Kirchheim

Sehr wenige Erkenntnisse

Wie groß ist das Problem von Plastik in Bioabfällen, und wie geht der Gesetzgeber damit um, wollten wir von Silke John, Sprecherin im Stuttgarter Umweltministerium wissen.

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Frau John, ist Mikroplastik in der Landwirtschaft hierzulande ein Problem?

Silke John: Dazu liegen noch wenig Kenntnisse vor. Grundsätzlich ist es zu vermeiden, dass Kunststoffe in landwirtschaftliche Böden gelangen, weil dadurch Futtermittel verunreinigt und die Stoffe über Nutztiere in die Nahrungskette gelangen können. Aus einer von uns in Auftrag gegebenen Untersuchung durch die Landesanstalt für Umwelt wissen wir aber, dass der häusliche Bioabfall in Baden-Württemberg weniger als 2,6 Prozent Fremdstoffanteil aufweist. Regelmäßige Qualitätskontrollen beim fertigen Kompost zeigen, das die Grenzwerte der Bioabfall- und Düngemittelverordnung deutlich unterschritten werden.

Über die Auswirkungen von Plastikmüll auf Mensch und Tier gibt es wissenschaftlich wenig Belastbares. Worauf also stützt sich der Gesetzgeber?

John: Zu einer gesamtökologischen Bewertung von Mikroplastik im Boden sowie zu dessen Auswirkungen auf Mensch und Tier gibt es tatsächlich sehr wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Hier besteht nach Ansicht namhafter Forscher, etwa Professor Laforsch von der Universität Bayreuth, intensiver Forschungsbedarf. Deshalb haben wir jetzt ein Forschungsvorhaben gestartet, das unter anderem die ökologischen Folgen von Mikrokunststoffen auf verschiedene Organismen wie beispielsweise Regenwürmer untersucht.

Wie problematisch sind biologisch abbaubare Plastiktüten in der Kompostierung?

Erkenntnisse aus der Praxis und aus Laboruntersuchungen zeigen, dass DIN-zertifizierte Bioabfallbeutel bei ausreichender Dauer und entsprechender Anlagetechnik in der aeroben Kompostierung vollständig abbaubar und unbedenklich sind. Wir wollen dies anhand von Versuchen in bestehenden großtechnischen Anlagen auch verifizieren. Die Studie soll sich also auch mit der Optimierungen der Anlagentechnik beschäftigen.

Anlagenbetreiber und Verpackungsexperten kritisieren, der Abbau dauere viel zu lange.

Deshalb werden wir uns mit den Betreibern austauschen und die erwähnten Versuche durchführen. Es haben sich schon mehrere Entsorgungsträger als Interessenten für eine Teilnahme bei uns gemeldet. Bernd Köble