Lenningen. Seit Januar 2010 müssen die Bauhofmitarbeiter nicht nur Schnee schippen, Hecken schneiden oder Rasen mähen, sondern auch akribisch, auf die Viertelstunde genau Tagesrapportzettel ausfüllen. „Das ist nicht bei allen auf Gegenliebe gestoßen, denn die ganze Sache hat einen Umfang angenommen, der so nicht gedacht war“, erklärte Karl-Heinz Griesinger dem Gemeinderat während dessen jüngster Sitzung. Zuerst mussten sich alle durch einen Ordner von Kennzahlen wühlen, denn jede Tätigkeit hat ihren eigenen Code, außerdem wird zwischen Dauer- und Einzelauftrag unterschieden. Dieses Verhältnis ist allerdings eindeutig: 93 Prozent der Arbeiten sind Daueraufträge. Deshalb weiß mittlerweile jeder die Nummern der gängigsten Arbeiten auswendig und das Ausfüllen der Zettel hat den größten Schrecken verloren.
Jetzt ist die Verwaltung gefordert. Sieben Ordner umfassen die Daten, die eine Teilzeitkraft seit der Einführung erfasst hat. „Man kann sich schon fragen, ob sich dieser Riesenaufwand lohnt. Aber einmal müssen wir jeden einzelnen Schritt aufschreiben, um erkennen zu können, was sich zusammenfassen lässt“, begründete Bürgermeister Michael Schlecht den Schritt. Er erhofft sich die Erkenntnis, wie am rationellsten gearbeitet werden kann. Dazu zähle auch interne Kontrolle und die genaue Überprüfung, was der Bauhof noch unentgeltlich leisten muss. „Wie viel Leistung können wir uns noch leisten?“, stellt sich ihm die Frage.
Nicht nur Armin Diez war über die detaillierte Erfassung überrascht. Er hofft, dass in Zukunft der Nutzen größer als der Aufwand ist. „Wir wollen uns nicht selbst verwalten, aber die Erstaufnahme muss dezidiert sein“, verteidigte Michael Schlecht die umfangreiche Datensammlung. Seine Erwartungen sind klar: die optimale Einsetzung von Personal, Geräten und Maschinen, sprich optimales Arbeiten mit den vorhandenen Ressourcen. Doch allen müsse klar sein, dass das vielfältige Betätigungsfeld des Bauhofs nur Schritt für Schritt verändert werden könne. Die größten Kosten sind schon jetzt ersichtlich. So schlagen beispielsweise die Kindergärten mit etwa 36 000 Euro zu Buche, das Wasserleitungsnetz einschließlich Rohrbrüche mit rund 84 000 Euro und der Winterdienst mit stolzen 188 000 Euro im Haushaltsjahr.
Die erste Bewährungsprobe hat das EDV-System schon hinter sich. Karl-Heinz Griesinger stellte auch gleich den Pflegeplan für alle Grün- und Spielflächen Lenningens vor. Allein hier zeigt sich das vielfältige Aufgabenfeld der Bauhofmitarbeiter: beispielsweise Gräben oder Böschungen ausmähen, Obstbäume pflegen, Beete bepflanzen, Pflasterwege mit dem Fadenmäher abfahren – und Christbäume auswählen, fällen, aufstellen, mit Beleuchtung schmücken und später alles wieder abbauen und entsorgen.
„Wir bekommen immer mehr Kontrollarbeiten vonseiten des Gesetzgebers übertragen“, nannte der Tiefbauamtsleiter ein immer größer werdendes Arbeitsgebiet. Etwa 120 Stunden sind es jährlich für die Kontrolle von Straßen und etwa viereinhalb Stunden pro Woche für Spielplätze. „Das ist unproduktiv, muss aber gemacht werden“, so Karl-Heinz Griesinger.
Beeindruckt von der umfassenden Aufstellung der Bauhoftätigkeiten zeigte sich Georg Zwingmann. Er findet es gut, dass den Mitarbeitern feste Arbeiten zugeordnet werden. „Die Kontrollen sind gut und notwendig, auch wenn sie unproduktiv sind. So sieht man schnell, ob etwas kaputt ist und kann weiterer mutwilliger oder natürlicher Zerstörung entgegenwirken – wenn zeitnah repariert wird“, ist er überzeugt. Den Plan als Grundlage finden alle Räte gut. „Mit der Software sollten wir herausfinden, welche Arbeiten in der Privatwirtschaft billiger angeboten werden“, sagte Falk Kazmaier.
Auch Bauhofleiter Schweizer hat einen Wunsch: „Das Rasenmähen auf den kleinen Flächen ist für uns ein großer Aufwand. Da nimmt die Anfahrt mehr Zeit in Anspruch, als das Mähen selbst“, sagte er. Deshalb würde er sich über Nachbarn solcher Flächen freuen, die kurz mal mit ihrem Mäher über die Fläche drüberfahren. „Früher waren mehr dazu bereit“, bedauert der Bauhofleiter.
