Kirchheim

Leidenschaft und pure Lebenslust

Konzert Kammermusikensemble Spark begeistert mit Klassik und Crossover in der Kirchheimer Stadthalle

Kirchheim. Es ist ein kristallklarer, hochpräziser Klang, den das Quintett „Spark“ in die Stadthalle zaubert. Von Anfang an ziehen die fünf sympathischen Musiker die Zuhörer in ihren Bann. Feurig und mitreißend präsentieren sie eine beeindruckende Bandbreite von Musikstilen - frisch, überraschend und in einem eigenen Stil. Sofort wird deutlich, dass hier Ausnahmekünstler am Werk sind: Die Gruppe erhielt neben anderen Auszeichnungen im Jahr 2011 den Echo Klassik in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“.

Spark ist ein Kammermusikensemble, das Neue Musik und klassische Werke in eigener Interpretation darbietet. Die Musiker sind klassisch ausgebildet, lassen in ihre Musik aber auch Einflüsse aus Minimal Music, Filmmusik und Popularmusik einfließen. Das Ziel ist, klassische Musik besonders jungen Menschen oder Konzertgängern mit wenig klassischer Hörerfahrung zugänglich zu machen. Schade, dass an diesem Konzertabend nur wenige junge Menschen anwesend sind. Denn dieses Ensemble verbindet in seinen Arrangements die Energie klassischer Werke mit dem Biss einer Rockband.

Crossover - das sind Grenzüberschreitungen zwischen Klassik und Rock, Weltmusik, Jazz und Avantgarde - alles ist im Konzertprogramm von Spark zu finden.

Kern des Ensembles sind die beiden Flötisten Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, die die Band auch gegründet haben. Bei ihrem Auftritt spielen sie auf über zwanzig verschiedenen Flöten, Daniel Koschitzki gelegentlich auch auf der Melodica. Dazu kommen die Instrumente eines klassischen Klaviertrios: Christian Fritz, Klavier; Victor Plumettaz, Violoncello, und Stefan Balazsovics Violine, Viola.

Durch die lockere Moderation von Daniel Koschitzki und die Ausstrahlung der ganzen Truppe entsteht sofort eine wohltuende Nähe zum Publikum.

„On the Dancefloor“ - auf einen Tanz mit Bach, Mozart, Ravel und ABBA lautet das Motto des Konzerts. Tanz ist Leidenschaft und pure Lebenslust, was den ganzen Abend hörbar und sichtbar ist.

Zum Ohrenschmaus werden zehn kurze Tänze von Wolfgang Amadeus Mozart, die nahtlos ineinander übergehen. Duftiges Rokoko mit federnder Leichtigkeit, perlenden Läufen und dazwischen überraschende Passagen, an denen Mozart seine Freude gehabt hätte. Welch ein Feuerteufel sitzt da am Cello! Wie ein „Paganini des Cellos“ platzt Victor Plumettaz fast vor Spielfreude bei rasantem Laufwerk und virtuosen Arpeggien.

Hervorzuheben in der Kette der Highlights des Abends ist die „Badinerie“ von Johann Sebastian Bach, die im Original gespielt wird. Wenn es eine Hitparade gegeben hätte im Entstehungsjahr 1738 dieses Tanzes aus der ­h-Moll-Orchestersuite, dann wäre er weltweit drei Monate an Platz eins gewesen. Die Solisten Daniel Koschitzki und Andrea Ritter brillieren auf ihren Blockflöten und setzen mit ihrer Fingerfertigkeit im atemberaubenden Tempo immer wieder Ausrufezeichen. Im Genre „Weltmusik“ versprüht die Band osteuropäisches Feuer mit „Budget Bulgar“ von Lev Ljova Zhurbin. Stefan Balazsovics glänzt durch virtuoses Geigenspiel, und der vielseitige Pianist Christian Fritz erweist sich als großartiger Jazzinterpret bei zwei Préludes von George Gershwin.

Mit dem weltbekannten brasilianischen Tanz „Tico Tico no Fubá“ und dem Ausflug in die Popmusik mit „Dancing Queen“ von ABBA spielt sich „Spark“ vollends in die Herzen der Zuhörer.

Kann man auf klassischen Instrumenten Techno spielen? Man kann! Und wie! Die Grenzüberschreitung - Crossover - ist im Schlussstück „On the Dancefloor“ gelungen. Blumen, Zugaben, aber leider keine Standing Ovations - die wären fürwahr angebracht gewesen.Hans-Günther Driess

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