New York. „National Model United Nations Conference (NMUN)“ ist die größte studentische Simulation der Arbeit der Vereinten Nationen (UN). 5 000 Studenten aus aller Herren Länder nehmen daran teil. In zwei luxuriösen Hotels, dem Marriott Hotel direkt am Times Square und dem Sheraton, kommen die verschiedensten Kulturen zusammen. Man diskutiert, feiert zusammen und es entstehen neue Freundschaften – beispielsweise mit jungen Menschen aus Texas, Costa Rica, Indien, Frankreich oder Australien.
Ich bin auch mit dabei, als Delegierte der Universität Tübingen, die in diesem Jahr das Land Argentinien vertritt. Das gesamte Wintersemester 2010/2011 bereitet man sich auf dieses Planspiel vor und lernt, wie man freie Reden auf Englisch hält, UN-Resolutionen schreibt und selbst in hitzigen Diskussionen oder bei Beleidigungen höfliche Diplomatie betreibt. Ingvild Bode, eine Doktorandin am Institut für Politikwissenschaft, betreut die Tübinger Delegation, die aus 23 Studenten verschiedenster Studienfächer wie Jura, Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaften, besteht.
Bereits im Vorfeld konnte man sich aussuchen, in welchem Komitee man sein wollte. Ich wählte das Komitee „Nonproliferation Treaty“, also Nichtverbreitung von Atomwaffen, aus. Um genau einzuüben, welche Floskeln man bei der UN verwendet und wie die Abstimmungsabläufe funktionieren, gab es sowohl eine Hohenheimer Conference Model United Nations im vergangenen Januar, als auch eine Tübinger Model United Nations im Februar, bei der zusammen mit Hohenheimer und Heidelberger Studenten und Studentinnen im Kleinen für einen Tag die Repräsentation verschiedener Länder geübt wurde. In New York waren die Sitzungen jedoch um einiges anstrengender. So musste ich beispielsweise die anderen 190 Delegationen in 90 Sekunden überzeugen, warum der Punkt „Nukleare Sicherheit als vierte Säule des Nonproliferation Treaty“ am wichtigsten sei. Am Ende wurde das „final document“, das beispielsweise bessere Transportkontrollmechanismen der Atomwaffen, eine nuklearwaffenfreie Zone in Zentralasien, erweiterte Kompetenzen für die IAEA (Internationale Atombehörde) und eine friedliche Nutzung der Atomenergie beinhaltete, mit einer knappen Zweidrittelmehrheit beschlossen.
„Nach den Verhandlungen, die manchmal bis Mitternacht dauern, weiß man, wie schwierig es ist, für alle 192 UN-Mitgliedsländer eine Lösung zu finden“, sagt Ingvild Bode, die bereits zum dritten Mal die Tübinger Delegation nach New York begleitet. Da uns die Aufgabe zugewiesen wurde, Argentinien zu vertreten, haben wir im Seminar viel über dieses südamerikanische Land erfahren und fuhren Ende Februar nach Genf, um verschiedene UN-Institutionen zu besuchen.
Mehr Infos gibt es online unter www.nmun-tuebingen.de oder www.nmun.org
