Andreas Volz
Kirchheim. Lange hatten Verwaltung, Gemeinderat und ein Initiativkreis um den Erhalt der Bruckmühle gerungen. Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung geplant, das Gebäude abzubrechen und nach Verlagerung des Flusslaufs der Lauter eine Grünfläche anzulegen. Der Initiativkreis dagegen hatte auf die historische Bedeutung des Mühlenstandorts verwiesen, der zugleich mit dem Gebäude zu erhalten sei.
Nach langjährigen Bemühungen waren alle Beteiligten froh, dass sich zum Jahreswechsel 2012/2013 eine konkrete Perspektive für die Bruckmühle ergeben hatte: Die Hauser Design GmbH aus Esslingen kaufte der Stadt das alte Gebäude ab, um es zu sanieren. Es gab Anfang Januar zwar immer noch ein paar Fragezeichen, aber im Prinzip schien alles geregelt zu sein.
Inzwischen ist der Investor ein gutes Stück vorangekommen. Seit 20. September habe er eine Baugenehmigung, sagte Architekt Michael Menzel, Geschäftsführer von Hauser Design, diese Woche bei einem Treffen vor Ort. Alle weiteren formalen Kriterien seien ebenfalls erfüllt, um nun auch die Baufreigabe zu erhalten: „Uns fehlt jetzt nur noch der rote Punkt, dann können wir anfangen.“
Bevor die Baufreigabe kommt, wird sich allerdings noch der Technische Ausschuss des Kirchheimer Gemeinderats in nicht-öffentlicher Sitzung mit dem Thema befassen, kündigte Bürgermeister Günter Riemer auf telefonische Nachfrage des Teckboten an. Der Grund dafür sind die bisherigen Abbrucharbeiten, die freilich unabhängig von der Baufreigabe erfolgen konnten.
Der Stadtverwaltung gegenüber habe Michael Menzel versichert, dass er am Sanierungskonzept – wie vorgesehen und vorgestellt – festhalten wolle. Trotzdem ist gerade diese Sanierung für Günter Riemer ein heikler Fall: „Das Gebäude war lange in der öffentlichen Diskussion und steht nach wie vor im Interesse der Öffentlichkeit.“ Deshalb sieht der Bürgermeister im Zusammenhang mit den Abbrucharbeiten auch einen kritischen Punkt: „Wir hätten früher informiert werden müssen.“ Die gewünschte Information hätte sich auf die Ausmaße des Abbruchs bezogen.
Im Nachhinein erklärt Michael Menzel den erfolgten Abbruch als folgerichtig, weil die Bausubstanz einen Erhalt nicht zugelassen hätte. Vor Ort kann er das durchaus nachvollziehbar erklären. Balken und Betonmauern, die noch stehengeblieben sind, lassen sich teilweise mit bloßer Hand zerbröseln. Zudem hat Michael Menzel durch viele, viele Fotografien den Bauzustand belegt, den er angetroffen hat und der den Abbruch des Dachs und der Westfassade notwendig gemacht hat.
Wegen horizontaler Risse an der Betonmauer und morschen Balken hätte die Westwand – die Wand zur Lauter hin – das Dach dauerhaft nicht tragen können. Das liegt zum einen an den heutigen Auflagen für mögliche Dachlasten, die nicht hätten eingehalten werden können. Zum anderen aber liegt es auch an der Auflage zur energieeffizienten Sanierung. Die notwendige Wärmedämmung hätte die Last auf die Außenwand noch zusätzlich verstärkt.
Außerdem ist dem Bauherrn auferlegt, zum Schutz der Stadt vor Hochwasser eine Schutzwand an der Westfassade zu bauen, aus wasserundurchlässigem Beton. Diese Wand soll selbst einem Hochwasser standhalten können, das statistisch nur ein Mal alle hundert Jahre zu erwarten ist. Auf einem derart schwachen Fundament, wie er es vorgefunden habe, lasse sich eine solche Wand aber nicht errichten, betont Michael Menzel dem Teckboten gegenüber: „Da weigert sich jeder Statiker.“
Das Dach wiederum stand nicht nur wegen der wegfallenden Westwand zur Debatte. Seine Sparren waren ebenfalls nicht mehr zu halten. Allesamt waren sie beidseits durch Bretter verstärkt – ein Zustand, der nach einer Sanierung behoben, nicht verstärkt sein sollte. Als Glück, das nicht selbstverständlich sei, wertete Michael Menzel zudem die Tatsache, dass das Fachwerk des Südgiebels nicht eingefallen sei, als die Westwand entfernt wurde.
Was somit vom „großen Haus“, also dem hinteren, größeren Teil des Gebäudeensembles, noch übriggeblieben ist, das sind eben der Südgiebel und die Ostwand, die zur Gerberstraße hin gelegen ist. An diesen beiden Wänden waren aber trotzdem die Gefache zu entfernen, und zwar aus mehreren Gründen, wie Michael Menzel betont. So könne man das Fachwerk nur sanieren, wenn man von allen Seiten an die Balken herankommt. Das Material der Gefache war außerdem sehr unterschiedlich, in schlechtem Zustand und hätte ohnehin ausgetauscht werden müssen. Nicht zuletzt wäre die komplette Wand auch wesentlich windanfälliger gewesen als das bloße Fachwerkgerippe. Vielleicht hätten die Wände schon den Ausläufern des Sturmtiefs „Xaver“ nicht mehr standgehalten.
Was Michael Menzel durchaus einräumt, das ist die Tatsache, dass die Bruckmühle derzeit einen schlechten Eindruck auf Passanten hinterlassen könne. Allerdings hat er dafür eine Erklärung: „Durch die notwendige und temporäre Entfernung der großen und dominanten Dachfläche erscheint das Maß des vorübergehenden Abbruchs augenscheinlich größer als tatsächlich gegeben.“ Er halte aber exakt an seiner Planung fest und werde das Gebäude so wieder herstellen, wie es gedacht war. Und eines steht für ihn schon fest: „Die Flussplanung ist großartig. Wenn alles fertig ist, gibt das eine tolle Ensemblewirkung, auch mit dem Gebäude gegenüber. In einem Jahr werden alle begeistert auf der Brücke stehen und sich das anschauen.“
Bis es aber so weit ist, geht es erst einmal darum, die Stadtverwaltung und den Gemeinderat von dieser Aussicht zu überzeugen. Eine Rückabwicklung des Kaufvertrags ist übrigens aus rechtlichen Gründen ziemlich unwahrscheinlich. Das sagt auch Bürgermeister Günter Riemer: „Wir haben ja schon über 200 000 Euro Zuschuss ans Land zurückgezahlt.“ Diesen Zuschuss hatte die Stadt für den Kauf der Bruckmühle erhalten, um die ursprüngliche Renaturierungsplanung umzusetzen. Trotzdem sind aus Sicht des Bürgermeisters noch „ein paar Dinge zu klären“, bevor eine Baufreigabe erteilt werden könne.