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Wie weit darf der Schutz gehen?

Zur Berichterstattung über die Einführung eines Gesundheitszertifikats

Jens Spahn möchte ein sogenanntes Gesundheitszertifikat einführen. Damit soll denjenigen, die als immun gegen das Coronavirus gelten, also weder angesteckt werden können noch als Überträger dienen, ein normales Leben ermöglicht werden. Zumindest das, was im Moment als normal bezeichnet werden kann. Das hört sich erst mal gar nicht so schlecht an. Aber was ist mit denen, die keins bekommen, was dürfen die dann nicht mehr?

Ich glaube nicht, dass uns die Einführung eines Persilscheins in irgendeiner Weise voranbringt. Ganz im Gegenteil! Ich denke, dass es das Ausgrenzen von Menschen befördert.

Es herrscht ohnehin bei vielen Panik ob des nicht greifbaren Risikos, und nicht wenige denken, die Lockerungen kommen zu früh.

Auch im Hinblick auf die Ergebnisse der Heinsberg-Studie halte ich persönlich die Lockerungsstrategie noch für zu zögerlich. Auch viele kommen mittlerweile auf dem Zahnfleisch daher. Ja, es ist eine schwere Abwägung, aber in die Regierung geht man ja nicht, weil es einfach ist.

Ich fände es viel besser, wenn man individuelle Freiheiten - wenn es denn überhaupt zwingend erforderlich ist, diese einzuschränken - an das regionale Infektionsgeschehen koppelt und nicht an vermeintliche Unbedenklichkeitsbescheinigungen, das weckt nämlich unschöne Erinnerungen, eben an jenen Persilschein.

Bevor man so etwas tatsächlich in Erwägung zieht, sollte man auch mal abwarten, was die neuen Antikörpertests ergeben. Meine Hoffnung ist, dass schon viel mehr Menschen erkrankt waren, als in den Statistiken bisher erfasst. Dann aber könnten sich allerdings einige warm anziehen müssen.

Ralph Kittl, Kirchheim

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