Lenningen. Zu „Parallelwelten – Malerei und Fotografie“ von Frauke Siemsglüß laden der Förderkreis und die Gemeindebücherei ins Oberlenninger Schlössle ein. Die
kunstschaffende Verwaltungsangestellte lebt und arbeitet in und für die Gemeinde Lenningen. Ihre freie Zeit widmet sie mit gestalterischem Talent den Themen von Nacht und Morgenlicht, Gestern und Zukunft, Abschied und Lebenswillen. Sie schreibt zum Titel: „Ich versuche, Malerei und Fotografie auf neue Art und Weise zu verbinden. Themenkreise sind unter anderem die Zeit und das Seelenleben, das Leben der Seele.“
Einen neuen Blick wirft Frauke Siemsglüß auf scheinbar unscheinbare Objekte, nimmt sie wahr, zerlegt sie im Kaleidoskop ihrer Fantasie. Jede Bildcollage bringt ihre eigene Kraft mit, jedes Bild hat eine eigene Geschichte. Es sind oft Hintergrundgeschichten, zu deren existenziellen Themen mancher Titel führt: „Tall dark stranger – Land ohne Wiederkehr – Alles ist mit allem verbunden – Zum Licht“. Parallel laufen Malerei und Fotografie wie auf einem Geleise in die Abstraktion, in die Loslösung vom Gegenständlichen. Kann man darauf einen rationalen Zugriff haben? Den verschweigen die „Parallelwelten“, diese Wege in die Seelenlandschaften.
Die Akkordeonklänge von Horst Henning-Schlosser verliehen der Bilderwelt einen musikalischen Rahmen; sie begleiteten das gemeinsame Singen vom Jahr, „wenn es Träubele schneit“ und „mit uns geht die Zeit“. Roslyn Börner-Trux, Fotografin aus Donaueschingen, widmete bei der Vernissage den Malerei-Fotografien-Collagen von Frauke Siemsglüß behutsame Deutungen: „Das ist ihre Arbeitsweise: Sie verwebt Mythen, Dichtung, Symbole und Erinnerungen aus der Zeit vor und nach ihrer Krankheit, sie lebt in ihren Bildern.“
Frauke Siemsglüß malt für die Seele Landschaften: Manchmal leuchtet hellstes Löwenzahn-Zitron auf, kostbar und bahnbrechend; glutrot flammen grobflächige Pinselstriche; herbstrostfarbene Blätter lassen ein Jahr zur Neige gehen; nebelgrau verhüllen sich Gärten mit Heilkräutern; verschlüsselt sind Wanderungen zu Albfelsen – Weitblicken. Es sind bewegende Erfahrungen. Die Unschärfe, der Makroblick der Kameralinse spielt sichtbar mit dem Unsichtbaren. Frauke Siemsglüß’ Bilder haben ausdrucksstarke Farben und kraftvolle Formen. Zuweilen blitzen Verspieltheit und Selbstironie auf: „Hang down your head, Tom Dooley“, ganz im Sinne von „Time out of mind“. Zart sind einige Aquarelle ihrer Kalenderblätter in der Kabinettvitrine.
Ev Dörsam, Lenningens Bücherei- und Museumsleiterin, entließ die Vernissage-Gäste mit Gottfried Kellers Gedicht „Augen, meine lieben Fensterlein . . ., lasset freundlich Bild um Bild herein“.
Die Ausstellung ist ein „Bilderbuch“, in dem man Arkana herauslesen mag, ein Buch, das viele Seiten hat und dem man sich von vielen Seiten nähern kann. Wer sich auf die abstrakte Bildersprache einlässt und vertraut macht mit diesen Parallelwelten, kann für Augenblicke die mathematische Definition vergessen, dass Parallelen sich im Unendlichen schneiden. Bis zum 19. Juni berühren sich die „Parallelwelten“ von Frauke Siemsglüß in den Räumen der Gemeindebücherei Lenningen. Sie hat geöffnet dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19.30 Uhr, und samstags von 10 bis 12 Uhr.
