Kirchheim. Knapp 40 Einsätze weniger als noch 2011 verzeichnet die Statistik für das zurückliegende Jahr. Doch einige Alarmierungen hatten es 2012 in sich, wie Stadtbrandmeister Roland Schultheiß am Freitagabend bei der Hauptversammlung der Gesamtwehr im voll besetzten Magazin bemerkt. Von der Jugendfeuerwehr bis rauf zu den Kameraden der Alterswehr sind die insgesamt 464 Mitglieder stark vertreten.
Von der Waschbärrettung über den Chlorgas-Vorfall im Freibad bis zum Fahrzeugbrand in der Tiefgarage eines Altenheims reicht das Einsatzspektrum im vergangenen Jahr. Innerhalb weniger Wochen wurde die Wehr beispielsweise zu drei schweren Verkehrsunfällen mit Schwerstverletzten und Toten auf der A 8 gerufen. Im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig war auch der Brand eines Reihenmittelhauses in Lindorf, wo das schnelle Eingreifen der Wehr mit mehreren Trupps das Übergreifen der Flammen auf die beiden Nachbarhäuser verhinderte. Der wohl medienträchtigste Alarm erreichte die Kirchheimer Wehr am 30. April kurz vor 17 Uhr: „Flugzeugabsturz über dem Talwald, eine Person eingeklemmt“ lautete die Meldung zum tragischen Ereignis, bei der der Kirchheimer Unternehmer und Kunstpilot Klaus Lenhart ums Leben kam.
Die immer kniffligeren Aufgaben der Feuerwehr bedürfen einer umfassenden Schulung und Ausbildung. Von den 272 Männern und Frauen, die in den fünf Abteilungen ihren Dienst versehen, besuchten 70 einen der Grundlehrgänge und investierten über 1 100 Stunden in die Feuerwehrarbeit. Zusätzlich bot Kirchheim als Ausbildungsstandort auf Kreisebene 128 Weiterbildungen für 1 247 Teilnehmer an.
Die Zeit, die so ehrenamtlich für die Sicherheit der Bürger geleistet wurde, summiert sich auf die fast unvorstellbare Zahl von 30 517 Stunden. Rund 3 300 Stunden investierten die fünf Abteilungen dabei in die Nachwuchsarbeit. 81 Jungen und Mädchen werden derzeit an die Arbeit und die Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr herangeführt. Seit vergangenem Jahr dürfen dabei auch Kinder ab sechs Jahren mitmischen: Die Abteilung Nabern hat sich als dritte Feuerwehr im Kreis zur Einrichtung einer Kinderfeuerwehr entschlossen. Die ersten Erfahrungen machen den Verantwortlichen jedenfalls Mut. Es gebe bereits Überlegungen, weitere zu gründen, so Schultheiß.
Sorgen bereitet der Wehr allerdings der Fahrzeugbestand. Eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren hat sich als unrealistisch erwiesen. Das habe unter anderem der Motorschaden am TSF der Abteilung Nabern mehr als deutlich gezeigt, so der Stadtbrandmeister. „Ersatzteile für die alten Fahrzeuge sind entweder gar nicht oder nur zu horrend teuren Preise zu bekommen“, berichtet er. Somit müsse nun die Fahrzeugplanung überarbeitet und nach Lösungen gesucht werden. Vorgesehen sei, mit der In-Dienst-Stellung des neuen LF 20/16 das Tanklöschfahrzeug künftig in Nabern einzusetzen. Für das Bundes-Löschfahrzeug, das keinen TÜV mehr hat, soll das LF 16/1 TS nach Ötlingen wechseln.
Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker kennt die neue Entwicklung und versicherte, die Stadt werde immer das Interesse der Wehr und der Sicherheit sowohl für die Bürger als auch die Einsatzkräfte vorne an stellen. Bis 2016 habe Kirchheim in der Finanzplanung insgesamt 1,6 Millionen Euro für die Beschaffungen eingestellt – zusätzlich zu dem Etat der Feuerwehr von jährlich 350 000 Euro. Jedoch sei der Haushalt mit der Umstellung auf das neue Kämmereisystem in die Schieflage geraten, zusätzlich fast 50 Prozent der Mittel seien für Bildung und Betreuung gebunden, warb sie um Verständnis, dass nicht alles sofort erfüllt werden könne. Man werde die Bedarfsplanung aber mit Augenmaß umsetzen, versprach sie der Hauptversammlung.
Jürgen Burkhardt, stellvertretender Kreisbrandmeister, sprach den Kirchheimern ebenso wie zuvor die Oberbürgermeisterin ein großes Lob für ihren Einsatz aus. Insbesondere stellte er die Nachwuchsarbeit heraus. „Die Jugendfeuerwehren sind eine wichtige Säule der Einsatzabteilungen“, begrüßte er die Einrichtung der Kinderfeuerwehr. Und auch Angelika Matt-Heidecker ermunterte die Jugendlichen und ihre Betreuer: „Bleibt dran!“
Dann werden sie vielleicht auch eines Tages ein so beeindruckendes Jubiläum feiern können wie Kurt Limpf von der Abteilung Kirchheim: Seit 70 Jahren hält er bereits der Feuerwehr die Treue. Auch Hans Engelhardt, Richard Moll und Walter Olpp (alle Abteilung Kirchheim) sowie Hermann Hummel aus Ötlingen und Wilhelm Franz und Walter Schäfer (beide Jesingen) sind schon sechs Jahrzehnte im „blauen Rock“. 50 Jahre ist Wilhelm Sailer (Kirchheim) bei der Truppe, 40 sind es immerhin auch bei Rainer Klingmann (Jesingen). Für 40 Jahr im Dienst wurden Klaus Molter und Martin Reit (Kirchheim), Arno Fritsch (Ötlingen), Dieter Kouba (Lindorf) und Günter Gölz (Nabern) ausgezeichnet. 25 Jahre rund um die Uhr parat stehen auch Torsten Stutz (Kirchheim), Andreas Bezler (Jesingen) und Ralf Schuler (Nabern).
Für die Zukunft ist die Kirchheimer Wehr mit so vielen engagierten Männern und Frauen also bestens gerüstet. Auch in den kommenden fünf Jahren werden sie dabei von Stadtbrandmeister Schultheiß geführt. Seit zehn Jahren steht der altgediente Feuerwehrmann, der inzwischen ebenfalls seit fast vier Jahrzehnten dabei ist, an der Spitze der fünf Abteilungen – und wird dies nach Willen der breiten Mehrheit der Hauptversammlung auch die nächsten fünf Jahre tun. Von 171 abgegebenen Stimmen fielen 119 auf ihn, 29 Wahlzettel waren ungültig.
Einen Wechsel hingegen gab es beim Spielmannszug. Hier zieht sich der bisherige Stabführer Ulrich Schmid in die zweite Reihe zurück. Künftig wird der Zug von Stefanie Psader geleitet, die am Freitagabend feierlich den Tambourstab übernahm.
