Kirchheim

46-Jähriger rollt mit Luxusauto-Leasing in die Pleite

Prozess Der ehemalige Fahrzeugvermieter soll rund eine Million Euro aus seinem Unternehmen veruntreut haben.

Symbolbild

Kirchheim. Der finanzielle Untergang einer ehemaligen Kirchheimer Luxusfahrzeug-Vermietung beschäftigt seit Wochen eine Wirtschaftsstrafkammer am Stuttgarter Landgericht. Der 46-Jährige, der wegen Betrugs und Bankrott sowie Untreue angeklagt ist, soll einen Millionenschaden hinterlassen haben. Sein einst florierendes Unternehmen ist pleite.

Es sind klingende Namen wie „Autogünstig24“, „ag24rentacar“, „truckgünstig24“ und „MMB58“, die mit dem Kirchheimer Angeklagten bis Anfang 2015 landesweit zusammenarbeiteten. Mit der neuen Leasing-Idee versuchten sich die Kaufleute an Rhein und Neckar in einem heiß umkämpften Markt mit kostengünstigen Lösungen.

Doch offensichtlich konnte der Beschuldigte nicht mit Geld umgehen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart klagt ihn an, damals gut eine Million Euro aus der Firma veruntreut zu haben. Der Kirchheimer hatte diese besondere Fahrzeug-Leasing-Art eingeführt: Die 9,90 Euro-Staffelung und eine Laufleis­tungsbegrenzung von 48 000 Kilometer im Jahr sollte Kundschaft anlocken. 300 Leasing-Verträge wurden in dieser Zeit abgeschlossen. Aber keiner dieser 300 Verträge sei erfüllt worden, sagt jetzt der Insolvenzverwalter im Zeugenstand. Entweder bekamen die Kunden nach der Zahlung gar kein Fahrzeug, oder aber wurde ihnen nach Eröffnung der Insolvenz der fahrbare Untersatz weggenommen. Nach der Jahreslaufleistung der meist luxuriös ausgestatteten Fahrzeuge wurden diese wieder zurückgegeben und dann gewinnbringend ins Ausland - Portugal, Türkei oder auch nach Monaco - verkauft.

Urteil erst im Januar

Die Anträge zur Insolvenz seien im Dezember des Jahres 2017 von der AOK und dem Esslinger Finanzamt gestellt worden. Dem Fiskus schulde der Angeklagte rund 300 000 Euro, sagt der Insolvenzverwalter. Er sei im Frühjahr 2018 in den Räumen des Kirchheimer Unternehmens tätig geworden. Den verbleibenden Angestellten habe er in Aussicht gestellt, dass als Lohnausgleich ein minimales Insolvenzgeld bezahlt werde. Die Kassen der Firma waren so gut wie leer. Man habe lediglich noch einen teuren Sportwagen der Marke Lamborghini sicherstellen können.

Dennoch klagen die 300 Kunden auf Schadenersatz und Rückzahlung ihrer Leasing-Einlagen. Immerhin hätten sie hohe Darlehenssummen bei ihren Banken in Anspruch genommen, ohne je ein Fahrzeug bekommen zu haben. Wie hoch dieser Betrag unterm Strich ist, kann der Insolvenzverwalter derzeit nicht beziffern. Das Verfahren laufe noch und dürfte auch noch mindestens ein bis zwei Jahre andauern.

Der Angeklagte selbst ist der Meinung, dass er die Insolvenz und den finanziellen Untergang seiner Leasing-Firma hätte verhindern können. Laut dem Insolvenzverwalter habe der Mann nach Eröffnung des Verfahrens versucht, in Esslingen in einem neuen Büro weiterzuarbeiten. „Ich habe ihm gesagt, dass eine weitere Fortsetzung der Geschäfte nicht machbar ist“, so der Zeuge.

Noch zehn weitere Verhandlungstage hat die Stuttgarter Wirtschaftsstrafkammer angesetzt, um das Finanz-Gewirr des Angeklagten aufzulösen. Dabei sollen auch geschädigte Kunden in den Zeugenstand gerufen werden. Erst am 28. Januar nächsten Jahres soll ein Urteil gesprochen werden. Dem 46-Jährigen droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Bernd Winckler

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