Weilheim und Umgebung

Abriss des Kindergartens vertagt

Kita Den Holzmadenern fällt die Trennung vom 60 Jahre alten Bau schwer. Von einer Sanierung rät die Architektin aber ab.

Holzmaden. Die letzte Sitzung des Gemeinderats Holzmaden vor den Gemeinderatswahlen hatte vor allem ein Thema: den Kindergarten an der Seestraße. Dass die scheidenden Gemeinderatsmitglieder keine Entscheidung über die Zukunft des Baus treffen werden, war von vornherein klar. Dennoch wollte man noch die Ergebnisse eines Prüfauftrags hören, der die Kosten für Sanierung, Um- oder Anbau beziffern sollte. Das Ergebnis von Architektin Ulrike Ulmer-Herbrik war eindeutig: Das fast 60 Jahre alte Kindergartengebäude befindet sich in einem desolaten Zustand. Eine Sanierung oder eine Aufstockung sei unwirtschaftlich und unzweckmäßig, befand die Sachverständige. Brandschutz, neue Raumkonzepte, Dämmung oder barrierefreie Zugänge: Vieles von dem, was heutzutage für ein Kindergartengebäude Standard ist, wäre hier nur mit hohem Aufwand oder gar nicht umzusetzen. Ihr Urteil: Das Gebäude ist „abgängig“, was so viel bedeutet wie überflüssig oder unbrauchbar.

Bürgermeisterin Susanne Irion hatte deshalb in der Sitzungsvorlage vorgeschlagen, keine weiteren Mittel für die Sanierung oder Prüfung bereitzustellen und die Alternativen von drei - Sanierung, Neubau oder Einrichtung eines „Bildungs- und Betreuungscampus“ am Standort der Grundschule - auf zwei zu reduzieren. „Damit machen wir es auch dem neuen Gemeinderat einfacher mit der Entscheidungsfindung“, sagte sie.

Das hat die Mehrheit der Mitglieder des „alten“ Gemeinderats jedoch anders gesehen. Rainer Stephan von der Holzmadener Bürgerliste gab zu bedenken, dass man die Bewohner der Urweltgemeinde nicht gleich mit dem Abriss konfrontieren sollte, weil es offiziell noch nicht bekannt sei. Auch er habe eine enge emotionale Bindung zu dem Gebäude. „Jeder Zweite im Ort ist da durchgelaufen“, sagte er. Sein Vorschlag, bis September zu warten, um bis dahin alle Beteiligten einbinden und informieren zu können, fand letztlich eine Mehrheit. Da halfen auch die Bedenken von Mika Carfora (Freie Wählervereinigung) nichts, dass weitere Kosten für eine genaue Taxierung der ziemlich unwahrscheinlichen Sanierung anfallen würden. „Ich denke, das sind unnötige Ausgaben“, sagte er und stimmte dagegen. Doch an diesem Abend ging es auch um Tradition und Emotion, was schließlich zur Vertagung der Entscheidung führte. Somit obliegt es dem künftigen Gemeinderat, die gesamte Entscheidung für oder gegen den Erhalt des Gebäudes zu treffen.

Doch so oder so haben die Holzmadener noch genügend Zeit, sich auf die Veränderung im Ortsbild einzustellen. Ein Neubau des Kindergartens wäre inklusive Planung und Beantragung der Fördermittel nicht vor 2023 fertiggestellt. In dieser Zeit wird der Betrieb im Kindergarten an der Seestraße höchstwahrscheinlich aufrechterhalten, auch wenn dafür kleinere Instandhaltungsarbeiten nötig werden sollten.Thomas Zapp

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