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Spritzen: unpopulär, aber unerlässlich

Serie Ein Jahr lang begleitet der Teckbote den Weilheimer Hobby-Wengerter Rainer Bauer bei der Arbeit: Ab Mai schultert er in regelmäßigen Abständen das Fass mit Pflanzenschutzmittel. Von Bianca Lütz-Holoch

Dusche für die Weinstöcke: Ab Mai müssen die Wengerter Pflanzenschutz betreiben, um das frische Grün und die kleinen Trauben zu
Dusche für die Weinstöcke: Ab Mai müssen die Wengerter Pflanzenschutz betreiben, um das frische Grün und die kleinen Trauben zu schützen. Fotos: Carsten Riedl

Wie ein Rucksack sitzt das kanisterförmige Plastikgefäß auf Rainer Bauers Rücken. Mit der rechten Hand drückt er in regelmäßigen Abständen einen Pump-Hebel nach unten, in der linken hält er einen Schlauch, mit dem er den feinen Sprühnebel auf den Blättern der Reben verteilt. „Bis zur Blüte spritzen wir nur Netzschwefel“, klärt der Weilheimer Hobby-Wengerter auf. Das Mittel wirkt gegen den Echten Mehltau und wird auch im Bio-Anbau eingesetzt.

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Dass das Thema Pflanzenschutz wenig populär ist, weiß Rainer Bauer. Nicht selten rümpfen Spaziergänger die Nase, wenn sie Wein- und Obstbauern mit Sprühgeräten sehen oder der einschlägige Geruch durch die Luft zieht. Auch die Landwirte selbst sparen das Thema oftmals lieber aus. Aber was sein muss, muss eben sein: „Ohne Spritzen geht es nicht“, stellt Rainer Bauer klar. „Würden wir kein Pflanzenschutzmittel anwenden, gäbe es keinen Wein.“ Das gilt übrigens auch für den Öko-Anbau: „Auch Bio-Weingärtner müssen spritzen“, so Bauer. Lediglich die Art der Mittel unterscheide sich.

In den nördlichen Weinbauregionen, zu denen die Limburg zweifelsohne gehört, kämpfen die Weingärtner fast ausschließlich gegen Pilzinfektionen. „Das liegt am feuchten Klima“, so Bauer. Eine Bedrohung für die Rebstöcke und Trauben stellen vor allem der Echte und der Falsche Mehltau dar, kurz vor der Reife auch die Botrytis - die Edelfäule.

Gespritzt wird in der Regel von Mai bis Mitte August. Alle zehn bis 14 Tage müssen Rainer Bauer und seine Wengerter-Kollegen ran, also etwa zehn Mal in der Saison schleppen sie die schweren Spritzfässer, die oft über 20 Liter fassen, auf dem Rücken durch die Weinberge. „Eine Rebe kann in vier Monaten bis zu zwei Meter wachsen“, veranschaulicht Bauer, wie schnell neue, unbehandelte Blätter nachwachsen. 30 Tage vor der Lese ist dann Schluss mit Spritzen.

„Es ist wichtig, dass wirklich alle Weingärtner Pflanzenschutz betreiben“, betont der Weilheimer. Sollte sich zum Beispiel der Echte Mehltau erst einmal ausbreiten, ist ihm nur noch schwer beizukommen.

Rosen als Indikatoren

Dann können hohe Ertragsverluste drohen. Dass in vielen Weinbergen noch Rosen stehen, hängt übrigens auch mit dem gefürchteten Pilz zusammen: „Rosen dienten früher als Indikatorpflanzen“, so Bauer. Weil sie empfindlicher gegen Mehltau sind als Wein, stellten sie für die Winzer eine Art Frühwarnsystem dar.

Einfach so drauflosspritzen, geht allerdings nicht. „Jeder Hobby-Wengerter muss einen Pflanzenschutz-Lehrgang und regelmäßige Schulungen absolvieren“, sagt Rainer Bauer und zeigt seinen Ausweis vor. Nur mit diesem Dokument darf er auch Spritzmittel in größeren Mengen einkaufen. Wann welches Mittel zum Einsatz kommt, darüber informieren entsprechende Wein-Beratungsstellen während der kompletten Saison. Rund zehn Präparate kommen bei Rainer Bauer pro Saison zum Einsatz, teilweise als Cocktail. Auch ist ein Wechsel zwischen den Substanzen notwendig, um Resistenzen zu vermeiden.

Nicht vergessen sollten die Weingärtner auch, sich selbst zu schützen: „In Frankreich ist Parkinson neuerdings als Berufskrankheit bei Landwirten anerkannt“, macht Rainer Bauer darauf aufmerksam, dass jahrelanger direkter Kontakt zu Pestiziden die Gesundheit schädigen kann. Wenn er spritzt, trägt er stets Handschuhe und Schutzbrille, einen Hut und eine hochgeschlossene Jacke. „Und zu Hause gehe ich sofort unter die Dusche.“

Bei den Fungiziden - also den Mitteln gegen Pilze - lässt es der Hobby-Wengerter dann auch bewenden. „Unkrautvernichter ist unnötig“, ist seine Ansicht. Und im Gegensatz zu Pilzen machen tierische Schädlinge den Reben nur selten zu schaffen. Ein Auge haben die Weingärtner lediglich auf den Traubenwickler, einen Schmetterling. Dazu stellen sie sogenannte Gelbtafeln im Weinberg auf, an dem die Tiere kleben bleiben. „Sollte der Traubenwickler auftreten, werden Pheromone eingesetzt“, erläutert er. Diese Lockstoffe verwirren die Schmetterlinge und verhindern ihre Fortpflanzung.

Reblaus ist kein Thema mehr

Einst der Schrecken aller Weinbauern, ist die Reblaus heute kein Thema mehr. „Die Weinstöcke haben mittlerweile eine amerikanische Unterlage“, erläutert Rainer Bauer. Weil die Reblaus vor allem die Wurzeln beschädigt hat, pfropfen die Züchter die erwünschten Reben-Oberteile einfach auf Reblaus-resistente Wurzelstöcke. Eher neu im Schädlingsreigen ist die Kirschessigfliege. „Die kommt aber erst kurz vor der Ernte.“ Gegen sie hilft ohnehin am besten das Entblättern: Die Insekten mögen es nämlich nicht sonnig.

Wein Bauer Limburg
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