Serienräuber gesteht vor dem Stuttgarter Landgericht Überfälle auf Supermärkte und Geschäfte
Überfälle von Kirchheim aus geplant

Ein dreister Serienräuber, der von einem Kirchheimer Hotel aus Überfälle in Eislingen, Rosswälden, Esslingen und Stuttgart verübt und über 30 000 Euro erbeutet hat, steht jetzt am Stuttgarter Landgericht unter Anklage. Der Mann, der in Kirchheim bereits wegen Nichtzahlung seiner Zimmerrechnung verurteilt wurde, ist im Februar dieses Jahres in Italien festgenommen und nach Stuttgart ausgeliefert worden.

Bernd Winckler

Kirchheim/Stuttgart. Ein Hotel in Kirchheim diente als Stützpunkt für die Ende Januar beginnende Raubserie des 36-jährigen Mannes. Er war damals mit einer Freundin Gast des Hotels. Die Freundin blieb in der Herberge, während er laut Anklage am Abend des 26. Januar den ersten Raubzug startete. Ziel: ein Lebensmittelmarkt in Eislingen. Mit Waffengewalt erbeutete er 1 900 Euro. Mit dem Geld ging es zurück ins Kirchheimer Hotel zur wartenden Freundin.

Vier Tage später folgte der nächste Coup. Dieses Mal traf es einen Netto-Markt in Ebersbach-Rosswälden. Mit einer Pistole im Anschlag bedrohte der Mann die Kassiererin und forderte die Öffnung der Kasse. Die Frau blieb jedoch hart und rannte schnell in einen Nebenraum, von wo aus sie die Polizei benachrichtigte. Der Angeklagte musste unverrichteter Dinge ohne Beute flüchten und konnte trotz unmittelbarer polizeilicher Fahndung nicht gefunden werden.

Nach dem Überfall ging‘s zurück
ins Hotel

Nach einem Zwischenstopp, wieder bei der Freundin in Kirchheim, soll der Mann bereits eine Stunde später erneut auf Raubtour gegangen sein, dieses Mal nach Esslingen. Mit der Pistole, die er übrigens laut seinem Geständnis auf einer Polizeimesse in Paris gekauft haben will, bedrohte er auch hier die Kassiererin der Schlecker-Drogerie und forderte den Inhalt der Kasse. Aus Angst um ihr Leben gab ihm die Frau rund 600 Euro, von denen der Beschuldigte nach seinen Angaben 250 Euro für den Kauf von Drogen ausgegeben haben will.

Zwei Tage später folgte der Raubüberfall auf die Filiale der Galeria Kaufhof in der Stuttgarter Königstraße. Als angeblicher Mitarbeiter hatte er sich Zugang in die Buchhaltung verschafft und den beiden Geschäftsführern eröffnet, dass er zwei mit Nägeln gespickte Bomben im Gebäude versteckt habe. Angesichts dieser Drohung, die der Angeklagte auch noch mit seiner Pistole unterstrich, wurde ihm aus einem Kassenschrank in der Geschäftsleitung ein Betrag von fast 29 000 Euro ausgehändigt. Eine Stunde lang mussten die Kaufhof-Geschäftsführer mit ihrer Alarmierung der Polizei laut Vorgabe des Räubers warten, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Bomben hochgehen.

Diese Bomben gab es jedoch nicht, wie sich später herausstellte. Der mutmaßliche Räuber sei anschließend zurück in das Kirchheimer Hotel und von dort aus mit Freundin nach Südbaden und weiter nach Italien gefahren. Die Beute selbst habe er ausgegeben, sagt er den Stuttgarter Richtern. Wo die Freundin ist, weiß er nicht. Ein anderes Kirchheimer Hotel hat der Angeklagte früher schon durch Nichtzahlung seiner Zimmermieten betrogen, wie die Polizei weiß. Diverse Vorstrafen sollen davon zeugen.

Mit der Limousine 
zum Tatort und 
zurück chauffiert

Vor der fünften Großen Strafkammer ist der Mann geständig und hofft auf ein mildes Urteil. Zu seinem Vorstrafenregister zählt auch ein Raub in Nordrhein-Westfalen vor einigen Jahren. Da hatte er sich mit einem Limousinen-Service zum Tatort hin- und nach dem Coup wieder zurückchauffieren lassen. Verurteilt wurde der 36-Jährige allerdings nur wegen Diebstahls. Der jetzige Prozess ist auf insgesamt vier Tage terminiert.