Kirchheim

Der Betonanbau soll verschwinden

Verwaltungsgebäude Für rund 32 Millionen Euro will die Stadt Kirchheim in den kommenden sieben Jahren ihre Standorte in der Innenstadt sanieren und umbauen – oder gar abreißen und neu bauen. Von Andreas Volz

Rückansicht des Kirchheimer Rathauses: Der Anbau mit Sitzungssaal, Bürgerservice, Standesamt und Treppenhaus soll bis 2026 einem
Rückansicht des Kirchheimer Rathauses: Der Anbau mit Sitzungssaal, Bürgerservice, Standesamt und Treppenhaus soll bis 2026 einem Neubau weichen. Dadurch ließe sich auch das historische Fachwerkrathaus barrierefrei erschließen. Foto: Markus Brändli

Unbeschreibliche Zustände herrschen in der Kirchheimer Stadtverwaltung - zumindest was die äußeren Bedingungen vieler Arbeitsplätze betrifft. In nahezu allen Gebäuden stehen dringende Sanierungen an. Den Standort in der Kornstraße will die Stadt sogar ganz aufgeben - und der Rathausanbau am Widerholtplatz soll einem Neubau weichen. „Dass wir das Konzept für die Verwaltungsgebäude umsetzen, ist längst überfällig“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Gemeinderat - also im Rathausanbau, den es bald schon nicht mehr gibt.

Drei Varianten hat das Stuttgarter Büro „Drees und Sommer“ für das Konzept erarbeitet: Variante eins sieht einen Neubau vor, der die komplette Verwaltung unter einem Dach beherbergt. Der Nachteil dieser Variante ist allerdings gravierend: Es ist kein Standort in Sicht - und wenn, dann wäre er irgendwo auf der grünen Wiese, weit entfernt vom Stadtkern.

Die Varianten zwei und drei sind ziemlich ähnlich. Sie folgen der Devise „Optimierung des Bestands“. Es geht um die Gebäude Rathaus, Rathausanbau, Widerholtplatz 3 und Widerholtplatz 5, Alleenstraße 1 - 3 sowie ums Vogthaus. An allen diesen Standorten stehen Sanierungen und Umbauten an. Eine wichtige Neuerung in beiden Varianten ist ein geplanter Neubau nordöstlich des Rathauses, auf dem Gelände Marktstraße 1 - 3, auch wenn dieses Gelände noch längst nicht im Eigentum der Stadt Kirchheim ist.

Der Unterschied zwischen den Varianten zwei und drei besteht im Umgang mit dem Rathausanbau und mit dem damit verbundenen Gebäude Widerholtplatz 3. In Variante zwei würde beides saniert werden. Variante drei dagegen sieht Neubauten vor.

„Das Rathaus gehört in die Stadt“

Variante eins - den Neubau irgendwo außerhalb - schlossen sowohl das Beratungsbüro als auch die Verwaltung und der Gemeinderat aus. In diesem Fall gilt als ausgemacht: „Das Rathaus und die Stadtverwaltung müssen in der Innenstadt bleiben.“ Nicht nur die Mitarbeiter der Stadt, auch die „Kunden“ bringen Leben in die historische Altstadt. Außerdem ist es kaum vorstellbar, eine sinnvolle Nachnutzung für die Bestandsgebäude zu finden. Beim Ausschluss von Variante eins geht es nur bedingt um die Kostenfrage: Über 34 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, während Variante zwei auf 27,5 Millionen Euro kommt und Variante drei auf 32 Millionen.

Die Zeitkomponente spräche sogar für einen Neubau außerhalb - ließe sich dieser doch in fünf Jahren verwirklichen. Für Sanierung und Umbau dagegen - ob mit oder ohne Abbruch und Neubauten - werden mindestens sieben Jahre benötigt. Der Gemeinderat hatte jetzt eigentlich nur die „grüne Wiese“ endgültig auszuschließen. Über die Varianten zwei oder drei hätte wohl auch noch zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden können. Auf Antrag von Stadtrat Ulrich Kübler (Freie Wähler) hat sich dann aber eine große Mehrheit jetzt schon auf Variante drei festgelegt.

Demnach sollen sowohl das Betongebäude samt Treppenhauszwischenbau als auch das benachbarte Verwaltungsgebäude neben dem Chor der Martinskirche abgerissen werden. CDU-Stadtrat Thomas Auerbach hatte sogar angeregt, den neuen Rathausanbau um eine Etage aufzustocken, um künftiger Raumnot gleich von Anfang an besser begegnen zu können.

Der Sitzungssaal könnte sogar ganz aus dem Rathaus verschwinden: Möglicherweise soll das Kornhaus in der Nachbarschaft ohnehin einen großen Saal im Dachgeschoss erhalten, der unterschiedlich zu nutzen wäre. In diesem Saal ließen sich auch Gemeinderats- und Ausschusssitzungen abhalten. SPD-Stadtrat Andreas Kenner meinte hierzu: „Die Mitarbeiter sind in diesem Fall wichtiger als der Gemeinderat, der höchstens drei Mal im Monat hier ist.“

Das Konzept für die Verwaltungsgebäude sieht - außer neuen Standorten - auch ganz neue Grundsätze vor. So sollen viele Räume künftig mehrfach und unterschiedlich genutzt werden. Fraktionszimmer für den Gemeinderat etwa, die es bislang nicht gibt, würden auch als Besprechungszimmer für die Verwaltung zur Verfügung stehen.

Generell ist an ein „Drei-Zonen-Prinzip“ gedacht. Zone eins ist der öffentliche Bereich mit „Publikumsverkehr“. Zone zwei ist eine halböffentliche Sphäre für Besprechungen und Beratungen. Zone drei schließlich ist der interne Verwaltungsbereich, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zugang hat. Dafür allerdings soll die öffentliche Zone wirklich für alle zugänglich sein - und zwar barrierefrei.