Lokale Wirtschaft

Müllgebühren bleiben stabilAWB in Zahlen

Interview mit dem Geschäftsführer des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs, Manfred Kopp

Eine weitere Senkung der Müllgebühren stellt Manfred Kopp (56), Geschäftsführer des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB), nicht in Aussicht. Er ist aber zuversichtlich, die Tarife stabil zu halten, obwohl neue Entsorgungsgesetze vorbereitet werden. Bei der Modernisierung des Kompostwerks Kirchheim – sie steht bei einigen Kreistagsfraktionen im Wahlprogramm – sieht Kopp keinen Zeitdruck.

Manfred Kopp, seit einem Jahr Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs, ist mit dem Recyclingeifer der Bürger zufrieden. Be
Manfred Kopp, seit einem Jahr Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs, ist mit dem Recyclingeifer der Bürger zufrieden. Bei der Modernisierung des Kompostwerks Kirchheim sieht er keinen Zeitdruck.Foto: Kaier

In den vergangenen Jahren wurden die Gebühren für Hausmüll mehrfach gesenkt. Können die Bürger mit einer weiteren Entlastung rechnen?

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Welchen Anteil haben die Wertstofferlöse im Vergleich zu den Kosten für die Müllabfuhr?

Ist das angesichts der hohen Preise nicht für den AWB selbst interessant, das Metall abzuholen?

Kopp: Das können wir nicht leisten, wir bieten stattdessen 80 wohnortnahe Abgabestellen an. Durch unsere Wertstofferlöse entlasten wir aber den Bürger bei den Müllgebühren wieder. Deshalb ist uns wichtig, dass die Wertstoff-Sammlung in den Händen des AWB bleibt und nicht private Entsorger den Erlös abschöpfen.

Kommt im Kreis die Wertstofftonne ?

Kopp: Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil die gesetzliche Regelung seit Jahren in der Schwebe ist. Ich weiß nicht, ob der Gesetzgeber aus den Finanzierungsproblemen des Dualen Systems lernt und die Wertstoffentsorgung öffentlich-rechtlichen Körperschaften überträgt. Im Kreis Esslingen würde vermutlich keine Tonne eingeführt, sondern wir würden diese energiehaltigen Produkte an den Recyclinghöfen annehmen. Es geht oft um sperrige Dinge wie Waschkörbe oder Gartenstühle.

Das neue Abfallwirtschaftskonzept für den Kreis soll im Herbst kommen. Können Sie schon etwas daraus verraten?

Kopp: Aufgrund der ausstehenden Gesetze für Elektro-Altgeräte, Wertstoffe und Bioabfall verzichten wir auf große Änderungen. Angepasst wird nur dort, wo die Kreisräte schon Beschlüsse gefasst haben, etwa bei der Bio-Saisontonne, mit der Laub und Grünschnitt besser entsorgt werden können. Auch die Verwertung von verholztem Schnittgut von Obstwiesen schreiben wir fest. Beschlossen ist auch, die wöchentliche Abfuhr der Biotonne bis in den September auszudehnen. Wir sind mit etwa 120 Kilo Biomüll und Grünschnitt pro Einwohner schon gut, aber optimieren diesen Bereich noch.

In den 90er-Jahren stand die Reduzierung der Müllmengen im Vordergrund. Wie entwickeln sie sich momentan?

Kopp: Die Hausmüllmenge ist seit Jahren relativ konstant, vergangenes Jahr waren es 58 600 Tonnen. Da sind keine großen Reduktionen mehr zu erwarten. Die Sperrmüllmenge konnten wir in den vergangenen Jahren halbieren, weil wir das Altholz separat erfassen. Jetzt liegen wir bei 6 200 Tonnen. Wir hoffen, die Menge noch mehr zu reduzieren, wenn wir im gesamten Kreis das Altholz nachträglich aussortieren.

Wie steht es insgesamt mit der Bereitschaft der Kreisbürger, ihre Abfallsorten zu trennen?

Kopp: Die ist gut, das sehen wir daran, wie intensiv unsere Recyclingstationen genutzt werden und am Zuwachs der Mengen, beispielsweise bei Altpapier. Wir wollen die gute Zusammenarbeit mit den Vereinen fortsetzen. Wir zahlen ihnen einen Garantiepreis und einen Bonus, wenn wir auf dem Markt gute Preise erzielen. Die Vereine sammeln 6 000 Tonnen ein, 31 000 Tonnen kommen über die Papiertonne und 5 500 Tonnen landen in den Recyclinghöfen.

Das Umweltministerium gibt jährlich eine Hitliste der Recyclingquoten he­raus. Auf welchem Platz liegt der Kreis Esslingen?

Kopp: Da schauen wir gar nicht nach. Die Rangliste liefert kein echtes Kriterium, weil sehr unterschiedliche Grundlagen herangezogen werden. Da kommen erstaunliche Mengen an Grüngut aus Parkbereichen rein oder die gewerbliche Papierentsorgung. Je nachdem was die Kreise melden.

Woher wissen Sie dann, ob Sie gut oder schlecht sind?

