Dettingen. Der geschäftsführende Gesellschafter des Mercedes-Benz-Autohauses Russ, Hans-Jörg Russ, stellte bei seiner Begrüßung die Fahrzeugneuheiten vor, die in den nächsten beiden Jahren erscheinen werden, und die sowohl hohe Ansprüche an Technik und Leistung als auch an Umweltverträglichkeit stellten. Damit sieht sich das Autohaus Russ, das im nächsten Jahr sein 80-jähriges Bestehen feiern kann, gut gerüstet für die Zukunft.
Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Thilo Rose ging auf die Bedeutung der Autoindustrie und der Mobilität für eine entwickelte Volkswirtschaft ein. Das Automotive-Cluster der Region Stuttgart stelle immerhin rund zwei Drittel der Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe und biete jedem sechsten Beschäftigten in der Region Stuttgart Arbeit. Entwickelte Volkswirtschaften zeichneten sich durch einen hohen Grad an Arbeitsteilung aus, der entsprechende Mobilitätsbedürfnisse nach sich ziehe. Deshalb gelte es, Mobilitätsketten von Schiene, Straße und Wasserwegen intelligent miteinander zu verknüpfen.
Den Strukturwandel in der Autoindustrie, der durch technische Entwicklungen wie die Elektromobilität, strengere Umweltauflagen und das sinkende Bedürfnis, ein eigenes Auto zu besitzen, hervorgerufen wird, sollte von der Politik positiv begleitet werden. In diesem Zusammenhang kritisierte Rose die Grünen, die einseitig auf Ökologie setzten und den Ausbau der Straßen- und Schieneninfrastruktur blockierten. „Hoch entwickelte Volkswirtschaften sind finanziell in der Lage, in Ökologie zu investieren. Um Umweltschutz zu gewährleisten, müssen wir unseren hohen Entwicklungsstand hier halten, also Ökonomie und Ökologie miteinander vereinbaren“, erläuterte Rose.
Dr. Walter Rogg verdeutlichte, dass die Region Stuttgart aktuell wirtschaftlich gut da stünde, die Dynamik jedoch nachlasse und andere Regionen in Deutschland aufholten. So habe beispielsweise der Maschinenbau seine Vormachtstellung in der Welt verloren und wurde hinsichtlich der Stückzahl durch China abgelöst. Der Strukturwandel stelle wegen der notwendigen Innovationen für die mittelständische Wirtschaft eine größere Herausforderung dar als für Großunternehmen. Zugleich sei auch ein Wertewandel feststellbar: „Die Verursacher der Finanzkrise haben andere Werte als Mittelständler“, so Rogg. Es müsse gelingen, in der Region Stuttgart die mittelständische Wirtschaft zu halten, indem deren Alleinstellungsmerkmale stärker herausgearbeitet werden. Ansonsten laufe die Aufbauleistung der Nachkriegsgeneration Gefahr, verspielt zu werden. Im Rahmen der Strategie 2020 der Region Stuttgart sei es am wichtigsten, die Innovationsfähigkeit, das Hauptpfund der Region Stuttgart, zu erhalten. Dazu bietet die Wirtschaftsförderung zahlreiche mittelständische Netzwerke an.
Bei der Autoindustrie sei eine Verlagerung des Wachstums in Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien zu verzeichnen, während hierzulande steigende Energiekosten und zunehmende Umweltauflagen die Mobilität verteuerten. Zudem lasse die emotionale Bindung ans Auto nach. Da neue Antriebskonzepte wie das Elektroauto, technisch weniger anspruchsvoll seien wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, stünden Hersteller und Zulieferer v or großen Herausforderungen. Ziel müsse sein, in der Zukunft möglichst viel Wertschöpfung am Standort zu halten. Dies sei durch einen Wandel der Region Stuttgart von einer Automobilregion zu einer Mobilitätsregion möglich. Das Förderprogramm „Modellregion nachhaltige Mobilität“ stelle dabei einen wichtigen Baustein dar. Mit einem Programmbudget von insgesamt 7,5 Millionen Euro sollen Projektvorhaben gefördert werden, die die Region Stuttgart als Standort innovativer Mobilitätslösungen und Mobilitätsprodukte auszeichnen. Als Beispiele nannte Rogg die „multimodale Mobilitätskarte“ der Stuttgarter Stadtbahnen, bei der mit einer Karte öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing, Mietwagen oder Elektrofahrräder genutzt werden können.
Der MIT-Vorsitzende Franz Pfeffer stellte die Frage, ob Wahlen nur noch allein durch Ökopolitik zu gewinnen seien und betonte, dass der neue Stuttgarter OB Kuhn die Wirtschaftsförderung in der Region Stuttgart nicht gerade einfacher mache. Deshalb gelte es, dass die CDU ihr konservatives und wirtschaftspolitisches Profil schärfe.
In der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass der Elektromobilität auf Grundlage der Brennstoffzellentechnik nur noch wenig zum Durchbruch fehle. Da die Brennstoffzellenforschung in Nabern angesiedelt ist, möchte die CDU-Gemeinderatsfraktion in Kirchheim ein Projekt anstoßen, mit dem sich die Stadt an dem regionalen Förderprogramm zur nachhaltigen Mobilität beteiligt und das die Brennstoffzellenforschung mit einbindet.tr
