Plattform für Eigentümer und Bauwillige
25 Hektar Potenzial

Das Weilheimer Projekt „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ fördert ein beachtliches Potenzial zutage. Wenn die Eigentümer mitmachen, könnten Baulücken und Leerstände für Wohnraumsuchende eine Chance bieten.

Weilheim. Der Bestand ist aufgenommen, die Analyse erfolgt. „Insgesamt verfügt Weilheim noch über ein innerstädtisches Potenzial von 25 Hektar. Das ist eine relativ große Dimension“, verdeutlichte Bürgermeister Johannes Züfle im Weilheimer Gemeinderat. Insgesamt 122 Baulücken in Weilheim und Hepsisau zählen ebenso dazu wie 73 bislang nicht optimal genutzte „Entwicklungsflächen“, zwölf leerstehende Gebäude und sechs Brachflächen. Doch ist auch der Rathauschef Realist genug, um zu wissen, das sich nicht sämtliche, meist im Privatbesitz befindlich, Grundstücke in naher Zukunft aktivieren lassen.

Im nächsten Schritt werden die Eigentümer angeschrieben. „Wir wollen keinen Druck erzeugen, sondern klären, ob Gesprächsbereitschaft besteht“, betonte Züfle. Im Mai soll eine Infoveranstaltung zu dem Thema stattfinden. Insbesondere gehe es darum, den Eigentümern die Potenziale ihrer Grundstücke aufzuzeigen. Bis November möchte die Stadt mithilfe der Kommunalentwicklung (KE) Baden-Württemberg eine Vermarktungsplattform einrichten, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen soll: Zum einen könnte sie ein Angebot für Eigentümer von Flächen sein, zum anderen ein Service für Wohnraumsuchende. „Wir werden uns anstrengen müssen, um unsere Einwohnerzahl zu stabilisieren“, hob Züfle hervor. Das Schaffen von Wohnraum im innerstädtischen Bereich stellt für ihn einen wichtigen Baustein dazu dar.

Unter dem städtebaulichen Blickwinkel beleuchtete Gabriele Siegele von der KE einzelne Flächen. Beispielhaft griff sie ein zwischen zwei Häusern liegendes Grundstück an der Karl-Scheufelen-Straße heraus. „Orientiert man sich an der Umgebungsbebauung oder braucht es einen Bebauungsplan?“, laute hier wie so oft die Gretchenfrage. An fünf im städtischen Besitz befindlichen Flurstücken an der Kirchheimer Straße wiederum stellte Gabriele Siegele mit einem konkreten Planungsvorschlag dar, wie sich auch härtere Nüsse knacken lassen. Das zwischen Haupterschließungsstraße und Lindach eingepferchte Grundstück könne beispielsweise mit einem Doppelhaus bebaut werden, das sich mit Küche und Wohnräumen zu dem Gewässer hin öffne. Damit sie sich vermarkten ließen, dürften Flurstücke in solchen „Extremlagen“ allerdings nicht zu teuer sein.

Bei Stadtrat Karl Mohring stieß der „Potenzialplan“ auf eine gehörige Portion Skepsis. „Das hört sich alles gut an. Aber es wird sich zeigen, ob wir dadurch langfristig 500 Bürger halten können.“ Hans-Peter Sindlinger stieß ins selbe Horn: „Ich glaube nicht, dass die Baulücken durch Unwissenheit der Eigentümer entstanden sind.“ Friedrich Haberstroh lobte dagegen die geplante Bürgerbeteiligung und sah das Know-how der KE als Chance. Abschließend nahm das Ratsgremium von dem Potenzialplan Kenntnis.