Dettingen. Für gewöhnlich ist der Punkt „Bürgerfragestunde“ im Dettinger Gemeinderat mangels „Nachfrage“ schnell abgehandelt. Doch in der vergangenen Sitzung waren die Besucherstühle besetzt, und einige Anwohner der Aylenstraße nutzten die Gunst der Stunde, um ihrem Ärger Luft zu machen.
Stein des Anstoßes war die Gemeinderatsitzung am 10. Dezember vergangenen Jahres. Damals hatte sich das Gremium beim Ausbau der Aylenstraße für Granitrandsteine aus Europa entschlossen. Beton war für die Räte kein Thema, da dieser nicht so witterungsbeständig und langlebig sei wie Granit. Außerdem sprach man sich im Ratsrund aus moralischen Gründen gegen Granitstein aus China aus, der aus Kinderarbeit stammen könne.
Die Gesamtkosten für den Ausbau der Aylenstraße würden bei der Betonrandstein-Variante bei voraussichtlich 240 500 Euro liegen; beim Granitstein aus China fielen 245 000 und beim Granitstein aus Europa 252 000 Euro an. Von diesen Kosten übernimmt der Investor des Berger-Areals, Wohnbau Birkenmaier, 40 000 Euro. Vom Rest müssen die 26 betroffenen Haushalte der Aylenstraße über Erschließungsbeiträge den Großteil, nämlich insgesamt 95 Prozent, übernehmen. Fünf Prozent Restkosten verbleiben bei der Gemeinde.
Wie viel Geld dabei auf jeden einzelnen Haushalt entfällt, richtet sich nach der Grundstücksgröße und der Geschossflächenzahl, informierte Kämmerer Jörg Neubauer gegenüber dem Teckboten. „Außerdem ist es auch davon abhängig, ob es sich um ein Eckgrundstück handelt.“ In diesem Fall müsse nur die Hälfte der Erschließungsbeiträge bezahlt werden.
Die Anlieger ärgern sich nun darüber, dass sich der Gemeinderat für die teuerste der drei Varianten ausgesprochen hatte. In den vergangenen Wochen sammelten sie Unterschriften und forderten die Verwaltung und die Räte geschlossen dazu auf, ihren Beschluss zu revidieren und Betonrandsteine in Auftrag zu geben. „Wir hoffen, dass es auf einem guten und fairen Weg möglich ist, die Entscheidung des Gemeinderats noch zu ändern“, sagte ein Anlieger in der Sitzung am Montagabend. „Denn bei der Infoveranstaltung im Oktober 2012 ist uns versprochen worden, dass man den günstigsten Ausbaustandard wählt.“
Das wollte Bürgermeister Rainer Haußmann so nicht stehen lassen: Er hätte sich zum Thema Randstein damals überhaupt nicht geäußert – geschweige denn etwas versprochen. Der Gemeinderat sei zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht über die unterschiedlichen Varianten informiert gewesen. „Und er ist Herr des Verfahrens. Das war jedem klar“, betonte der Rathauschef. Man habe die Infoveranstaltung nur deshalb so früh angesetzt, um die Anlieger baldmöglichst darüber zu informieren, dass Kosten auf sie zukommen. „Aber über die genaue Höhe der Kosten wussten Sie damals doch noch gar nicht Bescheid“, ging ein Anwohner den Bürgermeister an. „Man braucht doch keine Infoveranstaltung machen, wenn man noch gar nicht weiß, was genau kommen soll.“
Haußmann erklärte anschließend, dass der Gemeinderat erneut über das Thema beraten könne, wenn neue Erkenntnisse vorliegen. Dabei gebe es eine Möglichkeit: Die Verwaltung hat nochmals intensiv recherchiert und ist auf die beiden Siegel „Fair Stone“ und „Xertifix“ gestoßen. Über diese Gütesiegel sei es auch denkbar, Granit aus Asien zu kaufen. Hier würden in Bezug auf Kinderarbeit Kontrollen vor Ort stattfinden, sagte der Bürgermeister.
Doch auch damit wollten sich die Anlieger nicht zufrieden geben: „Warum will man überhaupt Granit? Wieso nimmt man nicht heimischen Betonrandstein?“, sagte ein Anwohner. Es könne nicht angehen, dass „man das Geld so rauswirft“.
Davon könne beim Ausbau der Aylenstraße überhaupt keine Rede sein, entgegnete Haußmann. Es handle sich um einen einfachen Ausbaustandard mit nur einem Gehweg, keinem einzigen Baum und keinem Pflanzbeet. Und dass 40 000 Euro von Wohnbau Birkenmaier übernommen werden, „gibt es sonst auch nicht“.
„Wir sollten das Thema bei der nächsten Gemeinderatssitzung nochmals auf die Tagesordnung nehmen“, sagte schließlich Dr. Werner Hack von der Freien Wählergemeinschaft (FWG). „Wenn alle Anlieger geschlossen hinter dem Betonrandstein stehen, dann kann ich meinen Beschluss revidieren“, meinte auch Bärbel Weinacht (FWG). Und auch die anderen Gemeinderäte plädierten dafür, in der Sitzung am Montag, 28. Januar, erneut über das Thema zu diskutieren. „Das Ergebnis müssen Sie dann aber akzeptieren“, sagte der Bürgermeister abschließend zu den Anliegern.
