. Und so drängten sich im dicht bestuhlten und voll besetzten Raum Gäste ohne Jacken, Mützen und Handschuhe, aber mit viel Interesse für die Kultur des Debattierens. Mit ihnen folgten auch Landtags- und Bundestagsabgeordnete gespannt den beiden Debatten in der regionalen Finalrunde des Wettbewerbs „Jugend debattiert“.

Ein wenig war den jugendlichen Teilnehmern die Anspannung anzumerken, als sie zu ihren Tischen liefen und ihre Zettel mit den Notizen sortierten. Doch mit dem Erklingen der Glocke waren die sechs Mädchen und zwei Jungen voll konzentriert bei der Sache.

Debattiert wurde in zwei Altersgruppen über je eine Fragestellung, die Zündstoff für stichhaltige und schlagkräftige Argumente lieferte. Ziel des Wettbewerbes ist es, nicht mit Worten zu verletzen. Vielmehr sollten sich die Debattanten sachlich und mit kühlem Kopf mit der Frage auseinandersetzen und sich in der Argumentation fair begegnen.

Die Teilnehmer der regionalen Finalrunde in der Teck-Realschule machten ihre Sache gut. Leidenschaftlich und lebhaft führten sie sachlich ihre Standpunkte aus, denen sie mit Mimik und Gestik Nachdruck verliehen. Sie hörten einander zu, nahmen Kritik an, gingen aufeinander ein und konterten fair, fundiert und nachvollziehbar. Am Ende zeigten sie einen respektvollen Umgang miteinander, als man sich die Hände gab und sich für die gute Debatte bedankte.

Die Jury aus Lehrkräften und einem Schüler sowie einer Zeitnehmerin bewerteten die Debattanten in den Kriterien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Für all dies hatten die Schüler nicht viel Zeit: Für die Eröffnungsrede waren zwei Minuten je Gesprächsteilnehmer angesetzt. Das freie Argumentieren war auf zwölf Minuten begrenzt. Und die Zusammenfassung der vorgebrachten Argumente durfte jeweils nicht länger als 60 Sekunden in Anspruch nehmen.

Unterrichtsfach Ernährung

Die Debatte in der Finalrunde der Altersgruppe 1 drehte sich um das Thema Ernährung. Es galt, die Frage zu erörtern, ob ein Unterrichtsfach zur gesunden Ernährung eingeführt werden soll.

Die Befürworter spielten auf die Generation XXL, die Zunahme bei Fettleibigkeit und Essstörungen bei Jugendlichen und Erwachsenen an und sprachen sich für präventive Maßnahmen aus, um dem entgegenzuwirken. Sie äußerten konkrete Vorstellungen zum Zeitumfang im Stundenplan von Grund- und weiterführenden Schulen. Und sie nannten weitere Maßnahmen wie gemeinsames Kochen. Sie unterfütterten ihre Argumente fundiert und zogen Studienergebnisse heran. Die „Kontra“-Seite dagegen sah eher die Eltern in der Verantwortung, für eine gesunde Ernährung ihrer Sprösslinge zu sorgen. Und sie sahen bei der Durchführung eines Unterrichtsfaches Ernährung Probleme, wenn etwa Nahrungsmittelunverträglichkeiten vorlägen oder sich jemand vegetarisch oder vegan ernähre. Soll ein Vegetarier oder Veganer zuschauen, wenn Fleisch gebrutzelt wird? Der Konter: Wer sich in seiner Würde verletzt fühle, müsse nichts machen, was er nicht wolle. Recht schnell beendete die Glocke dann den munteren Meinungsaustausch.

Jugendquote im Gemeinderat

In der Finalrunde der Altersgruppe 2 galt es, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob in Stadt- und Gemeinderäten Jugendquoten eingeführt werden sollen.

Die Pro-Seite sah die Jugend in politischen Gremien unterrepräsentiert. Sie äußerten ihre Vorstellungen, wie die Jugendlichen und von wem sie gewählt werden sollen. Sie forderten eine „vollwertige Stimme“ im Gemeinderat und die Teilnahme an Diskussionen und Entscheidungen, um ihre Belange vertreten zu können.

Gegen eine Jugendquote spreche das mangelnde Interesse der Jugendlichen an der Politik, komme doch mancherorts kein Jugendgemeinderat zustande, war von der Kontra-Seite zu hören. Statt einer Jugendquote müsse man es den Jugendlichen leichter machen, sich politisch zu engagieren.

Die Jurys hatten ob des hohen Niveaus der Debatten keine leichte Aufgabe. In der Altersgruppe 1 qualifizierten sich Elena Schäffler vom Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen und Farah Rasool vom Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen sowie in der Altersgruppe 2 Leonie Spieth vom Theodor-Heuss-Gymnasium in Esslingen und Lena Feiler vom Schlossgymnasium in Kirchheim für den Landeswettbewerb am 24. März in Stuttgart.

Gewonnen haben aber letztlich alle acht Teilnehmer der regionalen Finalrunde. Sie bekommen nämlich einen Gutschein für eine Berlin-Fahrt - spendiert von den Bundestagsabgeordneten der Wahlkreise Esslingen und Nürtingen.

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