Der 1955 erbaute Oberlenninger Marktplatzbrunnen ist wieder zum Schmuckstück geworden
Am Brunnen auf dem Platze

„Es wird Frühling“, sagte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht am Samstag bei der offiziellen Übergabe des restaurierten Marktplatzbrunnens in Oberlenningen – und alle Besucher lachten. Schließlich herrschte dichtes Schneetreiben, und es blies ein eisiger Wind. Der Rathauschef sah die Sonne trotzdem scheinen – im übertragenen Sinne.

Lenningen. „Der Marktplatz ist wieder komplett“, freute sich Michael Schlecht. Die Initiative für die Brunnenrestaurierung war vom Team von „Rat und Tat“ ausgegangen. „Ohne diese Herren wäre das nicht möglich gewesen“, lobte der Bürgermeister.

Schlecht gab sein anfängliches Zögern offen zu: „Ich bin da immer etwas vorsichtig. Was kostet das? Doch die Herren haben mich absolut überzeugt, dass das ein Miteinander ist.“ Er habe sich zurücklehnen und das Projekt in die Hände von Werner Schulmeyer und Gottlieb Dangel geben können. Und er habe gewusst, dass es gut wird. „Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen.“

Schlecht forderte die Besucher auf, einmal mit der Hand über den an der Oberkante wunderbar geglätteten Steintrog aus Maulbronner Muschelkalk zu streichen. 10 000 Euro hat die Gemeinde in die Restaurierung investiert. Die Ehrenamtlichen von „Rat und Tat“, das Teil von „Unser Netz“ ist, brachten rund 500 Arbeitsstunden ein. Ansonsten wäre das Projekt laut Schlecht wohl doppelt so teuer geworden. „Wohl der Gemeinde, die solche Bürger hat“, sagte der Bürgermeister.

Eine große Runde dieser Bürger hatte sich zur Übergabe und Enthüllung des Brunnens versammelt. Der Liederkranz Oberlenningen eröffnete die Feier mit dem Lied „Am Brunnen vor dem Tore“. Der Förderverein Chronik Lenningen bot Rote Würste und – passend zum Wetter – Glühwein an. Im Rathaus war eine Bildergalerie mit Fotos von der Restaurierung zu sehen. Historische Fotos waren ebenfalls ausgestellt.

Der Marktplatzbrunnen, der mit Blumen geschmückt wie neu erstrahlte, wurde vom 1925 geborenen Bildhauer Ulrich Henn im Jahr 1955 erbaut. Damals kam Bundespräsident Theodor Heuss zur Firma Scheufelen, die 100 Jahre alt wurde. Anschließend wurde an dem Brunnen über 50 Jahre lang fast nichts mehr gerichtet. Die dicke Dreckschicht aus vielen Jahrzehnten hatte auch ihr Gutes: Sie diente als Schutz. „Wir waren froh, dass das Kupfer recht gut rausgekommen ist“, erzählte Schulmeyer. „Wir hatten einen Zustand wie Schweizer Käse befürchtet.“

Die Männer schliffen, säuerten und spülten die Kupferauskleidung, sie ergänzten sie auf der Innenseite des Brunnens mit einem breiten Kupferring. Nun steht das Wasser nicht mehr über die Kupferwanne hinaus und kann so nicht mehr am oberen Rand zur Außenseite durchdringen.

Bei ihrem Rückblick auf die aufwendige Restaurierung erzählten Schulmeyer und Dangel von einigen Hürden, die mühevoll überwunden wurden. Um den Brunnen vor Beschädigungen zu schützen, baute Wolfgang Frasch ein Stahlkorsett. Dessen Tragfähigkeit hatte Dangel zum Glück sehr großzügig kalkuliert. Bei einem Brunnengewicht von mehr als fünf Tonnen war jedoch beim Abtransport der Gemeindebagger überfordert. Die Firma Mall half mit einem Muldenabsetzkipper. Nach dem Transport zur Firma Dangel-Metall musste zuerst der Aufbau des Brunnens untersucht werden, denn dazu gab es keine Unterlagen. Ein großes Problem war die Betonfarbe, die der Außentrog irgendwann erhalten hatte. Sie war nur mit viel Geduld und einem Rotationsschleifer zu entfernen. Die Skulpturen wurden zur Restaurierung zur Kunstgießerei Strassacker in Süßen gebracht. Die Bronzefiguren sollten wieder wie im Original aussehen. Sie wurden in einem zweistündigen Prozess mit einer Patinierung versehen. Die beiden Fische bekamen neue Düsen.

Die erneute Aufstellung auf dem Marktplatz war Millimeterarbeit. Schulmeyer ist froh darüber, dass bei den manchmal schwierigen Restaurierungsarbeiten niemand verletzt wurde. Er ist dankbar für die Unterstützung vieler lokaler Firmen und den guten Kontakt zum Sohn des Künstlers. Dieser betreibt in Stuttgart eine Kunsthandlung, sein Vater lebt in der Eifel.

Das Team von „Rat und Tat“ wünscht sich, dass der Brunnen „Besuchern aus nah und fern möglichst viele Jahre lang Freude und Erfrischung spendet“. Es wünscht sich die Sensibilität und den Willen der Gemeindeverwaltung, das Schmuckstück zu pflegen und zu erhalten. Und vor allem hofft das Team, dass der Brunnen von Vandalismus, Verschmutzung und Zerstörung bewahrt bleibt.

„Es würde mich freuen, wenn wir weiter so miteinander arbeiten könnten“, sagte Schlecht zu den Ehrenamtlichen. Als Dank kündigte er ein gemeinsames Essen an. Bei hoffentlich schönem Wetter soll es im Sommer außerdem ein Brunnenfest geben.