Kirchheim. Am 30. September 1980 war Gründungstag der Grünen in Baden-Württemberg und am 3. November 1982 gab es dann auch einen „Ortsverband Kirchheim unter Teck und Umgebung“ mit zwölf Gründungsmitgliedern. Kein einfaches Unterfangen, wie der „Vorlauf“ von über zwei Jahren zeigt. Aktive aus verschiedenen Bürgerinitiativen fanden sich hier, Menschen aus der Friedensbewegung, aus Tier- oder Naturschutzorganisationen und natürlich der Anti-Atomkraft-Bewegung.
Was trieb damals die Menschen um, die sich unter diesem neuen grünen Banner mit der Sonnenblume zusammengefunden haben? Man wollte sich nicht mehr mit den Strategien der außerparlamentarischen Opposition zufrieden geben, sondern politisch eine eigene Position in der Bundesrepublik aufbauen, denn nirgends in der deutschen Parteienlandschaft fand sich annähernd eine politische Heimat für sie. Mit den Verkrustungen der Politik der SPD waren sie grundsätzlich unzufrieden; so wurde zum Beispiel das Nachrüstungsansinnen Helmut Schmidts als Selbstmordstrategie empfunden. Viele frühe Mitglieder der Grünen in Kirchheim kämpften dafür, dass die Umweltzerstörungen, wie zum Beispiel das Waldsterben und die Anhäufung atomaren Mülls, endlich gebremst werden. Diese Menschen fühlten sich zutiefst betroffen, weil sie eine Unumkehrbarkeit der Zerstörung befürchteten. Andere Themen wie Asyl- beziehungsweise Bürgerrechtsfragen, Verkehr oder der Kampf gegen unnötigen Müll kamen schnell dazu, weil die Grünen für die anstehenden Wahlkämpfe programmatisch auf allen Politikfeldern Neuansätze suchten.
Die Kirchheimer Grünen sahen sich jedoch nie auf der Linie der 68er-Generation, sondern betrachteten sich eher als eine junge Gegenbewegung dazu. Die verschiedensten Strömungen, Persönlichkeiten und Anliegen im neuen Ortsverein zu bündeln, war somit damals wahrlich eine schwierige Aufgabe. Dies hat der leider tragisch verunglückte Gründungsinitiator Franz Schärmer mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen bis zum erfreulichen Gelingen verfolgt.
Bei Gemeinderatswahlen traten die Grünen in Kirchheim erstmals 1984 in Erscheinung, und zwar gemeinsam mit den „Neuen“, die seit 1971 im Gemeinderat vertreten waren. Den damals aktiven Neuen wie etwa E.-O. Kröger, Gerhard Fick oder Willi Kamphausen machte diese Zusammenarbeit sichtlich Spaß. Die gemeinsame Kommunalwahlplattform wurde von den Kirchheimer Wählern mit drei Gemeinderatsmandaten belohnt, wobei Jürgen Becker 1984 zum ersten grünen Gemeinderat in Kirchheim gewählt wurde. Ein anderer kommunalpolitischer Zusammenschluss, die „Alternative Liste“, hat sich ab 1989 mit Die Grünen/Die Neuen zur Kommunalwahlliste „Grüne Alternative“ zusammengeschlossen. Erst seit 2009 firmieren die Grünen auch kommunalpolitisch wie im Kreistag, Regionalparlament, Bundestag und Landtag als Bündnis 90/Die Grünen.
Ein zentraler Entwicklungspunkt der Bundesgrünen, die Differenzen zwischen real- und fundamentalpolitischem Flügel, spielte im Kirchheimer Ortsverband keinerlei Rolle. Hier herrschte fast immer ein politisch sehr homogenes Klima. In den ersten 20 Jahren hat sich daher trotz Fluktuation eine „grüne Familie“ in Kirchheim entwickelt, die nicht nur in ihrer politischen Arbeit, sondern auch – häufig bis heute – in bereichernden persönlichen Beziehungen ihren Ausdruck fand. Derzeit haben Die Grünen Kirchheim und Umgebung rund 50 Mitglieder. Genauso wichtig sind den Grünen aber auch ihre dauerhaften „Sympathisanten“ in fast gleicher Anzahl. Diese bringen sich zwar eher anlassbezogen ein, unterstützen aber damit die Arbeit vor Ort nicht minder. Seit seiner Gründung kann der Ortsverband eine durchaus achtbare Erfolgsgeschichte aufweisen: Neben der Durchsetzung vieler „urgrüner“ Forderungen in der Kommunalpolitik waren dies steigende grüne Stimmenanteile bei Wahlen, eine inzwischen auf fünf Mandate gewachsene Gemeinderatsfraktion und neuerdings die Vertretung unseres Wahlkreises im Landtag durch den jungen, engagierten Andreas Schwarz, inzwischen bereits Vizefraktionschef der Landtagsgrünen.
„Unsere Stadt gestalten – ökologisch, sozial und nachhaltig“ – unter diesen Zielvorstellungen treten die Grünen seit 1984 auch im Kirchheimer Gemeinderat an. Ein Mitglied aus der Grünen-Gemeinderatsfraktion fasst es so zusammen: „Wenn wir zurückblicken auf die letzten Jahre, dann können wir sagen: Unsere Stadt ist gut aufgestellt. Gemeinsam haben wir viel erreicht. Viele Ideen und Anregungen, die wir Grünen im Gemeinderat eingebracht haben, wurden umgesetzt.“
Das besondere Selbstverständnis von Basisarbeit prägt die Kirchheimer Grünen und deren Mandatsträger bis heute. So wird etwa die Kirchheimer Öffentlichkeit regelmäßig im neuen Büro von MdL Andreas Schwarz am Postplatz 7 zu Informationsabenden eingeladen. Die Verbindung „zur Basis“ findet nicht nur in Sitzungen, sondern auch an regelmäßigen „Stammtischen“ und Informationsabenden oder thematisch aktuellen Veranstaltungen statt. Alle Ortsvereinssitzungen werden öffentlich abgehalten; die Termine sind im „Teckboten“ wie auch auf der Homepage unter www.gruene-kirchheim-teck.de zu finden.
30 Jahre Grüne in Kirchheim und Umgebung: Dieses Jubiläum feiert der Ortsverband am Samstag, 24. November, ab 19 Uhr im Kirchheimer Hirschgarten. Neben Rück- und Ausblicken auf die politische Arbeit mit „alten“ und „jungen“ Grünen sowie einer Bildershow mit interessanten authentischen Dokumenten/Fotos aus der OV-Geschichte wird das gemeinsame Feiern mit Musik und DJ nicht zu kurz kommen. Wegbegleiter, Sympathisanten und alle, die sich bei den Grünen wohlfühlen, laden die Grünen dazu ein.