Kopp: Es gibt Vorgaben vom Land, wie viel Biomüll erfasst werden soll. Die Menge überschreiten wir jetzt schon. Auch die über 40 000 Tonnen Altpapier sind ein guter Wert.

Ist es für den AWB nach wie vor ein Problem, dass Gewerbebetriebe ihre eigenen Entsorgungswege suchen?

Kopp: Die Menge an gewerblichem Müll, die über unsere Tonnen erfasst wird, ist konstant. Wie viel als Wertstoff deklariert und andernorts entsorgt wird, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass noch viel ins Ausland geht, weil die Verbrennungspreise in Deutschland auf zweistellige Beträge pro Tonne gesunken sind.

Das Wort Müllverbrennung tauchte im Gespräch bislang nicht auf. Vor 20 Jahren wäre es Hauptthema gewesen. Wie lange läuft der Vertrag mit Stuttgart noch?

Kopp: Bis 2034 geht der Hausmüll in die Verbrennungsanlage Stuttgart-Münster. Die Preise sind fixiert, sie passen sich an, wenn die Löhne oder andere Kosten steigen.

Bei den Erddeponien versucht der Kreis seit Jahren, die Mengen durch höhere Gebühren zu drosseln. Funktioniert das jetzt?

Kopp: Ja, 2013 haben wir die langfristig angepeilte Menge leicht unterschritten. In den Vorjahren lagen wir deutlich darüber. Die Kapazität auf den drei Deponien Weißer Stein Plochingen, Blumentobel Nürtingen und Gründener Wasen Weilheim liegt jetzt bei 2,9 Millionen Kubikmeter, das reicht noch 18 bis 20 Jahre.

Zur Kreistagswahl haben mehrere Fraktionen gefordert, über eine Modernisierung des Kompostwerks Kirchheim nachzudenken.

Kopp: Das Kompostwerk ist in gutem Zustand. Es wird laufend modernisiert. Auch im 18. Betriebsjahr werden 60 000 Tonnen Biomüll durchgesetzt. Das schließt nicht aus, dass man über andere Verfahren nachdenkt, insbesondere die Vergärung. Die wäre der Kompostierung vorgeschaltet, um den Energiegehalt des Bioabfalls zu nutzen und Methan zu erzeugen. Dabei entsteht aber 700 Liter wässrige Fraktion auf eine Tonne Biomüll. Die Verwertung der Flüssigkeit ist nicht sichergestellt. Im Winter kann ich das Material nicht ausbringen, ich müsste riesige Speicher schaffen. Die Hersteller sind dabei, das Verfahren zu optimieren. Das beobachten wir und werden den Kreisräten Vorschläge machen. Wirtschaftlich betrachtet, haben wir noch Zeit, das Kompostwerk ist erst im Jahr 2021 abgeschrieben.

Der AWB ist bereits auf dem Markt für regenerative Energien unterwegs. Erreichen Sie die von den Kreisräten geforderte Rendite?

Kopp: Ja, seit 2007 liegt sie im Schnitt bei fünf Prozent. Wir sind mit den Photovoltaikanlagen sehr zufrieden und haben deshalb auf der Deponie Weißer Stein noch eine gebaut. Zusammen mit den Anlagen auf dem Kompostwerk und dem Kirchheimer Krankenhaus haben wir im Jahr 2013 knapp zwei Millionen Kilowattstunden Strom produziert.

Sie haben kürzlich den Geschäftsbericht 2013 vorgelegt. Sind Sie mit dem Gewinn von 1,7 Millionen Euro zufrieden?

Kopp: Der AWB steht wirtschaftlich ordentlich da. Dank der Erlöse im Wertstoffbereich haben wir einen leichten Gewinn erzielt, der aber mit den Gebühren verrechnet wird. Das hat in den vergangenen Jahren zu Gebührensenkungen geführt.

Sie sind nun seit einem Jahr Chef des AWB und des Kompostwerks. Ihr persönliches Resümee?

Kopp: Es war nicht die Riesenumstellung, da ich mit meinem Vorgänger Rolf Hahn schon partnerschaftlich zusammengearbeitet habe. Ich habe aber nicht gedacht, dass so viel Papierkrieg dazu kommt. Mein eigentliches Fachgebiet, der Ingenieurbereich, kommt etwas zu kurz. Ich habe ein gutes Team, das auch Verantwortung übernimmt.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb ist ein Eigenbetrieb des Landkreises. 2013 hat er Erlöse von 28 Millionen Euro verzeichnet. Dem stehen 24,2 Millionen Aufwand für Material/eingekaufte Leistungen und 3,7 Millionen für Personal entgegen. Der Jahresgewinn betrug 1,76 Millionen. Bei den Müllgebühren hat der AWB 2012/13 ein Plus von 7,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Kalkulationszeitraum dauert bis Ende 2015, dann wird neu berechnet. Der AWB beschäftigt 69 Mitarbeiter und 134  geringfügig Beschäftigte. Er betreibt 56 Recyclinghöfe, 36 Grünschnitt-Sammelplätze, neun Kompostieranlagen, acht Sammelstationen für Elektroschrott und drei Entsorgungsstationen an Deponien. Für die langfristige Deponienachsorge verfügt der AWB Rücklagen über 53 Millionen Euro.