Kirchheim. Die Stadträtin der Frauenliste, Eva Frohnmeyer-Carey, begrüßte die Frauen und einige wenige Männer im Vortragssaal der Stadtbücherei. Sogleich prangerte sie den Missstand an, dass Frauen im 21 Jahrhundert in Deutschland immer noch deutlich weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen und dass sie durch Minijobs und Teilzeitjobs und oftmals durch ihre Rolle als Alleinerziehende gleich mehrfach von Armut bedroht seien.
Die gebürtige Argentinierin Marta Aparicio, die seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit den Gründen für weibliche Armut. Gleichzeitig machte die Verdi-Frau, die Mitglied in der Partei Die Linke ist, deutlich, dass viele Frauen unfreiwillig in die Rolle der Ernährerin rutschen, da auch Männer von Niedriglöhnen oder Arbeitslosigkeit betroffen sind. So seien in 34 Prozent der Haushalte, in denen eine Frau lebt, diese die Hauptverdienerinnen. Frauen in Deutschland arbeiten in 6,5 von insgesamt 7,5 Mio. Minijobs, die meisten davon im Niedriglohnbereich. Gleichzeitig werde für sie keine Altersvorsorge getroffen, was wiederum bei besonders vielen Frauen im Alter zu Armut führte, so Aparicio. So käme es, dass viele Frauen mehrere Jobs hätten oder mit Hartz IV aufstocken müssten, um mit ihren Kindern über die Runden zu kommen. Das Aufstocken der unzureichenden Löhne und Gehälter geschehe somit auf Kosten der Allgemeinheit.
In der anschließenden Diskussion, die von der Grünen-Stadträtin Sabine Bur am Orde-Käß geleitet wurde, wurde auch deutlich, dass in dieser Mehrfachbelastung der Frauen die Ursache dafür liegt, dass sie sich nicht organisieren und gemeinsam gegen diese Missstände wehren könnten. Kontrovers wurde diskutiert, ob eine Frauenquote Verbesserungen für Frauen, die nicht in Führungspositionen arbeiten, bringen könnte. Zum einen wurde durchaus die Vorbildfunktion von „Karrierefrauen“ anerkannt, zum anderen wurde angemerkt, dass Frauen in Führungspositionen nicht mehr als Männer daran interessiert seien, die Situation der Frauen in den Minijobs und Teilzeitjobs zu verbessern, da der Profit des Unternehmens im Mittelpunkt ihres Interesses stehen würde.
Als positives Beispiel für die Gleichstellung der Frauen auch in Bezug auf ihre Verdienstmöglichkeiten führte Marta Aparicio Schweden an: so seien dort 40 Prozent aller Abgeordneten im Parlament Frauen, 70 Prozent aller Frauen arbeiteten in ihren erlernten Berufen, die Kinderbetreuung sei ausreichend für alle Kinder, Sitzungstermine in Firmen würden familienfreundlich angesetzt und 40 Prozent der Aufsichtsratsmandate in börsennotierten Unternehmen müssten laut Gesetz an Frauen vergeben werden. Dieses Positivbeispiel gelte es auch in Deutschland umzusetzen und dafür müssten die Frauen gemeinsam kämpfen. pm
