Angeklagter gesteht überraschend – Gericht hat neun Zeugen geladen
16-Jährige zwei Mal vergewaltigt

Wegen zweifacher Vergewaltigung seiner 16-jährigen Freundin, die die Beziehung mit ihm beendet hatte, ist seit gestern ein 35-Jähriger aus Nürtingen vor dem Stuttgarter Landgericht angeklagt. Er soll die Taten im Februar vergangenen Jahres in der Nürtinger Wohnung des Mädchens begangen haben. Gestern legte er vor den Richtern überraschend ein Geständnis ab.

Nürtingen. Bis zum gestrigen Prozessbeginn vor der 20. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts hatte der Beschuldigte die Vorwürfe in polizeilichen Vernehmungen stets bestritten. Doch dank guten Zuredens seines Verteidigers an diesem ersten Verhandlungstag hatte sich der sichtlich niedergeschlagene Mann dazu durchgerungen, über eine Erklärung des Anwalts alle Vorwürfe doch einzuräumen.

Laut Anklage soll er mit der 16-Jährigen ab dem Frühjahr 2009 eine enge Beziehung unterhalten haben. Damals sei er – wie er angibt – als Gelegenheitsarbeiter aus seiner Heimatstadt Neustadt/Saale nach Nürtingen gekommen und bekam durch seine Leidenschaft des Online-Computer-Spielens Kontakt mit der 16-Jährigen. Man habe die Telefonnummern ausgetauscht und sich dann getroffen. Daraus entstand eine Beziehung, die auch die Eltern des Mädchens mit dem fast 20 Jahre älteren Mann akzeptierten. In deren Unternehmen fand der Angeklagte sogar eine Arbeitsstelle.

Doch die 16-Jährige hatte im Frühjahr vergangenen Jahres die Beziehung beendet. Dies habe dem Angeklagten den Boden unter den Füßen weggezogen, wie es gestern sein Verteidiger formulierte. Laut Anklage war der 35-Jährige in der Nacht zum 5. Februar unerwartet bei dem Opfer erschienen, nur um sich wegen der Kälte draußen zu wärmen. Sie sollte zu einem Geschlechtsverkehr einwilligen, was die junge Frau aber abgelehnt hatte. Daraufhin habe der Mann aus der Küche ein Messer geholt und damit gedroht, sich selbst umzubringen. Dann habe er die erste Vergewaltigung begangen.

Danach habe man sich zwei Stunden lang unterhalten, in dessen Verlauf der Beschuldigte die Frau auch geohrfeigt habe, bis es dann zur zweiten Sexualtat kam. Erst am frühen Morgen des 6. Februars habe der Angeklagte die Wohnung verlassen. Die Staatsanwältin geht von einer zweifachen Vergewaltigung und Körperverletzung aus.

Schon einmal stand der 35-Jährige wegen einer ähnlichen Tat vor Gericht. Sein Verteidiger ließ die Richter der 20. Strafkammer in der Erklärung wissen, dass seinem Mandanten die beiden Taten sehr leid täten. Er wolle daran arbeiten, dass es nicht mehr passiert.

Durch das Geständnis könnte das Gericht auf die heute 18-jährige Zeugin verzichten, was dem Angeklagten in der Strafzumessung zugutekommen würde. Allerdings sei ihm klar, dass er mit einer Bewährungsstrafe aus dieser Sache nicht herauskomme, sagte der Verteidiger.

Das Gericht hat neun Zeugen geladen. Ein psychiatrischer Sachverständiger soll per Gutachten feststellen, in welchem psychischen Zustand der 35-Jährige in der Tatnacht war. Er hat angegeben, dass er zuvor reichlich Alkohol getrunken habe. Am 8. November soll das Urteil gesprochen werden.