Weilheim und Umgebung

Feuerwehr probt den Ernstfall in Weilheims Innenstadt

Übung Hunderte von Schaulustigen haben die Jahreshauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Weilheim verfolgt. Es „brannte“ im Neuen Löwensaal. Von Daniela Haußmann

In Windeseile wurden Schläuche ausgerollt und Leitern aufgerichtet. Foto: Daniela Haußmann
In Windeseile wurden Schläuche ausgerollt und Leitern aufgerichtet. Foto: Daniela Haußmann

Mehrere Hundert Schaulustige säumten den Weg zum Einsatzort der Freiwilligen Feuerwehr Weilheim in der Schulstraße. Glücklicherweise brannte es im „Neuen Löwensaal“ nicht wirklich. Die Weilheimer Feuerwehr war zu ihrer Jahreshauptübung ausgerückt.

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In Windeseile rollten die Einsatzkräfte die Schläuche aus und schlossen sie an die Verteiler an. Andreas Müller und Chris Bernauer befestigten ein Standrohr an einen Unterflurhydranten. Für eine ausreichende Löschwasserversorgung war also gesorgt. Zeitgleich warfen sich Laura Weinmann und Fabian Zettl ihre Pressluftatmer über die Schultern. Sekunden später betraten die beiden Atemschutzgeräteträger das Gebäude des Württembergischen Christusbundes. Dort hatte - so das Szenario - eine Verpuffung im Empfangsbereich einen Schwelbrand ausgelöst. Im gesamten Löwensaal breitete sich Rauch aus. Im Erdgeschoss konnte man nicht einmal mehr die Hand vor Augen sehen. Die beiden Atemschutzgeräteträger mussten in die Hocke gehen und sich an der Wand entlang ihren Weg zum Treppenaufgang suchen. Dabei spreizten sie jeder ein Bein ab, um es für die Personensuche einzusetzen.

Zur selben Zeit rollte die Drehleiter der Weilheimer Floriansjünger vor den Löwensaal. Bevor das Fahrzeug in die Schulstraße einbiegen konnte, musste Wolfgang Pfauth die Schaulustigen bitten, den Weg frei zu machen. Der Einsatzleiter und stellvertretende Kommandant betonte, dass die Parkplatzverteilung und -dichte zusammen mit der überschaubaren Fahrbahnbreite einen Einsatz in der Schulstraße beeinträchtigen kann. „Es ist hier sehr eng. Vor allem an den Wochenenden ist in der Stadtmitte viel los“, so Pfauth. „Um einen Einsatz nicht zu erschweren, sollten Autos immer in gekennzeichneten Parkflächen und fünf Meter vom Kurvenbereich entfernt abgestellt werden.“ So ist gewährleistet, dass die breiten Feuerwehrfahrzeuge mit ihrem großen Wendekreis ungehindert an den Zielort gelangen.

Unterdessen fanden Laura Weinmann und Fabian Zettl in einer der oberen Etagen einen Mann und zwei Kinder. Über ein Fenster an der Westseite des Löwensaals kletterten die drei mithilfe der Feuerwehrleute in den Rettungskorb der Drehleiter, die sie sicher vor der Hofauffahrt absetzte. Die DRK-Bereitschaft Weilheim übernahm die medizinische Versorgung. Nicht weit entfernt wurde vor dem Haus eine Schiebeleiter aufgebaut. Über sie wurden vom Balkon mehrere Menschen evakuiert. Im obersten Geschoss, in dem sich ein Spielzimmer befindet, schafften die Retter Eltern und Kinder ins Freie.

Haus ähnelt Schweizer Käse

Der Löwensaal, so Wahl, verfügt über ein äußert durchdachtes Sicherheitskonzept: „Das Haus ist praktisch ein Schweizer Käse.“ In allen vier Etagen gebe es zwei Fluchtausgänge, über die sich eigentlich jeder ins Freie retten könne. Er bemerkte aber auch, dass Menschen mit eingeschränkter Mobilität Unterstützung benötigen. „Ihnen fällt es unter Umständen schwer, sich aus eigener Kraft schnell in Sicherheit zu bringen.“ Das gelte insbesondere für Rollstuhlfahrer, denn im Brandfall sollte der Fahrstuhl nicht benutzt werden. Bei der Simulation wurde der Betroffene deshalb mit der Drehleiter gerettet. „Wir könnten Personen, die nicht ausreichend mobil sind, aber auch nach draußen tragen“, erläuterte Wahl.

Ein Opfer geriet in Panik und drohte, aus dem Fenster zu springen. Schnell wurde ein Sprungkissen aufgebaut. Ein kurzer Zug an zwei Laschen genügte, und in gerade einmal 20 Sekunden richtete sich das Rettungsgerät von selbst auf. Anschließend wurde ein etwa 60 Kilo schwerer Dummy ins Zentrum der rund 16 Quadratmeter großen Sprungfläche geworfen. „Wer nicht springen will oder wegen körperlicher Einschränkungen nicht eigenständig springen kann, wird mit anderen Methoden evakuiert“, klärte Norbert Wahl auf und betonte: „Niemand wird von uns geworfen.“ Der Kommandant wies darauf hin, dass die Nutzung des Sprungkissens weder durch das Personengewicht noch durch die Höhe, aus der gerettet wird, limitiert ist.

Das Publikum auf der Straße war von der Schauübung beeindruckt. Norbert Wahls Rettungstrupp erntete für die Leistung tosenden Applaus. Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle lobte den hervorragenden Ausbildungsstand und das Engagement der Freiwilligen Feuerwehr Weilheim.

Kinder und Jugendliche, die Interesse an einer Mitgliedschaft bei der Jugendfeuerwehr haben und mindestens elf Jahre alt sind, wurden von Norbert Wahl außerdem dazu eingeladen, an einem Übungsabend mit den Nachwuchskräften teilzunehmen.