Kirchheim

Kirchheim plant einen neuen Stadtteil auf dem Galgenberg

Baugebiet Zwischen „Lange Morgen“ und Autobahn soll ein regionaler Wohnungsbauschwerpunkt für rund 1 200 neue Einwohner entstehen. Von Andreas Volz

Kirchheim soll weiter wachsen: Auf dem Galgenberg will die Stadt einen regionalen Wohnungsbauschwerpunkt entwickeln. Die entspre
Kirchheim soll weiter wachsen: Auf dem Galgenberg will die Stadt einen regionalen Wohnungsbauschwerpunkt entwickeln. Die entsprechende Freifläche ist auf dem Luftbild hinten rechts zu finden.Foto: Werner Feirer

Die Stadt Kirchheim plant auf dem Galgenberg einen regionalen Wohnungsbauschwerpunkt. Was sich hinter diesem Wortungetüm verbirgt, ist nichts anderes als ein neuer Stadtteil – mit einer Einwohnerzahl, auf die so manches Dorf mächtig stolz wäre. Rein rechnerisch betrachtet, müsste das 13 Hektar große Gelände zwischen „Lange Morgen“ und Autobahn rund 1 200 Menschen beherbergen, um der Definition des Verbands Region Stuttgart für einen Wohnungsbauschwerpunkt zu genügen.

Kirchheims Chefplaner Gernot Pohl nennt einen Wert von 90 Einwohnern pro Hektar als Mindestanforderung für ein solches Schwerpunktprojekt. Beim Verband Region Stuttgart macht er außerdem ein „großes Selbstbewusstsein“ aus, Wohnungsbauschwerpunkte auch gegenüber dem Regierungspräsidium „durchzusetzen“. Das Regierungspräsidium wiederum setze hohe Hürden vor die Genehmigung: „Wer so viel Fläche verbraucht, muss nachweisen, dass er diese Fläche wirklich braucht.“

Genau das war das Problem bei der Diskussion im Gemeinderat. Nicht alle Ratsmitglieder teilten das Vertrauen der Region Stuttgart in ihre Durchsetzungsfähigkeit gegenüber dem RP: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Augle warnte denn auch davor, dass die Stadt Kirchheim fünfstellige Beträge für vorbereitende Untersuchungen ausgibt und das Regierungspräsidium am Ende „Nein“ sagt: „Das sollte vorher geklärt werden.“

Gewisse vorbereitende Untersuchungen sind indessen bis jetzt schon angelaufen. Und sie haben auch bereits wichtige Ergebnisse geliefert – etwa zur Größe des gesamten Gebiets südlich vom bislang bebauten Galgenberg. Ursprünglich angedacht waren nämlich 22 Hektar, die fast ganz bis zur Autobahn gereicht hätten. „Das geht aber nur mit großen Straßenbaumaßnahmen“, konnte Gernot Pohl nun berichten. Nötig wären völlig neue Erschließungen, entweder vom Süden her oder vom Osten, gegebenenfalls auch beides.

„Wenn wir das nicht wollen, dann müssen wir das Gebiet auf 13 Hektar reduzieren. Das lässt sich gerade noch über die Hahnweid­straße und über den Milcherberg auffangen.“ Letzteres bringt für die beiden genannten Straßen freilich erheblich größere Belastungen mit sich – verglichen mit der Gegenwart. Die Sitzungsvorlage nennt für den Milcherberg ein zusätzliches Verkehrsaufkommen von rund 700 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden. Und auf der Hahnweid­straße wäre die Verkehrszunahme gegenüber dem heutigen Ist-Zustand noch einmal deutlich stärker zu spüren: Dort ist sogar von 1 500 bis 2 500 weiteren Fahrzeugen die Rede. Gernot Pohl spricht deshalb von „gewissen Anpassungsmaßnahmen“, die es an beiden Straßen brauche, sollte der Wohnungsbauschwerpunkt Galgenberg kommen.

Ein weiteres Problem, das zu lösen wäre, ist der Verkehrslärm, der von der Autobahn ausgeht. Auch hierzu gibt es bereits Vorschläge als Ergebnis der ersten vorbereitenden Untersuchungen. Demnach wäre mit einer „Riegelbebauung“ zu arbeiten – also mit vier bis fünf mehrgeschossigen Häusern, die nach Süden und Westen hin die Funktion von Lärmschutzwänden für die übrige Bebauung übernehmen. Diese Gebäude hätten bis zu fünf Geschosse und wären – im Gegensatz zu fünf Meter hohen Lärmschutzwänden – mit einer Höhe von rund 16 Metern auch wirklich effektiv. „Ursprünglich wollten wir so etwas zwar nicht“, meint Gernot Pohl, „aber inzwischen sind wir diesem Gedanken nähergetreten.“ Auch der Gestaltungsbeirat hat sich durch gelungene Beispiele aus anderen Kommunen bereits überzeugen lassen.

Weiterhin zu lösen wären noch gewisse Schwierigkeiten mit dem Natur- und Artenschutz – und das auf einem Boden, dessen landwirtschaftliche Güte mit die höchsten Werte in ganz Kirchheim aufweist. Die Gespräche mit den Eigentümern dürften hingegen übersichtlich bleiben. Gernot Pohl zufolge handelt es sich zwar um 120 Grundstücke. Diese seien aber in der Hand von nur zwölf Eigentümern. Für Erwerb und Erschließung will die Stadt mit der Landsiedlung Baden-Württemberg zusammenarbeiten, die die notwendigen Arbeiten auf eigenes Risiko ausführen würde – ohne Belastung des städtischen Haushalts.

Aus dem Gemeinderat kam die Anregung, den Wohnungsbauschwerpunkt aufzuteilen, teils auf den südlichen Galgenberg und teils auf das Gebiet Berg Ost in Ötlingen oder auf die Halde zwischen Ötlingen und Kirchheim. In Bezug auf Berg Ost sprach Bürgermeister Günter Riemer aber davon, dass sich dieses Gebiet eher für Einfamilienhäuser eigne als für eine verdichtete Schwerpunktbebauung.

Wie es nun weitergeht, wird sich zeigen. Zunächst einmal hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit für weitere Untersuchungen gestimmt.

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