Kirchheim. Welch schöner Zufall: Am Tag des Austausch-Abschluss
konzerts feierte sie ihren 15. Geburtstag, die blonde Flötistin aus der Up Holland High School Band – das vielstimmige Happy-Birthday-Ständchen blieb nicht aus – und just in diesem Jahr schaut eben dieser
Gunthild Arnold
Austausch, der aus dem kulturellen Leben des Ludwig-Uhland-Gymnasiums (LUG) und der High School nicht mehr wegzudenken ist, auf fünfzehn Jahre seines Bestehens zurück. Über tausend englische und deutsche Schüler haben seit 1996 an ihm teilgenommen, zahlreiche Freundschaften wurden geknüpft und gepflegt, man hat miteinander musiziert, gesprochen, gelacht und so einiges unternommen.
Getragen wird der Austausch nicht nur von den jungen Leuten, sondern von zahlreichen Gastfamilien, vor allem aber von den beiden Bandleadern, Alistair Roberts aus Up Holland und Walter Pech vom LUG. Ihrer Freundschaft, ihrem unermüdlichen Organisationstalent, ihren musikalischen Impulsen und ihrer Motivationsfähigkeit ist die alljährliche Begegnung über die Grenzen hinweg in erster Linie zu verdanken.
In diesem Jahr hatte man es gewagt, die britischen Gäste statt im Juli im wetterwendischen April einzuladen – und die zuständigen himmlischen Stellen bescherten erstklassiges Geburtstagswetter, so recht geeignet für Open-air-Konzerte, Grillpart
ys unter blühenden Bäumen und einen Tagesausflug zu den Sehenswürdigkeiten der Alb. Den Höhepunkt bildete wie immer das Abschlusskonzert der Gäste, diesmal nicht in der Waldorfschule, sondern im neuen Musiksaal des LUG, der mit dieser Großveranstaltung eine weitere Bewährungsprobe bestand. Neu und sehr gelungen auch das Pausenintermezzo mit der Combo des LUG unter ihrem neuen Leiter Daniel Bucher, die mit Jazz vom Feinsten aufhorchen ließ.
Ansonsten ging es an diesem Abend wie immer „very british“ zu mit den beiden Nationalhymnen, mit der unvergleichlich charmanten Conférence des Mister Roberts und vor allem mit viel fetzig gespielter Musik der engagiert auftretenden jungen Musiker aus Up Holland. Schon im einleitenden „Pretty Woman“ heizte der Schlagzeuger seinen Kollegen kräftig ein, und er blieb das fast zweistündige Programm hindurch eine unbeirrbare Stütze der Band, hellwach bis zum letzen Schlag. Sonor und sehr sicher die Trompetensection, die in „ A Chorus-Line“ geradezu broadwaymäßig daherkam, immer präsent die Bässe – unter der präzisen und wohltuend unprätentiösen Leitung von Alistair Roberts zeigte die Band das ganze Spektrum ihres Könnens und ihres großen Repertoires.
Das reicht von traditioneller englischer Musik („Newcastle-March“) über etliche in süffigem Breitwand-Sound gespielte Titel aus dem Bereich der Filmmusik bis zur „Schönen blauen Donau“, vom italienischen Schlager („La Paloma Bianca“) bis zum fetzigen Elvis-Song, nicht zu vergessen die unverzichtbaren „Instant Concerts“ als absolute Favoriten der Gäste. Da jagt man in Minutenschnelle und in atemberaubendem Tempo kreuz und quer durch alle Sparten und Arten von Musik und erwischt im Vorübersausen auch schon mal Richard Wagner.
Begeisterter Beifall des Publikums, Zugaben, Dankesworte, Gastgeschenke, noch eine Zugabe und natürlich, bei allem Abschiedsschmerz, große Vorfreude auf das Wiedersehen im Sommer 2012.
