Der zweitälteste Verein in Weilheim feiert Jubiläum
150 Jahre Schützentradition

Der Schützenverein Tell Weilheim feierte mit einem Festabend in der Limburghalle 150 Jahre Schützentradition in Weilheim. Ein Vereinsjubiläum, auf das die Weilheimer Schützen besonders stolz sind.

Weilheim. Die „Böller-Schützen“ des Vereins eröffneten mit einem kurzen Salut vor der Limburghalle den Festabend. Daraufhin begrüßte der Vorsitzende Thomas Schaufler zahlreiche befreundete Schützenvereine, die mit ihren Vereinsfahnen feierlich in die gut besuchte Limburghalle einzogen.

Nach seiner Begrüßungsrede hieß Thomas Schaufler die Festredner und Ehrengäste willkommen. Dazu gehör­ten Bürgermeister Johannes Züfle, der Sprecher der Weilheimer und Hepsis­auer Vereine Dieter Bischof, die stellvertretende Sportkreisvorsitzende Margot Kemmler sowie die Vertreter der Schützenverbände, Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange, Bezirksoberschützenmeister Karl-Heinz Fleck und Kreisoberschützenmeister Oliver Raisch.

Züfle hob hervor, dass dem Schützenverein Tell Weilheim traditionell ein breites Vereinsangebot wichtig sei, das auch Nichtmitglieder anspricht. Beim Vereins- und Betriebspokalschießen, beim Schlachtfest und beim Erbseneintopfessen stünden die Türen des Schützenhauses für eine bunte Gästeschar offen. Auch beim Ball des Sports, bei dem sie Mitausrichter sind, beim Städtlesfest und beim Weihnachtsmarkt zeigten sich die Schützen als offener und im örtlichen Gemeinschaftsleben fest verankerter Verein. Dies trage auch zur Transparenz und Sachlichkeit in den aktuellen Diskussionen rund um das Thema Waffen bei. Züfle wünschte dem Verein, dass er auch in den kommenden Jahrzehnten seine engagierte, vielfältige und offene Vereinsarbeit erfolgreich fortsetzen könne.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Turn- und Sportvereine vom Alliierten-Kontrollrat aufgelöst. Der Sport wurde jahrelang zur nationalsozialistischen Propaganda zweckmissbraucht. Daher standen auch die meisten Vereine unter Generalverdacht und mussten nach 1945 formell wieder neu gegründet werden. So auch der Schützenverein Tell Weilheim im Jahr 1953. Landesoberschützenmeisterin Lange war es daher eine besondere Ehre, zwei Wiedergründungs-Mitglieder aus dem Jahr 1953 für ihre langjährigen Verdienste für das Schützenwesen würdigen zu können. Hans Scheffelmeier und Max Allmendinger freuten sich besonders über diese Auszeichnung. Für sein unermüdliches Wirken für den Schützenverein Weilheim erhielt Hans Scheffelmeier das Ehrenkreuz der Stufe zwei des Württembergischen Schützenverbandes, Bezirk Neckar. Anschließend erhielten Anja Schaufler, Markus Heinold, Tobias Wolf und Wolfgang Seyerle die Ehrennadel in Silber des Schützenkreises Teck.

Kreisoberschützenmeister Raisch blickte zurück auf die Jahre 1992 bis 1994, in denen die Mitglieder des Schützenvereins sich mit 15 000 Arbeitsstunden ein neues Schützenhaus bauten. Danach modernisierten sie den Bau immer wieder. Er hob die Besonderheit der vereinseigenen Sportanlagen der Schützenvereine hervor.

Schützenhäuser sind vieles: Sportanlage, Ort der Geselligkeit und Begegnung von Jung und Alt, des Gesprächs miteinander, aber auch besondere Herausforderung bei der Eigenfinanzierung der Investitionen und der laufenden Betriebs- und Erhaltungskosten.

Dieter Bischoff, Sprecher der Weilheimer Vereine, überbrachte die Glückwünsche der Vereinsgemeinschaft. Der Schützenverein ist mit seinem Gründungsdatum 1863 nach der Gründung des Gesangvereins Weilheim im Jahre 1840 der zweitälteste Verein in Weilheim. Hinweise auf erste Schützengesellschaften lassen sich in vielen Städten Baden-Württembergs im späten Mittelalter und vermehrt in der frühen Neuzeit finden. Zu den ältesten Schützengilden, die heute noch bestehen, gehören die Schützengilde Reutlingen aus dem Jahr 1290, die Schützengilde Esslingen von 1382, die Schützengilde Ulm aus dem Jahr 1383 und die Schützengilde Nürtingen von 1460.

Die ersten Schützengesellschaften sind wahrscheinlich in einer Zeit schwerster Auseinandersetzungen zwischen den Landesherren und dem erstarkenden Bürgertum in den Reichsstädten entstanden. Die Städte begannen, sich der Übergriffe des Adels zu erwehren. Sie gründeten erste Bürgerwehren, die sich Schützengesellschaft oder Schützengilde nannten. Die Notwendigkeit einer autonomen Stadtverteidigung war die Ausgangslage für das Schützenwesen.

Die Schützengesellschaften widmeten sich zunächst der Stadtverteidigung. Die Mitgliedschaft brachte aber auch gesellschaftliches Ansehen und das Engagement ihrer Mitglieder für die Gesellschaft zum Ausdruck. Später kam mehr und mehr der sportliche Aspekt hinzu. Erste Schützenfeste und Schießwettbewerbe fanden statt. Auch in der Nachbarstadt Kirchheim fand 1488 bereits ein erstes Schützenfest statt. Aus der ursprünglichen Tradition der Schützengesellschaften zum Schutz und zur Verteidigung der Reichsstädte wurden die „Schützenvereine“, die den Schießsport, die Geselligkeit und Tradition pflegen. Der Name „Schützen“ aus früheren Zeiten blieb im Vereinsnamen „Schützenverein“ bis heute erhalten.

Da der Schützenverein Tell als Jubilar in diesem Jahr auch Ausrichter des Bezirkspokalschießens war, konnte der Vereinsvorsitzende noch die Sieger des Preisschießens ehren. Danach wurde das Programm mit Musik und Tanz mit den „Asbach Buam“ schwungvoll fortgesetzt.pn