Kirchheim. Im Vorfeld hatten unterschiedliche Ansichten für Aufregung gesorgt. Kirchheim hatte in seiner Funktion als erfüllende Gemeinde darauf hingewiesen, dass Dettingens Baugebietswünsche über die Dimensionen hinausgingen, die dem Ort via Regionalplan zugebilligt würden.
Stadtplaner Gernot Pohl listete in der Sitzung nochmals kurz die Argumente der Stadt auf. So sei Dettingen eine „Gemeinde mit Eigenentwicklung“. Von Zuwanderung dürfe nicht ausgegangen werden. Vielmehr sei mit einem Bevölkerungsrückgang von zehn Prozent bis 2030 zu rechnen. Schon jetzt sei das Gros der Bauanträge im jüngsten Neubaugebiet Goldmorgen von Nicht-Dettingern gestellt worden. Über die Hälfte der Bautätigkeit der Gemeinde in den vergangenen zehn Jahren sei zudem bereits am Siedlungsrand erfolgt, obwohl Baulücken existierten. Pohl wies außerdem darauf hin, dass bislang immer eine Kompensation für neue Baugebietsausweisungen im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft erfolgt sei.
Was die Aufgabe einer erfüllenden Gemeinde sei, darüber herrschten offenbar unterschiedliche Meinungen, fasste Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker abschließend die Situation zusammen. Dennoch bekannte sie sich klar zum Sinn der Verwaltungsgemeinschaft und betonte: „Wir wollen uns nicht vom gemeinsamen Weg verabschieden, den wir seit 34 Jahren zusammen gehen.“
„Die Würfel sind für heute gefallen“, signalisierte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann, dass eine Vertiefung des Themas nicht notwendig sei. Er begrüßte, dass der Dettinger Antrag nach Vorbesprechungen in den Gemeinderäten von Notzingen und Kirchheim mit der Enthaltung der Kirchheimer und der Zustimmung der Notzinger zum Verfahren zugelassen werden solle. So könne der Verband Region Stuttgart nun in die sachliche Prüfung einsteigen.
Abschließend wies der Bürgermeister aber doch noch auf die „drei häufigsten Irrtümer“ hin, die in dieser Sache diskutiert würden: So seien leer stehende Gebäude irrelevant für die Bedarfsberechnung des Regierungspräsidiums. Auch wer ein Grundstück kaufe – Einheimischer oder Fremder – werde nicht berücksichtigt. Schließlich sei die Flächenkompensation vielleicht eine Gepflogenheit, aber nicht im Regionalplan verankert. Mit Blick auf die Kirchheimer Berechnungen merkte Haußmann an, Freiflächen seien nicht per se Baulücken. Überdies sollte man über eine Fortschreibung des nunmehr 20 Jahre alten Flächennutzungsplanes nachdenken.
Ehe die Abstimmung ihren erwarteten Verlauf nahm, ergänzte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker, dass die Zukunft zeigen werde, wer den Regionalplan richtig gelesen habe. Die von Kirchheim angeregte Flächenkompensation durch Herausnahme des Baugebiets Guckenrain-Süd wurde abgelehnt und ist somit nicht mehr Inhalt des Aufstellungsbeschlusses.
