Lokale Kultur

Sinnliche Kraft von Form und Farbe

Arbeiten des Kunstwettbewerbs sind noch bis 20. Juli in der Galerie der Kreissparkasse zu sehen

Sieger Kunstwettbewerbs 2012 der Kreissparkasse
Sieger Kunstwettbewerbs 2012 der Kreissparkasse

Kirchheim. „Form, Farbe und Intensität“ – unter diesem Thema stand der 27. Kunstwettbewerb der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen. Nicht weniger als 600 Kunstschaffende waren dieser ebenso konkreten wie offen lassenden Benennung künstlerischer Grundparameter gefolgt, um sich dem kompetenten Urteil einer hochkarätigen, unter dem letztmaligen Vorsitz von Professor Günther Wirth versammelten Jury zu stellen.

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34 Jahre lang war Günther Wirth diesem Gremium aufs Engste verbunden. Er war es auch, der Ende der Siebzigerjahre den entscheidenden Anstoß zur Auslobung des ersten Kunstpreises gab. Sein Jurykollege Dr. Karl Völter würdigte ihn im Rahmen der Preisverleihung als eine „Persönlichkeit, bei der Leben und bildende Kunst untrennbar verbunden sind“ und dankte Günther Wirth für dessen verdienstvolles Wirken, seine fachkundige Unterstützung und das stets entgegengebrachte Vertrauen.

Die aktuelle Ausstellung trägt nun ein letztes Mal die prägnante Handschrift Wirths. Sein Nachfolger, der Kunstwissenschaftler Dr. Tobias Wall, gab den zahlreichen Gästen launige Einblicke in die harte Arbeit, in das ernsthafte Ringen eines Jurierungsprozesses und übernahm die Laudatio der diesjährigen Preisträger.

Den dritten Preis erhielt Rea Sigel Ketros Wort-Farb-Komposition „Anders weiter machen“. „Wortklangbilder“ nennt die Künstlerin ihre Arbeiten, in denen sie Sätze oder Zitate in geometrische Strukturen überführt und dabei den grafischen Gehalt der Buchstaben bildnerisch einbindet. „Rea Sigel Ketros ist eine Meisterin der Farbe“, stellte Tobias Wall angesichts des in warmen Braun-, Orange- und Rottönen strahlenden Bildes fest: „Mit subtiler Hand erzeugt sie einen intensiven Farbklang, der sowohl mit der Komposition, als auch dem poetischen Inhalt des Werkes korrespondiert.“

Nüchterner gibt sich die zweitplatzierte „Komposition 20“ von Jürgen Schiller. Ein Acrylbild, das in Weiß, Schwarz und Grau einen abstrakten Bildraum aufzuspannen scheint, in den sich die dezent abgemilderten Buntfarben Orange und Blau harmonisch einfügen. Tobias Wall sprach von einer trotz Dynamik und Spannung der Komposition insgesamt „gelassenen“ Bildatmosphäre. Schillers Arbeit sei „ein schönes Beispiel für das künstlerische Phänomen einer Raumfläche oder eines Flächenraums, das für die konkrete Kunst des 20. Jahrhunderts charakteristisch ist“.

Dazu in deutlichem Kontrast steht Roland Gerlachs Bild „Kirschwasser“, dem mit hauchdünner Mehrheit der erste Preis zugesprochen wurde. Pralle, saftige Kirschen funkeln in klarem, lichtdurchflutetem Wasser. Zwischen den verführerisch glänzenden Früchten tummeln sich kleine menschliche Figuren. Wie auch immer der Betrachter ein solches Treiben deuten mag, Tobias Wall war sich sicher, dass Gerlach hier als „Virtuose der Gegenständlichkeit“ auftrete, der wisse, wie man mit Farben die sinnliche Kraft der Früchte und die Lichtreflexe des Wassers geradezu spürbar mache: „Er spielt gekonnt mit Motiven der Salonmalerei des 19. Jahrhunderts, ohne jedoch in geistloses Epigonentum zu verfallen.“ Die themenstiftende Trias von Farbe, Form und Intensität sah Wall dabei in „malerisch virtuoser, hintersinniger und vor allem humorvoller Weise“ umgesetzt.

Gemeinsam mit über sechzig weiteren Werken, die in die engere Wahl kamen und für die sich die Jury in ihrem zweiten Durchgang entschieden hatte, sind die preisgekrönten Arbeiten bis Freitag, 20. Juli, in der Galerie der Kreissparkasse Kirchheim, Alleenstraße 160, zu sehen.