Lenninger Tal

Hier kann man sich beim Sport entspannt zurücklehnen

Fortbewegung Hans-Jürgen Wummel hat vor vier Jahren das Trike-Fahren für sich entdeckt. Seither entwickelt er Antriebssysteme für Liegeräder. Von Daniela Haußmann

Hans-Jürgen Wummel bringt es mit seinem Trike locker auf 90 Stundenkilometer und in Kurven auf eine Neiglage von 27,5 Grad. Das
Hans-Jürgen Wummel bringt es mit seinem Trike locker auf 90 Stundenkilometer und in Kurven auf eine Neiglage von 27,5 Grad. Das und Sicherheitsargumente machen für den 71-Jährigen den Reiz an der Fortbewegung im Liegen aus. Er und Reinhold Fleiner (unten) wollen andere mit ihrer Begeisterung anstecken.Fotos: Daniela Haußmann

Sein Leben lang ist Hans-Jürgen Wummel aufrecht auf zwei Rädern über die Straßen rings um die Teck gefahren. Doch vor vier Jahren geriet der Rentner aus Brucken in einen Verkehrsunfall. Was blieb, war eine Verletzung am Halswirbel, die es ihm noch heute schwer macht, seinen Kopf zur Seite zu drehen. Oft hatte Wummel mit dem Gedanken gespielt, sich ein mehrspuriges Rad zuzulegen. Nach seinem Unfall schien die Zeit reif. Zwischen Ersatzteillager, Werkbank und Montageständer parkt der 71-Jährige seither ein sturzsicheres Liegetrike.

Als der rüstige Rentner noch im Berufsleben stand, fertigte er in seiner Firma Teile für Fahrradhersteller an. - Eine Tätigkeit, die er im Ruhestand mit viel Hingabe und Leidenschaft fortführt. Durch den Trike-Kauf lernte er Reinhold Fleiner kennen, der in seiner Rottenburger Manufaktur Liegeräder herstellt. Seither arbeiten die beiden eng zusammen und entwickeln die gerade einmal 20 Kilo schweren Sportgeräte aus Fleiners kleine Veloschmiede weiter.

Was beim Aufrechtrad fast schon nicht mehr wegzudenken ist, hat sich beim Liegerad längst noch nicht durchgesetzt: der Elektroantrieb. Wer beim Neukauf gleich den Antrieb dazu bestellt, erhält bei Reinhold Fleiners Trike ein System, das im Gegensatz zu konventionellen Motoren mit 50 Prozent weniger Gewicht und 80 Newtonmeter Drehmoment überzeugt. Doch wer aus Kostengründen beim Liegerad erst auf die antriebslose Variante zurückgreift, hat noch nichts verschenkt. Denn der findige Bruckener hat einen Umrüstsatz entwickelt, mit dem sich das Trike problemlos nachrüsten und obendrein noch mit einer Motorisierung ausstatten lässt, die individuell auf den Kunden zugeschnitten ist. Alle Räder, die genau wie das „FN-Trike“ eine Radgröße von 26 Zoll aufweisen, können mit dem Umrüstsatz mit Heckantrieb ausgestattet werden.

„Das System bietet für alle nicht elektrifizierten Liegeräder enorme Flexibilität“, sagt der Werkzeugmachermeister. Wer sein altes Rad zwar ausmustern, aber den Antrieb weiter verwenden will, findet hier eine günstige Lösung, weil sich Steuerungskonsole, Batterie und Motor leicht ins neue Velo integrieren lassen. „Aber auch in Fällen, in denen die Räder größer oder kleiner als 26 Zoll sind, gibt es die Chance zur Nachrüstung“, versichert der Tüftler. „Dazu muss der alte Nabenmotor, der wie eine Scheibe aussieht und einen Großteil des Hinterrades einnimmt, für die Nutzung am Liegerad einfach aus- und anschließend neu eingespeicht werden.“ Darüber hinaus arbeitet Wummel an einem einspurigen Schubanhänger, der sich mit fast jedem Elektromotor ausrüsten und an Reise- aber auch Citybikes befestigen lässt.

Der 71-Jährige ist nicht nur passionierter Tüftler, sondern vor allem mit Leib und Seele Radfahrer. Mit seiner Begeisterung für die entspannte Fortbewegung im Liegen möchte er andere anstecken. Schließlich eignet sich die Alternative zum Aufrechtrad seiner Erfahrung nach hervorragend für Menschen, die auch im Alter sportlich unterwegs sein wollen. „Dank tiefem Schwerpunkt und langem Radstand werden Überschläge durch ein blockiertes Vorderrad verhindert“, betont Hans-Jürgen Wummel. „Prallt man mit dem Liegerad auf ein Hindernis, sind die Unfallfolgen weniger gravierend. Da der Fahrer mit den Füßen und nicht mit dem Kopf aufprallt, sind schwerste Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen die Ausnahme.“

Der Rücken ruht im 40-Grad-Winkel auf der Sitzlehne. „Dadurch ergibt sich eine entspannte Körperhaltung, die die Bandscheiben schont“, berichtet Reinhold Fleiner. „Aber auch Handgelenke, Arme, Schultergürtel und Rücken werden nicht belastet weil der Oberkörper - anders als bei gewöhnlichen Rädern - nicht abgestützt werden muss.“ Genau das macht Liegeräder aus Sicht von Hans-Jürgen Wummel für Jung und Alt attraktiv. Durch geringeren Luftwiderstand und bessere Kraftübertragung ermöglichen die tief liegenden Sportgeräte ein optimales Vorankommen durch effiziente Muskelarbeit. Genau das macht für den Rentner den Reiz der Fortbewegung im Liegen aus.

Hans-Jürgen Wummel bringt es mit seinem Trike locker auf 90 Stundenkilometer und in Kurven auf eine Neiglage von 27,5 Grad. Das
Hans-Jürgen Wummel bringt es mit seinem Trike locker auf 90 Stundenkilometer und in Kurven auf eine Neiglage von 27,5 Grad. Das und Sicherheitsargumente machen für den 71-Jährigen den Reiz an der Fortbewegung im Liegen aus. Er und Reinhold Fleiner (unten) wollen andere mit ihrer Begeisterung anstecken.Fotos: Daniela Haußmann
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