Kirchheim

Willkommen in New Orleans

Konzert Julien Brunetaud gastiert mit Melodien aus der Geburtsstadt des Jazz im Club Bastion: Die Zuhörer finden sich eher in einem gediegenen Salon wieder als in einer verrauchten Bar. Von Bernhard Fischer

Glänzende Technik und flinkfingriges Spiel: Julien Brunetaud (links), dezent begleitet von Schlagzeug und Bass. Foto: Bernhard F
Glänzende Technik und flinkfingriges Spiel: Julien Brunetaud (links), dezent begleitet von Schlagzeug und Bass. Foto: Bernhard Fischer

New Orleans gilt als die Geburtsstadt des Jazz. Der französische Pianist Julien Brunetaud hat sich den Traum erfüllt, an den Quellen seiner Lieblingsmusik ein Album aufzunehmen und entfaltete die musikalischen Eindrücke dieser Reise im Keller des Kirchheimer Club Bastion.

Karibische Einflüsse geben der Musik aus dem tiefen Süden der USA bis heute einen ganz eigenständigen Charakter. Julien Brunetaud hat diese Stimmung aufgesogen und zauberte gleich zu Beginn seines Konzertes die schwüle Atmosphäre von „Down in New Orleans“ auf die Bühne. Höhepunkt des Jahres ist in New Orleans der Fasching, der „Mardi Gras“. Dieser wird auch dort mit vielen Umzügen gefeiert. Passend dazu spielte Brunetaud das Lied für die kleine Faschingskönigin. Vertrackte Rhythmen verführten das Publikum im Club unweigerlich zum tänzerischen Mitbewegen.

Hingegen kontrastierten die zahlreichen Boogie-Woogie geprägten Songs mit deutlich schnellerem Tempo: Mit „Monty‘s Boogie“ huldigte Brunetaud seinem Vorbild Monty Alexander. Wie dieser verband der Pianist traditionelle Formen mit karibischem Flair und glänzender Technik. Brunetaud spielt flinkfingrig; Bass und Schlagzeug unterstützten zurückhaltend.

Die Altmeister des Blues-Pianos Champion Jack Dupree und Otis Spann hatten viel nördlicher am Mississippi ihre musikalische Heimat. An diese erinnerte Brunetaud mit einigen melancholischen Blues-Nummern, am Piano sparsam und dezent gespielt. Ein mutiges Unterfangen war die Bearbeitung des Klassikers „Oh when the saints go marching in“. Brunetaud verlieh dem Stück einen schweren, spiritualartigen Charakter, der es erfreulich von zahlreichen bekannten Versionen abhebt.

Brunetaud ist ein hervorragender Pianist und Kenner der traditionellen Spielarten des Jazz und des Blues. Er wurde dafür schon mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Auch in der Bastion spielte und sang er abwechslungsreich in verschiedenen Stilen. Sein Spiel und sein Gesang waren jedoch eher kontrolliert als ekstatisch mitreißend.

Bruno Rousselet und Alex Viudes an Bass und Schlagzeug unterstützten und akzentuierten zumeist äußerst dezent das Spiel des Pianisten. Sie bekamen immer wieder kurz Gelegenheit, sich solistisch zu entfalten und ihr Können aufblitzen zu lassen. Doch erst die Zugabe in südamerikanischem Flair lockte sie aus der Reserve, wobei insbesondere Viudes seinen Becken wunderbar flirrende Klänge entlockte.

Es war eher der gediegene Salon für die zahlungskräftigen Touristen, in den Brunetaud einlud, als der brodelnde rauchgeschwängerte Saloon mit anrüchigen Gestalten. Trotzdem war es ein anregender Abend mit selten gehörten Spielarten des traditionellen Pianojazz. Schade, dass nicht öfter Musik aus der französischen Szene den Weg in die Bastion findet.

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