Kirchheimer Umland

Die Kirche bekommt eine neue Kopfbedeckung

Sanierung Der Kirchturm der evangelischen Martinskirche in Hochdorf muss dringend erneuert werden. Jetzt ist der Startschuss gefallen. Von Katja Eisenhardt

Den Hochdorfer Kirchturm schmückt im Moment ein Gerüst. Bis November sollen die Arbeiten dort abgeschlossen sein. Foto: Katja Ei
Den Hochdorfer Kirchturm schmückt im Moment ein Gerüst. Bis November sollen die Arbeiten dort abgeschlossen sein. Foto: Katja Eisenhardt

Vom Kirchturm der Hochdorfer Martinskirche sieht man derzeit nicht allzu viel, er ist komplett von einem massiven Gerüst umschlossen. Vor einigen Wochen wurde mit dem Aufbau begonnen, der jetzt nahezu abgeschlossen ist. An den beiden Seiten müssen noch Lastenabtragungstürme errichtet werden, die das Gerüst zusätzlich stabilisieren. „Danach wird es eingenetzt“, erklärt Bauleiter Klaus Zarbock vom Roßwälder Planungs- und Restaurierungsbüro AeDis: „Die Netze sind schon deshalb notwendig, da sich der abgeschlagene Putz bei Wind ansonsten über den Ort verteilen würde.“

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Als die Ziegel im Dezember 2015 zu Boden stürzten, wurde der Innenhof der Martinskirche umgehend mit einem Bauzaun gesichert. Architekt Peter Reiner von AeDis und der Hochdorfer Dachdeckermeister Gert Becker machten sich ein Bild von den Schäden am Kirchturm, erste Sicherungsarbeiten wurden durchgeführt. Aktuell steht für das Team die umfassende Kartierung der einzelnen Schäden an: Sie untersuchen den Turm und die Fassade dabei auf Schäden im Putz und Naturstein, schauen sich die Dachziegel genau an und ob die Blechverbindungen zwischen den einzelnen Baukörpern des Turms noch intakt sind. Sind alle Schäden erfasst, kann eine genaue Kostenberechnung aufgestellt werden, dann werden die Arbeiten ausgeschrieben.

Möglichst vollständig erhalten bleiben sollen die Original-Ziegel des Turms. „Der Turm hat insgesamt acht Flächen, auf fünf davon findet man noch die Original-Ziegel - oder zumindest sehr alte.“ Teils wurden sie vielleicht schon nach dem Blitzschlag von 1774 oder im Zuge der Kircheninnensanierung 1983 ersetzt. Heute könne man zu ersetzende Ziegel originalgetreu brennen lassen. Dass die Arbeiten am Dach so dringend sind, habe man vor dem Absturz der Dachziegel nicht auf dem Schirm gehabt, berichtet Pfarrer Markus Herb: „Wir hatten vielmehr die Sanierung der Fassade im Blick.“ Jetzt wird beides parallel gerichtet.

Bis spätestens November soll die Sanierung abgeschlossen sein, die Kirche ist währenddessen normal nutzbar. Nur die Glocken werden während der Arbeiten am Turm nicht mehr läuten.

Die Kosten belaufen sich auf 340 000 Euro. „Wenn jetzt keine Überraschungen mehr kommen, dürfte das so hinkommen“, ist Klaus Zarbock zuversichtlich. Eine unschöne Überraschung wäre es zum Beispiel, wenn sich der unten drunter liegende Putz als mürbe und brüchig herausstellt. Die Kirchengemeinde muss selbst 100 000 Euro finanzieren. Dazu kommen Zuschüsse des Oberkirchenrats und des Kirchenbezirks sowie der Gemeinde Hochdorf. Im letzten Sommer wurde ein Fundraising-Projekt gestartet, weiterhin finden Aktionen statt, deren Erlöse in den Spendentopf fließen. Zudem wurden Spendenkonten eingerichtet, die auf reges Interesse stoßen. Die Martinskirche und vor allem ihr Kirchturm scheint den Bürgern als ortsbildprägendes Gebäude einfach wichtig zu sein.