Weilheim und Umgebung

Der Blog als Appetitanreger fürs Lesen

Internet Leseratten wirklich gute Literatur-Empfehlungen an die Hand geben – das ist das Ziel von Buchbloggerin Petra Lohrmann aus Bissingen. Von Elisabeth Selch

Die gelernte Buchhändlerin Petra Lohrmann empfiehlt Literatur auf ihrem Buchblog.Foto: Carsten Riedl
Die gelernte Buchhändlerin Petra Lohrmann empfiehlt Literatur auf ihrem Buchblog.Foto: Carsten Riedl

Bücher stapeln sich meterhoch in Regalen, die eine ganze Wand bis an die Decke einnehmen. Wohin man schaut: In jedem Raum des über 250 Jahre alten, liebevoll restaurierten Hauses von Petra Lohrmann gibt es Bücher. Die gelernte Buchhändlerin, die auch Germanistik und Anglistik studiert hat, weiß, wovon sie auf ihrem Blog „Gute Literatur - meine Empfehlung“ schreibt.

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Platte Phrasen, oberflächliche Ur­teile oder harsche Verrisse gibt es auf ihrem Blog nicht. Petra Lohrmann schreibt Empfehlungen, nicht Kritiken. „Das kommt vielleicht auch aus meiner Buchhändlerzeit“, überlegt sie. Entstanden ist der Blog, weil sie sich beim Lesen Notizen gemacht hat, zuerst nur für sich selbst. Daraus entwickelte sich der Blog: anfangs noch nach Jahrhunderten sortiert, dann - weil es immer mehr Empfehlungen für gegenwärtig erschienene Bücher gab - nach Autoren und Themen. Aufwendig ist so ein Buchblog: Jede Buchbesprechung braucht drei bis vier Stunden, außerdem muss die Bloggerin Leserpost beantworten und Kontakte zu Verlagen pflegen. Und natürlich kommt das Lesen selbst hinzu, im Schnitt sind es sechs Romane im Monat.

Doch nicht alle Bücher eignen sich auch für den Blog. „Ich lese immer die ersten 50 Seiten; wenn das Buch mir nicht gefällt, lege ich es dann weg.“ Schließlich kann Petra Lohrmann für ihren Blog ganz frei entscheiden, was sie lesen und besprechen möchte. Krimis und Fantasy stehen nicht auf ihrer Leseliste; dafür aber Romane aller Art. Entscheidend ist die Qualität.

Auch Petra Lohrmanns Blog zeugt von sprachlicher Qualität und Fachkenntnis, die Besprechungen gehen immer in die Tiefe. Bevor sie eine Empfehlung schreibt, informiert sich die Bis­sin­gerin genau über den Autor und über Schauplatz und historische Zeit der Handlung. Ihre Leser schätzen das. Einmal schrieb ihr ein Autor, dass er die Besprechung seines Romans einfühlsam und genau fand. Eine Buchhändlerin berichtete, dass ihre Kunden einen Lesezirkel gegründet haben und ihre Bücher nach den Empfehlungen des Blogs aussuchen. Über solche Reaktionen freut sich Petra Lohrmann natürlich; mit der Resonanz ist sie sehr zufrieden.

Einiges ist aber auch ungewöhnlich an dem Blog „Gute Literatur - meine Empfehlung“. Wer regelmäßig in verschiedenen Buchblogs stöbert, kennt die üblichen Interaktionen der Blogger untereinander und mit Lesern: Blogger hinterlassen Kommentare zu neuen Besprechungen, führen gemeinsame Aktionen auf Social-Media-Kanälen durch, abonnieren sich gegenseitig und posten ihre Lieblingsblogs auf dem eigenen Blog. Solche Kommentare, Vernetzungen mit anderen Buchblogs oder Aktionen sucht man auf „Gute Literatur - meine Empfehlung“ vergeblich. „Ich finde Kommentare oft überflüssig. Sie drehen sich meist im Kreis.“ Die Literatur soll im Mittelpunkt stehen. ­Petra Lohrmann findet es auch wichtiger, dass man sich in der Buchbranche gegenseitig unterstützt. Dazu gehört auch, dass man gute Bücher aufspürt, die nicht so bekannt sind. „Literatur soll ja gelesen werden!“ Sie will nicht sich selbst in den Vordergrund stellen, sondern ihre Leidenschaft für Literatur mit anderen teilen: „Ich möchte, dass man nach dem Lesen meines Blogs richtig Lust aufs Lesen bekommt.“