Dettingen. Mit fröhlichen Rhythmen eröffnete die Jugendkapelle unter Leitung von Horst Kiedaisch den Abend. Die musikalische Entwicklung seit dem Neuanfang 2011 ist erstaunlich, und das Publikum belohnte den Beitrag mit lang anhaltendem Applaus.
Als sich der Vorhang zum ersten Stück der Stammkapelle öffnete, lag bereits ein Knistern in der Luft. Dirigent Slawa Chumachenka hatte mit der Ouvertüre „Ross Roy“ ein starkes Stück ausgewählt, das seine Wirkung nicht verfehlte. Das Stück, das von den Werten erzählt, die eine Gesellschaft und die Geschichte prägen, verbunden mit der Leichtigkeit und Unbekümmertheit der Jugend, bis hin zum tiefen Verwurzeltsein in der Tradition, erzielte beim Publikum tosenden Beifall.
So setzten die Musiker eine würdige Reminiszenz an die 90-jährige Geschichte des Musikvereins. Die große Vielfalt der ausgewählten Stücke ließ beim Publikum keinen Wunsch offen. Begeisternde Soloparts im „Watermelon Man“ von Herbie Hancock setzten Katharina Maier am Tenorsaxofon und Alexander Kiedaisch an der Trompete um.
Verbandsdirigent Michael Unger ehrte Alexandra Friederich und Melanie John für zehnjähriges aktives Musizieren. Vonseiten des Vereins wurden Reinhold Breier und Hermann Klopp für 30-jährige Mitgliedschaft sowie Gerhard Horst für 50 Jahre als förderndes Mitglied geehrt.
Mit dem Traditionsmarsch „Die Regimentskinder“ von Julius Fucik ging das Konzert in den unterhaltsamen Teil über. Dabei konnte sich Corinna Lang mit dem Solostück „Der alte Schäfer“ gekonnt in Szene setzen. Dem stand im Anschluss das Tenorhornregister in nichts nach. Die „Schlawiner-Polka“ war den Dreien wie auf den Leib geschnitten. Mit der „Tritsch-Tratsch-Polka“ im James-Last-Stil endete das Konzert der Stammkapelle, die mit dem Stück „Zugabe“ noch einen besonderen Schlusspunkt setzte.
Seit vielen Jahren ist die Theatergruppe des Musikvereins ein Juwel. Mit dem Stück „Ein Engel auf Bewährung“ gelang es der Theaterleiterin Gitte Hayler die hervorragende Stimmung noch einmal zu überbieten. Die witzige Geschichte eines versehentlich zu früh abberufenen Ehemannes, der auf die Erde zurück durfte, um das wieder gutzumachen, was er im Leben nicht hinbekam, wurde von Bernd Mußler mit viel Witz verkörpert. Seine trauernde Witwe, gespielt von Vroni Brodbeck, fühlte sich zwischen Himmel und Hölle. Der Schuldscheinbesitzer in Gestalt von Walter Bauer, der am Ende seine große Liebe fand, erlöste die Witwe schließlich. In der Rolle der erbfreudigen Schwester des Verstorbenen setzte sich Nicole Holder bestens in Szene. Natürlich fehlte auch nicht das jugendliche Paar, das sich mit Stefanie Dettinger und Patrick Bauer in zwei gekonnten Rollen in Szene setzte. Dabei stand besonders der in einer Nacht gehäkelte Tanga im Blickpunkt der Begierde.
Der trinkfreudige Opa, den Wolfgang Müller verkörperte, wurde am Ende Opfer seines Gewissens und warf sich der für ihre Dampfnudeln berühmten Oma Magda in die Arme. Hier brillierte bereits zum 30. Mal Gitte Hayler.
Der Dettinger Musikverein konnte mit der Veranstaltung beweisen, dass gute Unterhaltung nicht die Konkurrenz des Fernsehens zu fürchten braucht. Weil die Mischung aus Anspruch, Qualität und Fröhlichkeit stimmte, wird das Publikum gerne wiederkommen.sz
