In der Kirchheimer Musikschule
haben 23 junge Musiker
die Meisterkurse absolviert.
Übung macht den Meister

Eine arbeitsame, aber auch inspirierende Woche liegt hinter ihnen. 23 junge Musiktalente im Alter zwischen elf und 26 Jahren haben die Kirchheimer Meisterkurse absolviert.  

In ihrer zweiten Auflage boten die von der Kirchheimer Musikschule initiierten Meisterkurse neben dem bewährten Unterricht in den Fächern Violine und Violoncello nun auch das Fach Klavier an. Hierfür konnte Florian Wiek als Lehrkraft gewonnen werden, der seit dem Jahr 2004 eine Professur für Klavier und Klavier-Kammermusik an der Stuttgarter Musikhochschule inne hat. Mit der akademischen Karriere gehen seine künstlerischen Meriten Hand in Hand: Der pianistischen Ausbildung in Köln, Hamburg und Paris folgten rasch Auszeichnungen namhafter nationaler und internationaler Wettbewerbe, etwa der Preis des Deutschen Musikwettbewerbs oder der erste Preis beim Maria-Canals-Wettbewerb in Barcelona.

Seither ist Florian Wiek in großen Konzertsälen wie der Berliner und der Kölner Philharmonie, der Hamburger Musikhalle oder der Beethovenhalle in Bonn zu Gast, wo er sich dem breit gefächerten Bereich vom Solorecital bis zu groß besetzter Kammermusik und Orchesterkonzerten widmet.

Ein schillerndes Renommee also, hinter dem jedoch Wieks Stuttgarter Professoren-Kollegen Anke Dill und Rudolf Gleißner, die bei den Kirchheimer Meisterkursen wie schon im Vorjahr die Violin- und Cello-Klasse leiteten, nicht zurückstehen müssen. Als Mitglied des Barrault-Quartetts erhielt Anke Dill Kammermusikunterricht von solch illustren Größen wie Walter Levin, den Mitgliedern des Alban-Berg- oder des Julliard-Quartetts. Mit Jacob Leuschner spielte sie die Zyklen sämtlicher Mozart- und Beethovensonaten für Klavier und Violine und gewann den Wettbewerb um den Possehl-Musikpreis 2000. Zudem wurde sie mit dem Kai-Uwe-von-Hassel-Förderpreis der Kieler Hermann-Ehlers-Akademie, den Förderpreisen des Lions-Clubs Lübeck und der Marie-Luise-Imbusch-Stiftung ausgezeichnet. Konzerte mit namhaften Solisten, CD-Einspielungen mit Werken von Bartók, Beethoven und Mozart sowie Radio- und Fernsehaufzeichnungen dokumentieren ihre künstlerische Vielseitigkeit als Solistin, Kammermusikerin und Konzertmeisterin. Ihre besondere Aufmerksamkeit widmet sie der Förderung musikalischer Nachwuchstalente.

Dies ist auch dem Cellisten Rudolf Gleißner ein zentrales Anliegen. Er war zunächst stellvertretender Solocellist beim Radio-Sinfonie-Orchester Berlin unter Lorin Maazel. Danach erster Solocellist beim Radio-Sinfonie-Orchester Stuttgart des SWR unter Chefdirigenten wie Sergiu Celibidache, Neville Marriner oder Roger Norrington. In all diesen Jahren spielte Rudolf Gleißner als Solist mit verschiedenen Orchestern, darunter auch häufig mit dem RSO, dokumentiert durch regelmäßige Rundfunkaufnahmen. Zudem ist er langjähriges Mitglied der international konzertierenden „Stuttgarter Solisten“. Seit 1978 gibt er als Professor für Violoncello seine reichen Erfahrungen mit großer Begeisterung an die jüngere Generation weiter.

Auch Alexandra Müller konnte an der Hochschule bei Rudolf Gleißner ihre Fähigkeiten am Cello vervollkommnen. Mit ihren zusätzlichen Kompetenzen als Bewegungspädagogin und Gestalttherapeutin stand sie nun den drei Professoren im Rahmen der Kirchheimer Meisterkurse als Dozentin zur Seite. Während der Kurswoche arbeitete sie mit den Teilnehmern an den physiologischen Voraussetzungen für ein müheloseres und ausdrucksstärkeres Spiel auf dem eigenen Instrument. Dies geschah mittels Übungen und Experimenten, die sich mit der körperlichen Disposition, den jeweils individuellen Haltungs- und Bewegungsmustern, der persönlichen Wahrnehmungsfähigkeit, aber auch dem jeweiligen Selbstvertrauen und der eigenen Fähigkeit zur Entspannung befassten.

Neben dem grundsätzlich öffentlich gehaltenen Unterricht sowie dem feierlichen Eröffnungskonzert der Professoren, waren es vor allem die hervorragenden Abschlusskonzerte, die dem Geschehen der Kirchheimer Meisterkurse zu großer, öffentlicher Strahlkraft verhalfen. Die stattliche Zahl der Kursteilnehmer ließ die Ausrichtung gleich dreier täglich aufeinanderfolgender Konzerte im Alten Gemeindehaus möglich werden. Hier konnten sich die Zuhörer vom überdurchschnittlich hohen Niveau der jungen Musiker überzeugen und verblüffen und sich en passant ein perfekt geschliffenes Kompendium gewichtigster Repertoire-Brocken von Bach bis Schostakowitsch vorführen lassen. Mag die geleistete musikpädagogische Arbeit auch hinter geschlossenen Türen schon verdienstvoll genug sein, sie in aller Frische dem öffentlichen Kulturleben vorbehaltlos zugänglich zu machen, erwies sich als lebendige Verzahnung aller am kreativen Prozess beteiligten Ebenen, die bereits Vorfreude weckt auf den dritten Durchgang der Kirchheimer Meisterkurse im kommenden Jahr.