Holzmadens Rathauschef ärgert sich über bürokratische Hürden bei Gemeindepartnerschaft
Amtsschimmel bremst Schüleraustausch

Der deutsch-französische Grundschul-Austausch zwischen Holzmaden und Connantre ist in die Mühlen der Bürokratie geraten. Holzmadens Bürgermeister Jürgen Riehle versucht nun, dagegen anzukämpfen.

Holzmaden. Seit Wochen fiebern die Holzmadener Dritt- und Viertklässler dem großen Ereignis entgegen: Vom 10. bis zum 13. Mai kommen wieder Schüler aus der französischen Partnergemeinde Connantre zum Austausch nach Holzmaden. Für einige Kinder, die sich schon auf einen französischen Gast in der Familie gefreut hatten, gab es nun aber eine schlechte Nachricht: Statt der angekündigten 34 Jungen und Mädchen sollen nur 19 Kinder nach Holzmaden kommen. Einige Familien gehen also „leer“ aus.

Traurig über diese Entwicklung sind nicht nur die betroffenen Schüler. Auch Holzmadens Bürgermeister Jürgen Riehle ist schwer enttäuscht. Insbesondere die Gründe für das Schrumpfen der französischen Reisegesellschaft von zwei Schulklassen auf eine lassen den Rathauschef den Kopf schütteln. „In Frankreich darf die Schulinspektion solche Reisen nur als Bildungsreisen akzeptieren, wenn 80 Prozent der Schüler einer Klasse teilnehmen“, so Riehle. Weil in einer Klasse aus Connantre – gemessen an der Prozentvorgabe – nicht genügend Kinder mit nach Holzmaden fahren dürfen, muss auch der Rest der Klasse zu Hause bleiben. So sieht es das französische Gesetz vor.

Damit möchte sich der Holzmadener Schultes aber nicht so einfach abfinden. „Dass im vereinigten Euro­pa ein deutsch-französischer Austausch an solchen bürokratischen Hürden scheitert, kann nicht sein“, ärgert sich Jürgen Riehle. Er verstehe gut, dass einige Eltern ihre erst neun- oder zehnjährigen Kinder nicht alleine nach Deutschland fahren lassen wollen. Das dürfe aber kein Grund sein, alle anderen auch am Kommen zu hindern. „Mein Ziel ist, dass der Rest der Klasse trotzdem nach Holzmaden kommen kann“, so Riehle.

In der Hoffnung auf Unterstützung hat sich Holzmadens Bürgermeister mit Briefen an das französische Konsulat in Stuttgart und an das Europäische Parlament gewandt. Dass sich bis Mai noch alles zum Guten wendet, scheint derzeit aber eher unwahrscheinlich. Das französische Konsulat in Stuttgart hat auf Anfrage des Teckboten mitgeteilt, den Brief weitergeleitet zu haben. Tun könne die Behörde selbst aber nichts. „Das sind gesetzliche Vorgaben, die in Frankreich gelten. Daran können wir auch nichts ändern“, teilte eine Konsulats-Sprecherin mit.

„Bisher ist immer alles glatt gelaufen“, blickt Heike Wannek, Leiterin der Grundschule in Holzmaden, auf Den Austausch 
gibt es seit zwei 
Jahrzehnten den problemlosen Ablauf des Schüleraustauschs in der Vergangenheit zurück. Seit zwei Jahrzehnten gibt es den Grundschul-Austausch zwischen Holzmaden und seiner Partnergemeinde in der französischen Champagne. Alle zwei Jahre fahren Dritt- und Viertklässler aus Holzmaden nach Connantre, in den Jahren dazwischen kommen Schulkinder aus der Champagne in die Urweltgemeinde.

Heike Wannek bedauert zwar sehr, dass der Austausch nun wohl in einem kleineren Rahmen als erwartet stattfindet. „Drausbringen lassen wir uns aber nicht“, betont sie. Das Programm für die Austauschschüler stehe und werde stattfinden wie geplant. Vorgesehen sind unter anderem ein Spieleabend, der Besuch des Urwelt-Museums Hauff und des Urweltsteinbruchs Fischer, eine Fahrt ins Freilichtmuseum nach Beuren und die Besichtigung des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart.