Kirchheim

Die Staupe rafft die Füchse dahin

Seuche In Notzingen mussten seit November über 20 kranke Füchse von ihrem Leiden erlöst werden. Die Tiere haben jegliche Scheu vor dem Menschen verloren, sind für ihn aber nicht gefährlich. Von Iris Häfner

Begegnungen der etwas unheimlichen Art finden derzeit gehäuft in Feld und Flur, aber auch mitten in Dörfern und Städten statt: Füchse, die jegliche Scheu vor den Menschen verloren haben. Grund dafür ist die Staupe. Dabei handelt es sich um eine für die „Hundeähnlichen“ tödlich verlaufende Virusinfektion, die für den Menschen jedoch ungefährlich ist. Hundeähnliche sind beispielsweise Marder, Waschbären, aber auch Hunde und Katzen.

Anzeige

„Seit acht Jahren bin ich jetzt Jäger, aber so was habe ich noch nicht erlebt. Selbst die Räude vor ein paar Jahren war nicht ganz so drastisch“, sagt Volker Barz, der sein Revier in Wellingen hat. Von November bis jetzt hat er rund 25 Füchse auf der gesamten Notzinger Markung geschossen. Wie viele Tiere tot im Bau oder im Unterholz liegen, weiß niemand. Weil die Kräfte wegen der Krankheit schwinden, drängen die Füchse auf der Suche nach Nahrung vermehrt in die Siedlungen rein. „Die sind so zutraulich, die können sie streicheln“, sagt Volker Barz. Auch wenn sie „einwandfrei aussehen“, müssen sie von ihrem Leiden erlöst werden. „Dazu sind wir verpflichtet - selbst in befriedeten Bereichen, wo wir sonst nicht jagen dürfen“, so Jäger. Meistens finden Spaziergänger mit Hund die staupekranken Tiere, die apathisch sind und manchmal auch den Schnupfen haben. Die rufen dann die Polizei an, und die wiederum Volker Barz, der oben auf der Liste der Notzinger Jagdpächter steht.

Notzingen gehört zu den stark betroffenen Gebieten, bescheinigt Kreisjägermeister German Kälberer aus Owen. Ganz ähnlich sieht es auch in seinem Revier in Ebersbach aus. 20 kranken Füchsen hat er den Fangschuss gegeben, auch einen Waschbär mitten im Stadtgebiet Göppingen hat er im Beisein von Polizisten erlöst, weil die Polizei ungern in umfriedeten Gebieten schießt.

Die Kreise Esslingen und Göppingen sind schon seit Jahren ein Hotspot der Staupe. „Das liegt an der Überpopulation der Füchse. Die Natur regelt den Bestand über Seuchen, nachdem die Tollwut nahezu ausgerottet ist“, erklärt German Kälberer und erinnert an die Räude, die vor wenigen Jahren bei den Füchsen grassierte.

Das bestätigt Peter Keck, Pressesprecher des Landkreises Esslingen: „Alle paar Jahre kommen solche Seuchen vor. Die Staupe ist jedoch nicht meldepflichtig, weil sie für den Menschen nicht ansteckend ist.“ Er empfiehlt für Haushunde eine Grundimmunisierung, auch wenn Hunde Kontakt mit einem kranken Tier haben müssen, um sich mit dem Staupevirus anzustecken.

Falschverstandene Politik ist für German Kälberer die Ursache für das Aufflammen der Seuche: „Aus Imagegründen wird kaum Jagd auf den Fuchs gemacht - und wer schießt schon gern ein Tier tot, das dann weggeworfen wird.“ In dem Programm Fellwechsel sieht er eine Chance, damit der Balg verwendet wird. Für das Modellprojekt haben der Deutsche Jagdverband und der Landesjagdverband Baden-Württemberg die Fellwechsel GmbH mit Sitz in Rastatt gegründet. „Da gibt es tolle Sachen, die man mit dem Fell machen kann“, sagt der Kreisjägermeister, der bedauert, dass „die Fellgeschichte“ massiv unter der alles andere als artgerechten Haltung in Fellfarmen massiv gelitten hat.

Anders als bei der Schweinepest, wo wirtschaftliche Interessen dahinter stecken, hält sich bei der Staupe die Aktivität von Ämtern und Behörden in Grenzen, zumal auch Menschen nicht gefährdet sind. „Das ist ein Grunddilemma. Fehlen diese Faktoren, wird ungern seitens der öffentlichen Hand Geld ausgegeben“, so German Kälberer.

„Wir müssen die Fuchspopulation regulieren und schauen, dass wir den Bestand auf dem niedrigem Niveau halten, der durch die Staupe entstanden ist. Sonst haben wir wieder einen Seuchenzug in unserer Kulturlandschaft“, sagt der Kreisjägermeister, der hofft, dass der Scheitelpunkt der Krankheit überstanden ist. Er kann der ganzen Sache sogar etwas Positives abgewinnen: „Die Räude war die erste Runde. Dann gab es plötzlich mehr Hasen, denn mehr Junghasen sind hochgekommen.“

 

Info Wer einen apathischen Fuchs - womöglich mit Schnupfen - ohne jegliche Scheu vor Menschen sieht, sollte den Jagdpächter oder den Wildtierbeauftragten Dieter Klingelhöller, Mobiltelefon 01 73/6 63 95 08, Mail klingelhoeller.dieter@lra-es.de, informieren. Die Polizei nimmt die Meldungen auch entgegen, sie hat in der Regel die Kontaktdaten zu den Revierinhabern.