Lokale Kultur

Im Nachhall von Cadiz

Hartmut Landauer in der Kunst-Katakombe von Sankt Lukas

Der Kirchheimer Künstler Hartmut Landauer vor einem Exemplar seiner aktuellen Werkserie „Heliotrop“: miteinander verspannte Klap
Der Kirchheimer Künstler Hartmut Landauer vor einem Exemplar seiner aktuellen Werkserie „Heliotrop“: miteinander verspannte Klapp- und Campingstühle.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Wieder einmal dürfte das katholische Gemeindehaus Sankt Lukas zu einem viel beachteten Anziehungspunkt des Kunstpublikums werden. Mit der aktuellen Werkschau von Hartmut Landauer ist den Verantwortlichen sogar ein

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echter Coup gelungen. In der Jesinger „Kunst-Katakombe“ gibt der in der Teckstadt aufgewachsene Künstler Einblick in sein jüngeres und jüngstes Schaffen, das in nachvollziehbarer Sukzession zu seiner letzten großen Kirchheimer Einzelausstellung vor zehn Jahren zu erleben ist. In diesen Zeitraum fällt auch ein fünfjähriger Aufenthalt im südspanischen Cadiz, dessen Nachhall und Resonanz sich in etlichen der Exponate ablesen lassen.

Im Rahmen ihrer Einführung verwies Kunsthistorikerin Barbara Honecker hierzu auf das Bild „Temenos“. Eine Arbeit, entstanden in Cadiz 2007, die für den Künstler selbst den Rang eines Schlüsselwerks einnimmt. Hier taucht nicht nur zum ersten Mal das Material Quarzsand auf, welcher der Wahrnehmung des Künstlers zufolge an der spanischen Atlantikküste eine feinere Konsistenz aufweist. Es lassen sich auch generelle Tendenzen beschreiben, die in dieser Schaffensperiode Gestalt angenommen haben. „Die wenigen figurativen Elemente in Hartmut Lan­dauers Bildern sind jetzt gänzlich verschwunden“, führte Barbara Honecker aus. „Er arbeitet ruhiger, meditativer, die Farben haben sich verändert und er beschäftigt sich mit neuen Thematiken, Serien und Techniken.“

Mit einer hoch differenzierten, eindrucksvoll an Le Corbusier gemahnenden Farbigkeit kommen die Bilder aus der Serie „horizon“ daher, die der Künstler 2008 nach seiner Rückkehr aus Spanien im Rahmen eines Werkauftrags seitens des Esslinger Landratsamtes gemalt hat. Auslöser der neuen Farbpalette mögen hier ebenso persönlich einverleibte Erinnerungen sein, wie sie Landauer auch für die Exponate ­„Gasca“ und „Shyires House“ geltend macht, die auf architektonisch signifikant bestückte Straßenzüge im südamerikanischen Quito verweisen.

Mit der Serie „Transition Codex“ verlässt der Maler die bildhafte Fläche und greift Raum. Landauer schöpft hier aus seinem archivarisch geordneten Fundus von papierenen Fundstücken, die mithilfe eines Cutters zu Wandobjekten architektonischer Anmutung geraten. Ebenso kommt die Intarsientechnik zur Anwendung. In der Serie „Metamorphologie“ klebt Hartmut Landauer kleinste geschnittene Papierteile Stoß an Stoß aneinander, die von Medikamenten-Großpackungen stammen.

Eine Ausweitung der künstlerischen Kampfzone, zugleich eine überraschende Dynamisierung und Verdichtung formaler Aspekte seiner Malerei und Collagen führt Hartmut Landauer in seiner aktuellsten Werkserie „Heliotrop“ vor Augen: mitei­nander verspannte Klapp- und Campingstühle, eingefangen im Spannungsfeld von Statik und Kinetik, im permanenten Widerstreit von Chaos und Ordnung.

Die Ausstellung „Hartmut Lan­dauer – zwei plus drei-dimensional 2003-13“ ist samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 0 70 21/5 55 88 geöffnet. Zur abschließenden Finissage am Sonntag, 10.  November, ist der Künstler ab 14  Uhr anwesend und führt durch die Ausstellung.