Kirchheim

Betreuung: Stadt setzt auf das Land

Zweizügige Kirchheimer Grundschulen sollen als Ganztagsschulen die Kernzeiten möglichst abdecken

Die Kirchheimer Betreuungslandschaft verändert sich: Alle zweizügigen Grundschulen sollen so schnell wie möglich zu Ganztagsgrundschulen werden.

Ferienbetreuung von Grundschulkindern ist wichtig und sinnvoll für die Eltern. Und sie kann - wie hier an der Lauter in Kirchhei
Ferienbetreuung von Grundschulkindern ist wichtig und sinnvoll für die Eltern. Und sie kann - wie hier an der Lauter in Kirchheim - Kindern und Betreuerinnen richtig Spaß machen.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Zugunsten der Ganz­tags­schule will die Stadt Kirchheim die Kernzeitenbetreuung an ihren Grundschulen zurückfahren. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Hei­decker begründet das mit dem Ziel, für mehr „Bildungsgerechtigkeit“ zu sorgen. Die Betreuung an der Ganz­tagsschule sei gebührenfrei, an allen Schulen gälten dann die gleichen Bedingungen, und schließlich gehe es darum, „auch das Machbare des Haushalts im Auge zu behalten“. Letzteres ist für die Stadt ein besonders wichtiger Punkt, denn bei der „Kerni“ handelt es sich um eine kommunale Aufgabe, für die die Stadt die Kosten zu tragen hat. Das Personal der Ganztagsschule dagegen wird vom Land gestellt.

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Zur Schulentwicklungsplanung 2016 allgemein nennt die zuständige Fachbereichsleiterin, Almut Cobet, neue Zahlen: Gerechnet werde langfristig mit 17 Zügen an Kirchheims Grundschulen. Für die weiterführenden Schulen plant die Stadt mit elf Zügen an beiden Gymnasien zusammen, mit drei Zügen an der Freihof- und zwei an der Teck-Realschule. Die Gemeinschaftsschule im Rauner soll dreizügig werden, und an der Alleenschule soll ein Zug übrig bleiben.

Ein wichtiger Punkt der Schulentwicklungsplanung ist die Betreuung. Hier konkretisiert Almut Cobet die Idee von den besseren Bildungschancen, indem sie auf „mehr Übungs- und Förderstunden“ verweist: „Wir halten die Ganztagsgrundschule auch für den pädagogisch richtigen Weg.“ Große Nachfrage bestehe lediglich noch ergänzend – bei der Frühbetreuung sowie bei der Betreuung an Freitagen bis 15 Uhr.

Umzusetzen sei die Ganztagsgrundschule an der Eduard-Mörike-Schule zum Schuljahr 2017/18. Sollte die Schulkonferenz allerdings dabei bleiben, das erst ab dem Schuljahr 2018/19 verwirklichen zu wollen, werden die Betreuungszeiten im Schuljahr davor verkürzt. So hat es der Gemeinderat beschlossen. Die Zeit eilt, denn der Gemeinderat muss Ende September die Einführung der Ganztagsschule in Ötlingen zum Schuljahr 2017/18 beschließen. Die Zustimmung der Schulkonferenz kann dann im Oktober noch folgen.

Das ist der Kompromissvorschlag für Ötlingen, wie ihn sich Stadtverwaltung und Gemeinderat vorstellen. Für die Freihof-Grundschule ist ein vergleichbarer Kompromiss zu erarbeiten. In der Schulentwicklungsplanung geht es auch um die Teck-Grundschule, die neuerdings eigenständig ist: Sie soll sich aber erst ab 2020, nach dem geplanten Auszug der Teck-Realschule, als vollständig zweizügige Schule zur Ganztagsgrundschule entwickeln.

Der Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen wiederum steht noch eine weitere Veränderung bevor: Die langjährige Außenstelle Haldenschule steht vor dem Aus. Sie soll im Sommer 2019 aufgegeben und komplett an die Mörike-Schule zurückverlegt werden. Was ebenfalls vor dem Aus steht, ist die Betreuung von Grundschulkindern im Hort in der Teckstraße. Im September 2017 sollen alle Grundschulkinder, die bis dahin noch im Hort sind, an die Konrad-Widerholt-Ganztagsgrundschule wechseln.

Speziell diese Änderung im Hort sowie das geplante Ende der bisherigen Kernzeitbetreuung an der Freihof-Grundschule und die ebenso geplante Einführung der Ganztagsgrundschule im Freihof hat bei vielen Eltern für Empörung gesorgt. Manfred Machoczek (Grüne) brachte das im Gemeinderat auf den Punkt: „Manchen geht durch die Ganztags­schule einiges an Flexibilität verloren.“ Trotzdem sei die Ganztagsschule qualitativ wohl hochwertiger als die Kernzeitbetreuung. Ralf Gerber (Freie Wähler) meinte, dass es um die möglichst optimale Förderung aller Kirchheimer Kinder gehen müsse, „auch wenn das aus individuellen Blickwinkeln anders aussehen mag.“ Und was den Hort betrifft, sprach Dr. Silvia Oberhauser (Frauenliste) „Doppelstrukturen“ an, die bei Hort und Konrad-Widerholt-Schule bestehen und die eben abzubauen seien.

Bleibt der derzeit aktuelle Punkt der Ferienbetreuung: Diese soll ab Sommer 2017 an der Konrad-Wider­holt-Grundschule weiter ausgebaut werden. Auf Antrag von Marianne Gmelin (SPD) hat der Gemeinderat nun immerhin beschlossen, dass die Anmeldefrist für die Ferienbetreuung auf nur drei Monate vor Ferienbeginn verkürzt werden soll.