Kirchheim. Jedes Jahr nutzen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger am Weihnachtsmorgen das Angebot der Kirchheimer Wirte, um sich in der Innenstadt auf die abendliche Bescherung einzustimmen. Vor allem die Marktstraße, vom Platz zwischen Rathaus und Gasthaus Bären bis hoch zum Alten Wachthaus, ist am Heiligen Morgen eine der beliebtesten Anlaufstellen, um das Weihnachtsfest mehr oder weniger gebührend mit Glühwein, Prosecco und Roter Wurst zu beginnen.
Wann genau es in Kirchheim damit anfing, lässt sich heute schwer sagen. Stadtrat, Stadtführer und Bastions-Sprachrohr Andreas Kenner zufolge könnte die Wiege des Heiligen Morgens in Kirchheim aber im Gasthaus Sonne gelegen haben: Die „Sonne“ an der Ecke Rossmarkt/Alleenring war schon zu Beginn der 70er-Jahre neben der Bastion so etwas wie der Mittelpunkt der Kirchheimer Kulturszene, vieles habe hier seinen Anfang genommen. „Schon damals hat man sich dort am Weihnachtsvormittag bei der Wirtsfamilie Avi aus Norditalien getroffen und verabredet – und wenn drinnen kein Platz mehr war, standen die Leute bis nach draußen“, erinnert sich Kenner. Auch er sei damals – noch ohne Frau und Kinder – gerne dort eingekehrt. Mit dem Abriss der Sonne vor 20 Jahren könnte die Tradition, sich in der Innenstadt auf ein Glas Glühwein zu verabreden, von vielen Kirchheimern einfach beibehalten worden sein.
„Wir machen das jetzt bestimmt schon seit 15 Jahren, ohne es groß zu bewerben, das hat sich einfach so entwickelt“, erklärt Bären-Wirt Michael Holz. „Das fing im kleinen Rahmen an und wurde dann nach und nach immer mehr“, bestätigt Daniel Rau vom Alten Wachthaus. Beide Wirte zählen den Heiligen Morgen mittlerweile mit zu den stärksten Geschäftstagen im Jahr. „Zwischen Weihnachten und Silvester besteht da ein großer Unterschied. Am Heiligen Vormittag ist oft bedeutend mehr Betrieb“, sagt Holz. „Da müssen wir uns auch personell darauf einstellen.“ Besonders groß sei die Freude unter den Gästen vor allem dann, wenn man hier noch mit alten Bekannten, Kollegen, Weihnachtsheimkehrern oder Freunden anstoßen kann, ehe der besinnliche Weihnachtsabend traditionell im Kreis der Familie verbracht wird. Von großen Weihnachts-Partys, wie es sie in der Vergangenheit in den Innenstädten von Esslingen und Göppingen gegeben hat, hält Michael Holz aber nicht viel. „Das ist mir persönlich dann doch zu viel Après-Ski und zu wenig Weihnachten. Das passt einfach nicht zusammen.“
Von derart ausufernden Ausschweifungen, wie es sie andernorts am Weihnachtsmorgen gibt, ist man in Kirchheim weit entfernt. „Der Heilige Morgen in der Innenstadt wird zwar von Jahr zu Jahr beliebter“, erklärt Christoph Lazecky, zuständig für das Sachgebiet Verkehr im Kirchheimer Ordnungsamt. „Es blieb bisher aber immer im vorgeschriebenen Rahmen.“ Neben alkoholfreien Getränken werde nur Glühwein, Wein, Bier und Prosecco ausgeschenkt – harter Alkohol ist verboten. Jedes Jahr ab 15 Uhr sei vorschriftsmäßig Schluss. Beschallungsverbote, wie es sie in den vergangenen Jahren in Esslingen und Göppingen gegeben hat, wurden hier nicht ausgesprochen – Probleme gebe es damit keine. Vereinzelt beklage sich vielleicht ein Einzelhändler darüber, dass der Zugang zu seinem Geschäft durch das Gedränge blockiert wird. Beanstandungen der Anlieger wegen beispielsweise Lärmbelästigung oder Betrunkenen gebe es hingegen kaum. „Es lief bisher immer in friedlichen, geordneten Bahnen, und so soll es auch bleiben. Wir versuchen, es auch in Zukunft nicht ausarten zu lassen.“
Auch die Polizei bescheinigt der Veranstaltung Friedlichkeit, trotz des vermehrten Alkoholkonsums werde in Kirchheim nicht über die Stränge geschlagen. Karl-Heinz Rapp, Mitarbeiter der Führungsgruppe im Polizeirevier Kirchheim, erklärt: „Uns sind aus den letzten Jahren keine Probleme mit dem Heiligen Morgen in der Innenstadt bekannt.“ Deshalb wird auch für heute erwartet, dass dem besinnlichen Heiligabend und der „stillen Nacht“ wieder ein ebenso friedvoller Vormittag vorausgeht.