Dettinger Ratsgremium stellt auch die Frage einer Lückensignalisierung zunächst zurück
Abkehr von der Idee eines Kreisels

Die für Verkehrsprobleme gern eingesetzte „Wunderwaffe“ Kreisverkehr kommt in der Kirchheimer Straße in Dettingen nicht zum Zug. Wie Untersuchungen zeigten, würde sich die derzeitige Situation in der Kirchheimer Straße mit einem Kreisel eher verschlechtern.

Dettingen. Beim Blick auf die für Dettingen städtebaulich ungemein bedeutsame Einmündung im Bereich Kirchheimer Straße und Querspange B

 465 kam Diplom-Ingenieur

Dieter H. Stahl vom Büro Stahl und Partner in Ludwigsburg in jüngster Sitzung zunächst geradezu ins Schwärmen. Von den räumlichen Voraussetzungen her hält er einen den Auftakt des Ortskerns markierenden Kreisverkehr grundsätzlich für eine „wunderbare Sache“. Im konkreten Fall gibt es aber einen entscheidenden Haken: Verkehrszählungen hatten klar bestätigt, dass es im Bereich der Querspange in Spitzenzeiten immer wieder zu Rückstaus kommt.

Ein mit einem Durchmesser von 26 Metern hier grundsätzlich machbarer Kreisel der „Qualitätsstufe A“ hätte laut Bürgermeister Rainer Hauß

­mann an dieser neuralgischen Stelle tatsächlich „nicht nur keinen Vorteil“ gegenüber der aktuellen Situation, sondern bringe zudem „einen klaren Nachteil“ mit sich: Der schon jetzt immer wieder kurzzeitig an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit kommende und ohnehin knapp bemessene Stauraum würde durch einen aus städtebaulicher Sicht durchaus zu begrüßenden Kreisel um weitere 15 Meter verkürzt. Genau damit würde das Kapazitätsproblem aber nicht gelöst, sondern im Gegenteil eindeutig verschärft.

Ist es trotz Staubildung auf den Linksabbiegerspuren normalerweise uneingeschränkt möglich, die Einmündung im Geradeausverkehr zu passieren oder aber von der B 465 kommend nach rechts ins Industriegebiet abzubiegen, wäre das bei einem Kreisel nicht mehr möglich.

Nachdem der Hoffnungsträger Kreisverkehr in seiner Leistungsfähigkeit deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, konnten sich die Ratsmitglieder auch nicht für die vom Planer vorgeschlagene Alternative einer sogenannten „Lückensignalisierungsanlage“ erwärmen. In den Belag der Querspange eingebrachte Schleifendetektoren könnten in Spitzenzeiten dafür sorgen, ein Abfließen des Verkehrs zu ermöglichen und in den Zufahrten keine Überstauungen zuzulassen.

Die Schleifendetektoren sind dabei so angelegt, dass ein im kritischen Bereich am Ende der Querspange zur B 465 stehendes oder in ein in Richtung Kirchheimer Straße die Anforderungsschleife überfahrendes Auto einen Impuls auslöst, der die Ampelanlage in Betrieb setzt, um für einen gesteuerten Ablauf des Verkehrs vor einer möglichen Staubildung zu sorgen. Möglich wäre auch, den Linksabbiegeverkehr an der Einmündung in die B 465 zweispurig zu gestalten und dadurch zusätzlich einen rascheren Durchlauf zu erreichen, der sich allerdings verlangsamend auf die bisherige Rechtsabbiegespur auswirken würde.

Aufgrund der Berechnungen, die auf am Donnerstag, 24. März, in den maßgebenden Zeitbereichen von 6.30 bis 8.30 und von 16.30 bis 18.30 Uhr erhobenen Daten basieren, prog­nostizierte Diplom-Ingenieur Dieter H. Stahl, dass die nur im Bedarfsfall angerufene Ampelanlage rund um die Uhr nur innerhalb der Spitzenzeiten und daher nicht mehr als etwa zwei oder zweieinhalb Stunden täglich in Betrieb wäre. Die Kosten einer solchen Lückensignalisierungsanlage gab er mit „maximal 40 000 Euro“ an.

Bedenken äußerten die Gremiumsmitglieder vor allem im Blick auf die Folgekosten der Maßnahme, deren Förderfähigkeit nach dem Landessanierungsprogramm eher fraglich erscheint, abschließend aber erst beantwortet werden kann, wenn der genaue Umfang der Maßnahme feststeht.

Relativ genau beziffert werden konnte dagegen der Umfang der im Bereich der Querspange erforderlichen Straßensanierungsarbeiten. Für die eine Fläche von rund 2 500 Quadratmetern betreffende und nach Empfehlung des Experten möglichst innerhalb der nächsten drei Jahre durchzuführenden Sanierungsmaßnahmen nannte Diplom-Ingenieur Siegbert Spies vom Büro Hettler und Partner einen „All Inclusive-Preis“ in Höhe von rund 110 000 Euro. Darin eingeschlossen ist das erforderliche Auffräsen in bislang noch nicht genau festlegbarer Tiefe, das Instandsetzen der Schächte, neue Beläge und eine neue Fahrbahnmarkierung.

Einstimmig votierten die Gremiumsmitglieder dann dafür, den Gedanken eines Kreisverkehrs endgültig zu Grabe zu tragen und auch das Thema einer Lückensignalanlage so lange zurückzustellen, bis eine Stellungnahme der Verkehrskommission zu möglichen Auswirkungen einer doppelten Linksabbiegerspur in die B 465 vorliegt. Das Thema Unterhaltungsmaßnahmen soll im Rahmen der anstehenden nächsten Haushaltsberatungen erneut aufgerufen und entschieden werden.